Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 100 (24.12.1885)
- Date
- 1885-12-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1711 gebenden Rathes von Neu-Sceland ernannt. Er ist der erste Jude, der daselbst zu dieser Ehre gelangte. Persien. Teheran. Von meiner frühesten Kindheit daran gewöhnt, hci dtb (Persien und Medien) als einen einheitlichen unthcilbareu geographischen Begriff zu betrachten, kann ich auch im vorgerückten Mannesaltcr nicht davon lasten und werde ich Ihnen daher heute aus beiden Ländern zugleich Nachrichten über unsere dasebst lebenden Glaubensbrüdcr cinsendcn. Die Lage und Stellung der Juden im persischen Reiche läßt, wenn man dieselbe vom moslimisch-mittelafiatischen und nicht vom culturdurchtränkten fortschrittlich - gesinnten europäischen Standpunkte aus bettachtct, nur wenig zu wünschen übrig, da die Söhne Israels in Nasr-Eddin einen wahrhaft gütigen und gerechten Fürsten besitzen, der dieselben nicht um eine Nuance schlechter oder bester als alle seine übrigen Unterthanen behandelt. Da übrigens auch die Perser im Allgemeinen sehr tolerant und keineswegs von dem wilden, himmelsstürmenden Glaubensfanatismus der Araber, Türken und Bokharesen erfüllt sind, so können die unter ihnen lebenden Juden ungestört den Obliegenheiten ihres heiligen Glaubens Nachkommen und auch in voller Ruhe ihr tägliches Brod suchen. Einen schönen Beweis von der Frcisinnigkeit des Schah (das Wort „Schah" bedeutet im Persischen „König", besten Plural „Schahin" lautet. Der wirkliche Titel des Schah lautet daher „Schahin-Schah", d. h. „der .Könige König," was die heilige Schrift ssiche Esra VII, 12] mit irzhc -pO getreulich wicdergibt) liefert uns schon der Umstand, daß sein Oberstkämmerer (Hakim Elmcmolck) und Einführer der Botschafter (Introducteur des Ambassadeurs) Mirza Ali Naghi, der Enkel eines Juden ist, der sich seiner jüdischen Abstammung nicht im Geringsten schämt. Deffen Großvater, der alle Würden seines Enkels seinerzeit wieder beim Großvater Nasr-Eddin's, dem Schah Beth-Ali bekleidete, war vom Hause aus ein streng religiöser Jude, der erst iuJsfahan und später hier einen blühenden Juwelenhandel betrieb. Ju dieser Eigenschaft wurde er oft in den Palast des Schah oder in dessen Harem beschieden, und da Seth-Ali in ihm eine höchst brauchbare Persönlichkeit fand, so bewog er ihn, durch Drohmrgen und Versprechungen zugleich, zum Islam uberzutretcn. Im Geheimen blieb er aber noch weiter Jude und hielt er auch strenge den Jom-Kipur (Versöhnungstag). An diesem Tage ließ er sich stets krank im Palaste melden; in Wirklichkeit aber hatte er sich in seinem Gartenhanse eingeschloffen, wo er nun ungestört zu dem Gotte seiner Väter beten konnte. Auch war er bis an sein Lebensende ein großer Wohlthätcr seiner ehemaligen Glaubensgenossen und hatte er im Judenviertel hier einen eigenen Gabai (Cassier) sitzen, der immer am Vorabende des Sabbat und der hohen Festtage an die Bedürftigen daselbst Geld und Lebensmittel verthcilte. Als er dann sein Lebensende hcrannahcn fühlte, bat er seinen jüdischen Hausarzt, ihm die Augen zuzudrücken und mit dem Ausrufe: to 'i (der Ewige ist einzig!) schied er aus dieser Welt. Mau weiß es doch, daß der Uebertritt vom Judenthume zum Islam keineswegs die Verleugnung des jüdischen Glaubens bedingt, da man blos Mohamed als „Boten" Gottes anerkennen muß. Mehrere Gaonim haben daher erklärt, daß der aus Roth zum Islam übergetretene Jude noch immer nicht aufgehört habe, ein solcher zu sein und könne er daher jeden Augenblick wieder zu dem Glauben seiner Väter wieder znrückkehren. Der nun erwähnte Oberftkämmerer Nasr-Eddin's ahmt hierin seinem Großvater nach, daß er den Juden seinen Schutz angedeihen läßt, und zieht er cs daher vor, lieber ein Mordcchai als ein Haman zu sein. Vielleicht schwebt ihm auch das traurige Ende dieses persischen Großveziers, der den Antisemitismus im Reiche des Ahasverus ins Dasein gerufen hat, vor Augen. Der Augenarzt des Schah ist hingegen ein wirklicher und auch wahrhaftiger Jude, da er jeden Sabbat- und Festtag in der Synagoge erscheint, um hier seine Andacht zu verrichten. Auch unter.den Bediensteten im kaiserlichen Palafte gibt es einige Juden, die offen ihren Glauben bekennen und belhätigen können. Die Juden hier, diescchshnndertFamilien zählen, bewohnen ein eigenes Viertel (Mcchallct El-Jehud), das ans mehreren Gassen und Gäßchen besteht. Auch führt eine der Hauptstraßen der Stadt durch das Judenviertel. An der Spitze der Judcnfchaft hier steht der Ket- Huda, (arabisch: Muchtar) d. h. der Judcnmcister, der seine Glaubensgenossen der Regierung gegenüber vertritt und auch die Steuern bei denselben eintreibt und abkührt. Er bezieht von der Regierung ein kleines Gehalt. Dann erhält er auch eine kleine Abgabe von jeder Eheschließung- und Scheidung, ebenso auch von jedem Haus- und Grundverkaufe im Judenvkertel. Zugleich theilt er sich mit dem Mulcy (Rabbiner) hier, zur Zeit Chacham Abraham, in die Annehmlichkeiten und Beschwerden der Gerichtsbarkeit über ihre Glaubensgenossen und zwar so, daß dieser das Urtheil fällt, jener aber es vollzieht. Selbstverständlich müssen die Crimminalverbrechen vor das kaiserliche Gerichtstribunal gebracht