Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-12-28 · Heft 101 (28.12.1885) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 101 (28.12.1885)
Date
1885-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449598--23471-2513149
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1721 riitm einer besondern Beliebtheit. Der junge Gelehrte wurde nicht müde, einige Jahre hindurch auf eine Sraatsanstcllung Zu warten, doch endlich riß ihm die Geduld und er klagte einem Freunde sein Leid. „Aber, thenrer Freund", meinte der Andere, „Ihnen kann leicht geholfen werden. Lassen Sic sich heute taufen — und morgen sind Sic ernannt." Dem jungen Professor leuchtete die Sache ein. Er machte sich sofort auf die Strümpfe und ging Zum Nntcrrichtsministcr Trefort. „Ah, Sie sind schon wieder da?" brummte der liebenswürdige Minister. „Ja, Excellenz, ich bin so frei. Darf ich eine Bitte vortragen?" lispelte der Professor im durchbohrenden Gefühle seines Nichts. „Ich kenne Ihre Bitte: Sie wollen Profcffor werden. — Haben gute Zeugnisse — weiß wohl — aber keine Stelle frei — bcdaurc. — Das ungefähr waren die Schlagworte der ministeriellen Antwort. „Nein Excellenz", rief der junge Gelehrte ohne Staatsanstellnng, „ich will mich taufen lassen und bitte Ew. Excellenz, mein Taufpaihe zu sein." Der Minister weigerte sich eine Weile, dann aber erklärte er sich bereit, als Taufpathe zu fungiren. Seither sind Monate vergangen und der junge Gelehrte erwartet noch immer seine Ernennung. Jüngster Tage traf ihn der Freund, welcher ihm den guten Rath gegeben hatte. „Nun, lieber Rcligionsgenossc, sind Sic schon angestellt?" fragt er? Zornig replizirt der Andere: „Keine Idee. Denken Sic sich, da wird im zehnten Bezirk eine Stelle frei, und der Minister ernennt einen Andern und denken Sie sich die Blamage, .er ernennt gar einen Inden!" Die hiesigen Gemeinde - Institutionen erfreuen sich unter der ausgezeichneten Leitung des allgemein hochgeachteten verehrten Rabbiners, H. Abraham Grün bürg, wie unter der aufopfernden Thätigkeit des hiesigen Vorstehers, Herr B. Glücksmann, der besten Wohlfahrt. Schon lange besteht hier eine zweiklassige isr. Volksschule, jetzt geht dieSchulkomuiission daran eine vierklassige Schule zu errichten. Es wäre nur zu wünschen, daß die geehrten Herren eine lebhaftere Wirkung entfalten, damit die Vollführung dieses edlen Werkes beschleunigt werde. Mit Erlaubniß der löbl. Nedaction, behalte. ich mir vor, noch Näheres über die Verhältnisse der jüd. Gemeinden in der Zips zu berichten. Jenö Horowitz. Kssnrark (Ungarn), 17. Dezember. Abermals hat der unerbittliche Tod einen werthvollen Ring aus der Kette der jüdischen Gelehrtenwelt entrissen! Rabbi I. B e i er n ein Matador talmudischer Gelehrsamkeit, ist am 7 d. zu Grabe getragen worden. Viel zu früh schied der gefeierte Mann aus diesem Leben. Das Hinscheiden desselben hat in ollen Schichten der jüdischen Bevölkerung, am meisten aber in othod. Kreisen eine wahre Trauer hcrvorgerufcn, die sich bei der Bestattung des Verblichenen kundgab. Am Sarge, um welchen sich die zahllosen Verehrer des Dahingeschiedcncn gruppirt hatten, hielten die Rabbiner aus S. A. Njhcly, Galszccs, Liszka und noch andere ticfcrgreifcndc Reden. Und in der That wird die Gemeinde Saros-Patak noch lange ans das Grab ihres Rabbiners mit tiefen Seufzern zeigen. Seinem edlen uneigennützigen Wirken verdankt die Gemeinde ihre Institutionen. Ein pns D’on in der schönsten Bedeutung des Wortes verstand er es, auf die Gemüther der seiner Seelsorge Anvcrtrauten heilvoll zu wirken! innen nod ’g Wer bietet der trauernden Gemeinde hiesür einen Ersatz! Jetzt wäre aber zu wünschen, daß die Gemeinde S. Patak nicht lange ohne Rabbiner bleibe, beim nur in Ermanglung eines geistigen Oberhauptes gehen die Institutionen zu Grunde und ihre Blüthen welken dahin. Der Verblichene hinterläßt eine zahlreiche, unversorgte Familie. Gott tröste alle die um ihn trauern! mm» »nn Der aus Ung.-Altenbnrg gebnrtigte M. Grünfcld verehelichte sich im Jahre 1 «73 mit Karoline Pollak, welche ihm ein Kind gebar, verließ jedo'ch dieselbe und hcirathcte im Jahre 1881 in Darno zum zweiten Male ein Mädchen Namens Johanna Heinrich. Die Trauung vollzog der Kaufmann I. Glatter in Asvang augeblcich in Vertretung des Raaber Rabbiners H. Suiders. Der Raaber. Gerichtshof vcrurthcilte Grünfeld wegen Verbrechens der Bigamie zu neun Atonalen und I. Glatter wegen Thcilnahmc an diesem Verbrechen zu einem Monate Kerkers. Die ,k. Tafel erhöhte das Strafausmaß für Grünfeld auf zwei Jahre Kerker; I. Glatter aber wurde freigesprochen. Jenö Horowitz. Kesmark, 18. Dezbr. W i l h e l m M e i s e ls aus Munkücs verließ schon in frühester Jugend seine Vaterstadt, siedelte sich in verschiedenen Provinzstädten an, zuletzt in B u d a p e st. Mcisels war vor einigen Jahren finanziell sehr gut situirt; er besaß ein Vermögen, das mindestens auf 70^-80,000 ll. geschätzt werden konnte. Durch unglückliche Spekulationen büßte er aber fein Vermögen ein, wenn es ihm auch gelang bis vor einigen Monaten, seine aus zwei erwachsenen Töchtern und einem etwa 19jährigen Sohne bestehende Familie anständig zu erhalten und einen scheinbar vornehmen Haushalt zu führen. Der Schein der Wohlhabenheit wurde mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.