Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 101 (28.12.1885)
- Date
- 1885-12-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1726 Der Rabbiner der portugies. Gemeinde Dr. Men des hob hervor, das; viele Sentenzen der Pittsbnrger Beschlüsse den orthodoxen Prinzipien entnommen seien, die die Herren als eigenes Machwerk ansgäbcn. Das ist nnehrlich und kann ihnen keine Achtung selbst bei anderen Religionen einflößen. In der jüdischen Religion ist kein Platz für diese Ansichten. Treffend ruft ihnen D r. Me »des zn: Ist das Gebot, den 7. Tag als rav zn halten, moralisches oder ceremonielles Gesetzt Wenn moralisch, warum halten die Herren den roty nicht hoch; wenn nur ceremoniell. warum brechen sie nicht offen mit demselben (sie haben es bekanntlich jeder Gemeinde anheimgestellt den 7. oder 1. Tag der Woche nuiy zu halten)? Wer kann sagen, welche Gesetze der (Zivilisation entsprechen >nnd welche nicht? Moderne Zivilisation in Amerika ist verschieden von der in Afrika, die in Europa verschiedene gegen die in Asien n. s. w. Kann die jüdische Religion allenthalben modifizirt werden? Wenn die Herren Reformer (Zeremonien als nicht in das Land passend abschaffen, warnni führen sie nicht andere ein, die dazu passen? In der Weise führte Dr. Mcndes die Eonsequenz- und Prinzipienlosigkeit der Herren weiter ans und schloß mit der Versicherung, daß die grcße Majorität des Volkes gegen die Ansicht der Pittsburger Eonferenz sei. In der Gemeinde „B'nai Jeschurnn" ließ Dr. Jacobs seine Stimme hören, indem er die „Moral" der Pittsburger Kollegen beleuchtete. Der rar wird nicht gehalten, ist wahrscheinlich ceremoniell und nicht moralisch, ebenso der d"’ ist wieder moralisch n. s. f. Dr. Jacobs sprach das richtige Wort, als er sagte: „Weil die Abschaffung der Feiertage in die Finanzen der Gemeinden schädigend cingreifen würde, ziehen die Herren nicht die Konsequenzen ihrer Anschaunngen." So ist es auch; das Geld, das Geld, regiert auch die Pittsburger Moral. In diesem Tone wurde allenthalben gepredigt; in Baltimore griff Dr. Szold die Herren heftig an und erklärte, daß sich seine Gemeinde in Zukunft der Unterstützung des Rabbincrseminars von Dr. Wise in Eincinatti enthalten würde; das ist sicher das beste Mittel die Herren zu bekämpfen. Dr. Schneeberge r, streng orthodox, nannte die Ansichten, die in Pittsburg der Oeffcntlichkeit übergeben wurden, ,>Deutsche Jmportationen", die sich hoffentlich nie acclimatisiren. Was haben die Reformer in den letzten 25 Jahren geleistet? Haben sie das Volk befriedigt, haben sie bessere Juden gemacht? Die Ansichten Schneeberger's decken sich so ganz mit denen, die diese Zeitung stets vertritt, daß es nicht nöthkg ist, sie weiter anszuführen. Auch andere Baltimorer Rabbiner sprachen gegen die Confercnz und nur Rabbiner Philipson hatte an diesem Platze die Eonrage, seine Freunde zu vertheidigcn. Er lenkte ein, indenl er verschiedene Ausdrücke abznschwächcn versuchte, ja sogar die Ansicht Köhlers, betr. der nb'Q, als eine persönliche K's. hinznstellen versuchte. Philipfon muß aber seine Zuhörer für sehr beschränkt halten, wenn er dies behauptet; wurde doch diese Frage, wenn auch mit dem Mäntelchen, Proselyten betreffend, umhängt, einem Eomitö überwiesen und kann sonach nicht allein in Köhler einen Vertheidiger gefunden haben. — Auch in Philadephia und vielen anderen Städten des Landes erhielten die Herren unzweideutige Antworten auf ihren Ruf; allein die treffendste Antwort haben die Herren von Seite eines viel Fortgeschrittenen erhalten, nämlich vom Dr. Felix Adler in Rew-Iork. Felix Adler ist der Sohn des früheren bekannten hiesigen Reformrabbiners Dr. Adler, war Rabbinatskandidat und ist jetzt Prediger einer freireligiösen Gesellschaft, vor welcher er stets Sonntags Vorträge hält. Letzten Sonntag sprach der Herr über die Eonferenz und aus seinem Munde hatten die Herren derbe Wahrheiten zu hören. Natürlich war die Quintessenz des Vortrags gegen jeden Glauben gerichtet, allein die Herren Reformer mußten doch viel Unangenehmes hören. Er sagte, die Reformer nehmen nach und nach Alles weg, behaupten aber doch das alte Gesetz zu erhalten. Diese L hrer von Nichts (wie er sie heißt) halten Eonferenz und was beschließen sie? Ein neues Ritual; Gebete, die so lange gut genug waren, werden abgeschafft und durch neue ersetzt, mit der die Herren Gort besser zu dienen hoffen, Adler stellt die Herren mit dem Judas Jschariot des neuen Testaments auf eine Stufe, sagt ihnen noch einige andere Höflichkeiten um dann natülich auf die Vertheidigung seiner Ansichten, die ja eigentlich die Eonsequenzen der Ansichten der Pittsburger Herren sind, nberzugehen. Adler ist ehrlich gewesen, indem er vom Rabbinerthum zurücktrat, und darum treffen seine Worte die Herren doppelt schwer. Die jüdischen Zeitschriften greifen die Herren nicht minder scharf an und von den vielen Leitartikeln möchte ich nur Einzelnes hervorheben. Der „Hcbrcw Standard", das gelesenste jüdische Blatt New-Aorks, widmet einen großen Theil der letzten Nummer der Eonferenz. Nachdem das Blatt dieselbe kritisirt, schreibt es wörtlich: „Der Eincinattier „Eheder" oder die Wise'sche Rabbinerschule, steht vor finanziellen Schwierigkeiten- Die besten Gemeinden Amerikas ziehen ihre Unterstützung zu-