Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 101 (28.12.1885)
- Date
- 1885-12-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVI. Jahrgang. M 101. E i n Gentrat - Grgan für das orthodoxe Iudenthum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Montag, den 28. Dezember 8S4S (1888). Da mit dem l. Jan. 1886 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, das; namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Leitende Artikel. HakutH Wizrajim. in. Mainz, 24. Dezember. Wir haben in den vorhergehenden Kapiteln wiederholt von der Bestimmung Israels gesprochen; dieser steht aber stets ein bedeutender Factor entgegen, und das ist die Willensfreiheit des Menschen. Wenn Gott auch die isr. Nation dazu bestimmt hat, Sein Volk zu werden, zu sein und zu bleiben, so ist doch jeder Einzelne in Israel vollkommen frei. Er kann dieser Bestimmung gemäß leben und sich entwickeln, er vermag aber auch sich ihr zu cutziehen, ganz oder theilweise. Allerdings üben die Verhältnisse einen großen Einfluß; aber doch keinen vollständig bestimmenden. Das besterzogene Kind kann ausarten, und ein in den trübsten Verhältnissen herangewachsener Jüngling vermag sich zu einem edlen und tugendhaften Manne emporzuarbeiten. — Wir haben oben gesehen, daß das Gallith Mizrajim von Gottes Weisheit derart verhängt war worden, daß den Israeliten die Möglichkeit blieb, den Traditionen der Eltern treu, ein Gottesvolk zu werden; aber auch nur die Möglichkeit — denn die Freiheit des Willens wurde auch ihnen nicht beschränkt. Und in der That, nur in sittlicher Beziehung erhielt sich Israel auf der Höhe, in religiöser Beziehung wurde es vielfach zmn Nachahmer des ägyptischen Götzendienstes. Wie unsre Weisen uns berichten und es in vielen Stellen der heiligen Schrift angcdeutet finden, waren es, namentlich die isr. Frauen, denen die Erhaltung der Sittenreinheit zu verdanken war. Den Frauen gegenüber waren die Aegypter voll Milde und Schonung. Gleich im Anfänge der Unterdrückung befiehlt der Tyrann, jeden neugeborenen Sohn zu tobten, die Töchter aber am Leben zu erhalten. Durch die Tödtung der männlichen Kinder sollte der Name, der Stamm Israels ausgelöscht werden; die Töchter aber wollten die Aegypter für ihre Zwecke erhalten wissen. Schon da treten zwei isr. Frauen auf, welche die bösen Zwecke des Königs vereiteln. Die Hebammen Schifrah und Puah (Jochebed und Mirjam) fürchten Gott mehr als den Tyrannen. Wohl wissen sie, das; sie ihr Leben in Gefahr bringen; aber sie zögern nicht einen Augenblick und sind bereit, sich zu opfern; nicht wollen sie ihr Leben durch Ermordung der Kinder erkaufen. Bei der harten Sclavenarbeit, der die Israeliten unterworfen wurden, blieben die Frauen und Mädchen verschont; die Unterdrücker wollten sie den Männern und Jünglingen Israels entfremden, um sie für ihre Zwecke zu gewinnen. Aber die edlen Frauen Israels hingen in unerschütterlicher Treue ihren Gatten an. Sie sorgten für alle Bedürfnisse, und wenn die Männer, todtmüde, entstellt und beschmutzt von der harten Tagesarbeit, am Abend ihre Hütten aufsuchten, da kamen ihnen die Frauen liebevoll entgegen, reichgeschmückt, um den armen Geplagten das Leben erträglich zu machen und sie im häuslichen Glücke alle die Mühen, Sorgen und Plagen vergessen zu lassen, mb ironsw non *oi bmtr. „Er gedachte dem Hause Israels seine Liebe und seine Treue." (Psalm 98, V. 3). Das Haus Israels, lehren die Weisen, das sind die Frauen. Die Liebe, die sie den armen Geknechteten erwiesen, die Treue, die sie ihnen bewahrten, bedachte Gott, und brachte um ihretwillen Seinem Volke die Erlösung. O, ihr edlen Frauen und Töchter Israels! Auch unsere Zeit ist eine Zeit der schweren Prüfung. Achtzehn Jahrhunderte lang haben sich unsre Väter in den schwersten Leiden nnd Kümmernisse» als