Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 101 (28.12.1885)
- Date
- 1885-12-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1727 rück, seitdem sic die Anstalt in ihrer wahren Gestalt kennen lernten. Dr. Köhler hat gesehen, woher der Wind bläst, nachdem seine Zuhörerschaft im Tempel meist sehr beschränkt in der Zahl ist, während der nahe Kohnt'sche Tempel stets gefüllt ist. Wise und Köhler mußten nun umsomehr etwas IHM, als die letzte Rabbinerversammlung in Baltimore gezeigt hatte, daß die Majorität der Rabbinen weder von dem unsknpulösen Dcmagogcnthum Wise's noch von dem wahnsinnigen Radikalismus Köhlers etwas wissen wollte. Wie konnte nun das Prestige Äohlcr's und Wise's befestigt werden, war die Hauptfrage der Herren? Diese Herren posaunten nun aus, die Reform sei in Gefahr und hofften alte Freunde mit diesem Schrei zu wecken und zu ihrer Hilfe hcrbeicilen zu sehen. Köhler wollte seinen Namen an der Spitze der Rabbiner sehen und was Wise wollte, das ist klar." Nachdem der „Standard" dann das Resultat der Konferenz besprochen, kömmt er zu dem Schluß, daß das Jndenthum von diesen Leuten und ihren Beschlüssen nichts zu furchten habe. Der „Jcwish Messcngcr" und andere Organe gehen nicht minder scharf vor und der erstere ruft den konservativen Vertretern, ob etwas mehr oder weniger rechts stehend zn, sich zu einigen und gegen diesen gemeinsamen Feind, der in Pirtsbnrg seine Gefährlichkeit zeigte, scharf vorzugche». Ich habe nun in kurzen Umrissen ein Sttmmnngsbild gegeben, wie die Beschlüsse in den verschiedensten, orthodoxen und neologeu Kreisen anfgenommcll werden. Wenn auch von Zustimmungen zu dem Köhler - Wiseschcn Feldzug nichtviclzu hören ist, so ist cs doch keinesfalls richtig, deshalb die Gefahr zu unterschätzen. Das Uebcl, das diese Herren heransbeschworcn, ist sehr gefährlich, und wenn die Folgen nicht bald bemerkt werden sollen, so bedarf es der gemeinsamen Handlung aller wahren Jchudim. Die Abschaffung der nb'c ist bekanntlich ein Cardinalpnnkt im Programm der Herren, und da sieht man leider schon Folgen. Möge mau bei Zeiten nicht nur mit Worten, sondern durch die That in Wort und Schrift und hauptsächlich durch Belehrung der Jugend die Bewegung abzuschwächen, niederzndrücken suchen. Das Judcuthum hatte gegen „Kofrim" schon öfter harte Kämpfe, bei welchem diese unterlagen und so wird anch die Bewegung enden, welche die Revolutionäre des amerikanischen Judenthnms in Scene setzten. Zciturrgsuachrichte» und Corresporrderizen. Ocsterr.-Ungar.Monarchie.' Budapest, SK). November. Bom letzten Samstag bis zum heutigen tvährten die Festlichkeiten, deren Zeuge die ungarische Hauptstadt anläßlich des zehnjährigen Regierüngsjubiläums des königl. ung. Ministcrialpräsidcntcn Koloman von Tis za gewesen. Man mag über Tis za denken wie und was man wolle, die Thatsachc steht fest, daß sein Jubiläum vom ganzen Lande festlich begangen wurde, und daß die nationalen Kundgebungen ganz unvorhergesehene Dimensionen angenommen haben. Dabei wollen wir gerne und willig zugestchen, daß Ti s z a's Verdienste um die Krone und das Vaterland denn doch große und bleibende sein müssen, wenn ihm ein ganzes Volk so rückhaltlos und in wahrhaft grandioser Weise die gebührende Anerkennung zollt. — Die ans allen Thcilen des Landes als Vertreter der Station erschienenen zahlreichen Deputationen brachten viele Tausende von Gratulanten in's Palais des Minister-Präsidenten. Wir können nur aus zwei Deputationen reffektiren, welche namens der beiden jüdischen Parteien des Landes vor Tisza erschienen sind. Zuerst kam die Deputation der ans Basis des Kongresses stehenden israelitischen Konfession, in deren Namen sprach: Prediger Dr. Samuel K ohn: Ew. Excellenz, Herr Minister-Präsident! Die Vorsehung hat es gnädig gestattet, daß die heiligen Angelegenheiten unseres Vaterlandes zehn Jahre hindurch au der Spitze unserer Regierung von einer Hand, von der weisen und kräftigen und gerechten Hand Ew. Excellcnz geleitet wurden. Und aus Anlaß des Ablaufes dieses inhaltsreichen, in der Geschichte unseres Vaterlandes eine Epoche bildenden Dezenniums sind anch die Distriktspräsidenten der nngarländischen und siebenbürgischen Israeliten, das ständige Eomite des Landcs-Rabbinen-Seminars u. dessen Profesforenkörper vor Ew. Excelleuz erschienen, mit mit huldigender Verehrung ihren Dank, ihre Freude und ihre Glückwünsche auszudrücken. Die Ungarn jüdischer Konfession nehmen stets an den Gefühlen der Nation theil, darum wünschen sie mit uns im ganzen Laude, daß der Herr des Himmels Ew. Excellenz noch lange in frischer Kraft und im Glück Ihrer Familie, sowie der Völkerfamitie erhalten möge, welche dieses Vaterland bewohnt und indem wir auf Ew. Excellenz den Segen des Himmels herabflchen, wiederholen Hunderttansende unserer Glaubensgenossen das Wort des Psalunsten : „Schreite vorwärts und wandle glücklich im Interesse der Wahrheit und