Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 101 (28.12.1885)
- Date
- 1885-12-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1718 treue Gottesdiener bewährt; aber in unsrer Zeit beginnt die Treue vielfach zu wanken. Ach, daß unser Volk es nicht versteht, so groß und stark im Glücke zu sein, wie in den Perioden der Schmerzen und der Erniedrigung! Seitdem die Scheidewände hinweggenommen, die uns von allem Erstrebeuswerthem im bürgerlichen Leben fernhielten, verlassen vielfach die Söhne und Töchter unseres Volkes den ewigen Hort Israels, unfern Vater im Himmel und Seine heilige Lehre. Die Sucht nach Erwerb und Gewinn veranlaßt die Entweihung der Sabbate und Feiertage, die Genußsucht verletzt die Speiscgcsetze, und allmählich wird das ganze Haus der Religion der Väter entfremdet. Die Kinder wachsen auf ohne vom Judenthum das Geringste zu erfahre». Die Söhne erlernen die heilige Sprache nicht und werden nicht hinangeführt zu den ewigen Quellen des Heils; die Töchter lernen tausend überflüssige Dinge, nicht aber, was der jüdischen Hausfrau, der jüdischen Gattin, der jüdischen Mutter zu wissen nothwendig ist. Die Frauen sollen die Säulen sein, auf denen das Haus ruht, wie es heißt: -271 n’jsn nocno nno irnua. „Unsere Töchter wie die Säulen, ausgebildet nach dem Muster des heiligen Tempels." (Psalm 144, V. 12). Wenn die Frau in Liebe und Treue dem Glauben der Väter anhängt, so ist das ganze Hans dem Judenthume gewonnen und bleibt ihm erhalten. Selbst der unserer heiligen Religion mehr oder weniger entfremdete Mann wird sich dem liebevollen Einflüsse der treuen, mit aufopfernder Liebe ihn umgebenden Gattin fügen, und die Kinder — die Mutter ist es namentlich, die sie erzieht, die Anhänglichkeit für den Väterglauben.in ihre Herzen pflanzt, die sie an die Hebung der Gottesgebote gewöhnt, vor der Uebertretung der Verbote Gottes stets warnt. Denket daran, Ihr theurcnSchwcstcrn, daß einst um der fromnien Frauen willen unsre Väter aus dem Galuth Mizrajim erlöst sind worden. Ihr seid die Priesterinnen des Hauses, bestimmt, die Gottesflamme zu. nähren und zu erhalten, daß sie nimmer verlösche und stets zu neuer Gluth angefacht werde. Wir haben keinen Tempel niehr, keinen Altar und keine Priester. Unsere Synagogen sind Bet- und Lehrhäuser, aber keine Tempel. Aber unser Haus, unser ÄZohnhans soll von uns zu einenr heiligen Tempel Gottes gestaltet werden. Dort soll der Gottesdienst geübt werden früh unb spät. Und der Altar ist, nach dem wundervollen Ausspruche der Weisen, der Tisch, an dem wir unsre Mahlzeiten nehmen. Wenn wir uns die Hände wascheil, den Segen über das Brod sprechen, zwischen einem Gerichte und dem andern oder am Schluffe der Mahlzeit uns von der Gotteslehre unterhalten, und vor Allem, wenn die Speisen so beschaffen und so bereitet sind, wie das Gottesgesetz es vorschreibt, dann gleicht unser Tisch dem Altäre Gottes. Und wer bereitet die Speisen oder beaufsichtigt doch deren gesetzmäßige Bereitung? Die Hausfrau, und deßhalb ist sie gleichsam die Priesterin des Hauses. Und wie der Priester vom Opfer jeden verwerflichen, Unrechten Gedanken fernzuhalten verpflichtet war, so soll die Gattin, die Mutter einstchen und eintreten für die Treue zu Gott und zu Seinen heiligen Geboten. Ein Volk, dessen Frauen und Töchter edeldenkend, tugendhaft und rein sind, wird alle Gefahren glücklich übersteheu und für eine glänzende Zukunft sich erhalten. Kommen wird wieder der Tag, von dem gesagt wird werden W rvi? ltuiew non "c;, da Gott gedenket der Liebe und der Treue, welche die Frauen Israels bewiesen, wfrx nyiEr nstpx ’dsx -2 ixt da die ganze Erde die Hilfe erschaut, die unser Gott Seinem Volke bringen wird. (Schluß folgt.) Zur Sendung Woses. Von Dr. H. Sänger. Mit dem zweiten Buche der heiligen Schrift werden wir in die Geschichte des jüdischen Volkes eingcführt. Wir treffen es in fremden! Lande, einem harten, traurigen Loose ansgesetzt. Pharao, der niächtige König eines großen Volkes, bekommt Furcht vor seinen zahlreichen Sclaven und sieht sich in Gefahr, in Zukunft vielleicht gar von ihnen verdrängt und ans dem eigenen Lande vertrieben zu werden, sucht deßhalb durch Härte und Grausamkeit, durch unmöglich zu erfüllende Forderungen die Zahl dieser Sclaven zu verringern, sie zu schwächen und zu entkräften. Als auch das nicht den gewünschten Erfolg hat, da will er auf heimtückische Weise der männlichen Sclaven sich entledigen und schließlich, da auch dieser Plan auf Hindernisse stößt, erläßt er einen offenen Befehl, alle männlichen Kinder, die künftig geboren, sollen in's Wasser geworfen werden, so mit Gewalt seine Absicht durchsetzen wollend. Dieser unmenschliche, barbarische Befehl trifft auch Moscheh, den einstigen Befreier jener Sclaven. Auch ihn trifft das Loos. Wohl kann Pharao ihn in's Wasser werfen laffen, der Ewige aber rettet ihn aus großer Gefahr. Pharao's eigene Tochter bringt ihm diese Rettung, bringt ihn an seinen Hof; unterseinen eigenen Augen und unter seinem Schutze wird derjenige groß erzogen, der alle seine Pläne vereiteln soll. /