Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 100 (24.12.1885)
- Date
- 1885-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1703 zigjähriges Negierungsj ubilanm. An dem darauffolgende» Sonntag wird in der evangelischen Kirche ein vom Oberkkrchenrathe verfaßtes kurzes Dank- und Bittgebet vorgetragen werden. Wir glauben anrcgcn zu dürfen, daß am Sabbat, den 2. Januar, auch in allen Synagogen des Vaterlandes in das Königsgebet eine Litte für das fernere Wohl und Gedeihen unseres erlauchten Kaisers eingeschaltet werde, als ein schwaches Zeichen für die innige i'tcbc und Verehrung, mit der die deutschen Juden an ihrem erhabenen Herrscherhausc hängen. Ans dem Landkreise Osfenbach. Aus dem hiesigen Kreise dringt sehr selten eine Nachricht in Ihre gcsch. Blätter. Es gibt eben so wenig Interessantes zu berichten und beschränkt sich immer wieder auf das ewige Einerlei. Tic Inden unseres Landkreises befinden sich nicht in besonders günstigen Vcrhältniffen, in manchen Gemeinden ist man so arm, das; die Aufbringung des schwachen Gehalts des Lehrers mit großen Opfern verbunden. In vielen Gemeinden befindet sich gar kein Enltnsbcamter und wieder in andern ist der Haß, Zwist und die Uneinigkeit so groß, daß jedes Jahr mit dem Lehrer gewechselt wird. Das vjyz -itcrn bpn ist überall vorherrschend und es wird nach keinem rn m gefragt. Der Jndiffercntismus auf dem Gebiete dcS jud. Lebens nimmt schreckliche Dimcnssionen an, der Materialismus, diese Sucht und Jagd nach dem Glücke dringt immer weiter vor, alles Religiöse bei Seite schiebend. N'Dm£3 rot? V£n und roeiL rfrrN nehmen überhand, der Sinn für ein altherkömmliches jüdisches Gemeinwesen schwindet von Tag zn Tag immer mehr. Daß cs unter solchen Umständen höchst traurig um den Religions-Unterricht bestellt ist, liegt klar; die Unwissenheit und Beschränktheit des Geistes nehmen immer mehr zu. Möge cs sich bald zum Beffern wenden, mrr L-n. Berlin, 18. Dezember. Die von dem Abgeordneten Dr. Green dem Reichstag überreichte Petition der fakultativen Feuerbestattung, welche demnächst zur Discussiou gelangen wird, ist von rund 23000 Unterschriften bedeckt. Drei Rabbiner prangen unter der Petition mit ihren Namen, einer derselben ist, wie bekannt, Dr. Wiener aus Oppeln. Trier. Am Sonntag rata "n, Abends 71/2 Uhr, versammelten sich die Mitglieder der hiesigen israelischen Neligionsgcsellschast — Herren und Damen — in ihrem Gemeindesaale zu einem Abschiedsbanket zu Ehren ihres scheidenden Rabbiners, des Herrn Dr. Ehrmann n"a und seiner hochgeehrten und allgemein geschätzten Gemahlin, die in einigen Tagen nach Baden in der Schweiz übersiedeln werden, wohin Herr Dr. Ehrmann, wie den geschätzten Lesern dieses Blattes bekannt ist, als Rabbiner mehrerer größerer Gemeinden berufen ist. Im festlich geschmückten und hell erleuchteten Saale herrschte während der Dauer des Festes eine der ganzen Feier entsprechende Stimmung. Die zahlreichen Tischreden gaben den Empfindungen, die sich in den Gemnthcrn aller Anwesenden regten, lebendigen Ausdruck. Es waren Worte der Anerkennung der hohen Verdienste, die sich der Gefeierte während seiner sechsjährigen, segensreichen Wirksamkeit um die Hebung des religiösen Sinnes nicht nur in unserer Separatgemeinde, sondern im Allgemeinen in Stadt und Land erworben. Es waren Worte, in welchen sich Liebe, Verehrung und Dank gegen den scheidenden Führer deutlich bekundeten, begleitet von' den besten Segenswünschen für denselben zu seinem neuen Wirkungskreise. Den Reigen dieser Tischreden eröffnete Herr Michel Levy, Eantor der Rcligionsgcscllschaft, anknüpfcnd an die Anfangsvcrse in D~vrn "w, welche lauten; "priN onirn pa *pn rrras n. s. tu. und betonte derselbe noch wie nnw rrnnr, gerade die als Schtvarze Verschrieenen hier als schön und lieblich gepriesen werden; sodann wurde dem tiefen Bedauern Ausdruck gegeben, daß wir nun bald eine hirtcnlose Schaar werden, zugleich aber die Aufforderung und Hoffnung daran geknüpft, unentwegt auf der betretenen Bahn fortzuwandcln. Dieser mit stürmischetn Bcifalle aufgenommcnen Ansprache folgten noch viele andere Toaste von Seilen verschiedener Herren, gewürzt mit Ernst und Humor, mit mln ’-o- und Segenswünschen. Besonders hcrvorzuhcben sind die ebenso geistreichen, als herzlichen von Schriftcrklärungen jprudclnden Worte des als Ehrengast anwesenden Herrn Eantor Schnerb ans Merzig. Auch an sonstigen poetischen und humoristischen Vorträgen fehlte es nicht, die wesentlich zur festlichen Stimmung beitrugen, und die, um die Bitterkeit des Abschiedes um Einiges zu tnildcrn, dem Feste, — wenn eine solche Feier überhaupt mir dem Namen „ftcft" bezeichnet werden kann, — einen der Situation entsprechenden Eharaktcr verleihen sollten. Zum Schluffe, vor ua"rD ergriff Herr Dr. Ehrmann, sichtlich ergriffen von den vielen Beweisen der ihm gezollten Liebe und Verehrung von Seiten seiner Gemeinde das Wort, um in höchst geistreichen,