Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 101 (28.12.1885)
- Date
- 1885-12-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. Beilage zu Ur. 101 des Israelit. Leitender Artikel. Amerikanische Wrisse. XXIII. New-Jork, 29. November. Tie weltumsturzende amerik. Rabbiner-Confcrenz zu Pittsburg vom 16.—18. November. II. 'biv rH 2'vvtr nbi *.yT xb nbi oniy rsn? *' p‘DS V'3 '.TJW :D1* ’3ns* 2'22L' O’in m23:? Könnte ich an der Spitze des zweiten Artikels, der die wcrthe Gesellschaft, die sich in Pittsburg versammelte, um über die alten Lehren und Satzungen des Judenthums zu Gericht zu sitzen, einen bessern Vers stellen als den IO. des 56. Kapitel Jsaias? Passen die Worte des großen Propheten nicht trefflich auf die Revolutionäre des amerikanischen Judenthums? Pittsburg ist bekanntlich eine Fabrikstadt, in deren Mitte und Umgebung die revolutionäre Bewegung unter Arbeitern fruchtbaren Boden findet und dies mag ein Grund mehr gewesen sein, die Weise'sche Bewegung hier in Scene zu setzen! G. l. jedoch mit einem bisherigen Erfolg, der den Leitern selbst schon gezeigt haben muß, wie wenig das jüdische Volk in seiner Majorität von ihren Beschlüssen wissen will. In meinem ersten Briefe habe ich die Verhandlungen in Pittsbnrg kritisch beleuchtet, heute will ich dem werthen Leser sagen, wie ein großer Theil der jüdischen Bevölkerung über die Versammlung nrtheilt. Privatleute, Rabbiner, Zeitungen sind einstimmig in der Vernrtheilnng und die Stimme der Herren des „Pittsburger Eongreffes" kann vor den lauten Protesten, die allenthalben ertönen, nur schwer zum Wort kommen. Allein nicht nur in jüdischen Kreisen, auch in anderen werden die Pläne der eingewanderten deutsche Rabbiner, wie man mit Recht hevorhebt, mit Mißfallen anfgenommen und mein heutiger Brief wird dies ausführlich darlegen. Bevor ich jedoch des Näheren auf die Aeußerungen der Gegner der Konferenz eingehe, sei' mir gestattet hervorzuheben, daß der Volksmund mit Recht betont, daß alle oder die meisten der revolutionären Rabbiner aus Deutschland eingewandert sind, und daß cs daher Pflicht der jüdischen Presse in Deutschland ist, einmal eingehend darzustellen, wer d ie Herren sind und welche Stellung in religiöser Beziehung sie früher einnahmcu. Alle waren sie Anhänger der strengsten orthodoxen Richtung; einer aß während der ersten Zeit seiner Anwesenheit in Amerika 1 Jahr lang kein Fleisch, außer etwa einen Hahn, ein Zweiter aß nur „Chalo" Brod, ein Dritter ließ sich während der jttsd nicht barbieren it. s. w. Mögen sie noch so schreiend, noch so stürmisch gegen die Mutter, die sie großgezogen, die sie in der Jugend gehegt und gepflegt hat, Vorgehen; die Mutter wird fortleben und die Kinder werden lange vergessen sein, wenn die Völker dereinst cinstimmen in die Lobpreisung der Mutter aller Religionen, in der einstimmigen Anerkennung des Gottes, des einzigen Vaters Israels -ns iöbti "ns 'n \t wnn ora. Ich gehe nun zu den lantgcwordenen Aeußernngen über die Konferenz über und beginne mit den Stimmen der Rabbineu, die sich theils auf der Kanzel, theils in der Presse vernehmen laffen. Die ersten Aeußerungen verlauteten von den Rabbinern hier und da war es in erster Reihe der Rabbiner der Gemeinde „Adath Israel" Dr. M ais u e r, der in einer politischen Zeitung und am rh-in #Bre 'raff von der Kanzel herab kräftige und treffende Worte über die Konferenz und deren Leiter äußerte. Er betonte, daß die Bciscitesetzung vieler Gebote, weil solche nur für Palästina bestimmt seien, noch kein Argument für die Erlaubnis; des Genusses von Schweinefleisch sei. Die Herren, sagte Dr. M., seien gar nicht berechtigt im Namen ihrer Gemeinden, geschweige erst des Jndenthums zu sprechen. Manche derselben sind mit ihrer Idee, den Sabbat ans den Sonntag zu verlegen, in ihren eigenen Gemeinde nicht durchgedrungen, und jetzt spielen sie sich als die Sprachorgane des Jndenthums auf. Größenwahn sei eine der Triebfedern, der Bewegung, an deren Spitze der Mann, von dem die Sidra sagt: bin ns tt-pa ph, steht. Es ist eine Schmach für das Judenthmn solche Leute sich als seien Vertreter brüsten zu sehen. Nicht minder scharf ließ sich, derNabbiner dcrGcmeinde A h a w a t h Ehesed, Dr.Kohnt, aus; derselbe hob ebenfalls einen Vers von der Sidra hervor -,nw »tna p^ py nny iy, welchen er mit den Worten von erklärte, daß unser Vater Jakob, obwohl er bei dem schlechten p!> so lange Zeit war, er doch die ini Worte ttu ausgedrückten resa nn strenge hielt und es paßt dies auch auf uns. Die Sidra ri^ l war so treffend gerade für solche Beobachtungen.