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Der Israelit · 1885-12-24 · Heft 100 (24.12.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 100 (24.12.1885)
Date
1885-12-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1702 Sclavcrei. Die wahre Freiheit besteht darin, die I Neigungen und Leidenschaften zu unterdrücken und | nur das zu thun, was die Pflicht gebeut. Während demnach der Herr keinen andern Maßstab seines Handelns als die eigene Willkür kennt, mutz der Sclave die eigene Willkür unterdrücken und einen fremden Willen zum Maßstabc seines Handelns machen; er steht also der Freiheit näher als sein Unterdrücker. So hatten die Israeliten durch die Sclavcrei gelernt einen andern Willen als den ihrigen anzuerkennen und waren dadurch vorbereitet, freie Diener des Höchsten zu werden. Wir haben im Obigem die Frage beantwortet, warum Gott über unsre Väter Knechtschaft verhängt hatte; wir müssen nunmehr uns mit der Frage beschäftigen, warum gerade in Mizrajim das Galuth bestanden werden mußte. Der Gründe dafür gibt es viele. Der Nächstliegende ist der, welcher in der ganzen Geschichte Israels beobachtet werden kann. Niemals vor der Zerstreuung durfte ein geringes und unbedeutendes Volk die Israeliten unterdrücken und verfolgen: es waren immer die herrschenden Nationen, die gebildetsten Cultnrvölker ihrer Zeit, mit denen Israel in Eonflict geriet!): die Aegypter, die Assyrer, die Babilonier, die Perser und Meder, die Griechen, die Römer. Wer es wagen durste, das Volk Gottes zu unterdrücken, mußte eine hohe Stufe der Macht und der Bildung erstiegen haben. (5s ist das ein wunderbares Walten der göttlichen Vorsehung. Waren Leiden für Sein Volk nothwendig, so machte Gott nur die Größten und Vornehmsten zur Znchtrnthe Seines heiligen Willens. Die älteste Enltnr, über welche die W ltgeschichte uns berichtet,, ist die der Chamiten; unter ihnen waren die Aegypter das mächtigste und gebildetste Volk ihrer Zeit. Wenn auch die Eivilisation der Aegypter in religiöser und stttlicher Beziehung eine sehr geringe war, so überragten sie doch alle anderen Völker jener grauen Urzeit in Bezug auf Machtstellung, Kunst und Wissenschaft. Noch zeugen die Pyramiden und Königsgräber von ihren großartigen Bauten. Sie haben die große, für die geistige Entwickelung der Menschheit, wichtigste Kunst erfunden, dem flüchtigen, verhallenden Worte durch die Schrift Dauer zu verleihen. Sie beobachteten den Lauf der Gestirne und berechneten ihn. Sie waren die Erfinder der Arzueiwissenschaft, der Bildhauerkunst. Sie waren die ersten, tvelche, wie uns im Talmud Jeruschalmi erzählt wird. Rosse vor die Wagen spannten und dadurch den Transport erleichterten. Sie verstanden es, die Gewässer des Nils durch das ganze Land zu leiten und den Ackerbau dadurch ungemein zu heben. Inmitten des hervorragendsten Volkes der damaligen Welt sollte Israel geschult und gebildet werden. Aber, eine solche Schulung und Bildung schloß eine große Gefahr in sich. Wie leicht konnte die in Mizrajim cingewandcrte Familie sich mit den Bewohnern des Landes vermischen, um dann spurlos zu verschwinden! Dem aber stand die Organisation des ägyptischen Volkes entgegen. Dasselbe war in vier Kasten getheilt, die von einander gesondert waren und sich nicht mit einander vermischten. Wenn die Aegypter sich schon von einander getrennt hielten, um wie viel mehr mußten sie sich von den eingewanderten Fremdlingen sernhalten! Die heilige Schrift belehrt uns, daß die Aegypter mit den Hebräern nicht an einem Tische aßen. Trotzdem wurden die Schranken durchbrochen, und viele Aegypter, 21 my, schlossen sich den Hebräern an. In 'welchem Maßstabe wäre das erst in einem andern Lande geschehen, in welchem der herrschende .Kastengeist dem nicht entgegengestanden! Wohl konnten die Aegypter sich den Israeliten, aber nicht vermochten die Israeliten sich den Aegyptern anzuschließen. — Bedenken wir die Jugend, die geringe Anzahl der Jakobsfamilie. Die Söhne Jakobs waren erst das vierte Geschlecht der Gottesverehrer. Vor dem Abfall des Einen oder des Andern von ihnen hatte Jakob gezitttert sein ganzes Leben lang. — Ihre Kinder und Enkel — wie leicht hätten sie verführt werden können, wenn einem intimen Umgänge mit den Aegyptern nicht die erwähnten großen Schranken entgegengestanden hätten! .Kein jüdischer Mann hat mit einer Mizrith sich verbunden, nur ein jüdisches Weib, die Thora macht es namhaft (nm ra rvcita'), hat von einem Aegypter sich verführen lassen. Der strengen Sonderung und der reinen Entwickelung der jüdischen Race kam die bei den Aegyptern herrschende Scheidung in Kasten zu Hilfe. : muri tan \s in'tci tanar rrsi pr, upy vntr D\mr, „Die da kamen — es schlug Wurzel Jakob, und da Jakob für sich blieb, so konnte blühen und erblühen Jisrakl, so wurde diese Familie befähigt, ein gottgcweihtes Volk zu werden und der ganzen Welt, der gesammten Menschheit zum Segen zu gereichen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Mainz, 21. Dezember. Am 2. Januar feiert der d e n t sch e K a ise r sein fü n f u n d z wa n-

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