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Der Israelit · 1885-12-24 · Heft 100 (24.12.1885) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 100 (24.12.1885)
Date
1885-12-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXVL Jahrgang. .AS 100. m ♦ E t n Kentrat - Hrgan für das orthodoxe Zudenthmn. Herausgegebe» von Dr. Lehmann in Mainz. Donner st ag, de» 24. Dezember 5646 (1885). Da mit dem 1. Jan. 1886 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. Leitender Artikel. Halulfi Wizrajim. ii. Mainz, 21. Dezember. Wenn wir das in der Geschichte Israels so hochwichtige Galuth Mizrajim näher betrachten, io sind es zwei Fragen, die dem denkenden Menschen aufstoßen müssen. Die erste ist die: warum hat Gott überhaupt Galuth über Israel verhängt; und die zwette: warum mußte dieses gerade in Aegypten überstanden werden. Tie Erklärer der heiligen Schrift geben zahlreiche Antworten auf diese beiden Fragen, von denen wir die wichtigsten unfern geehrten Lesern mittheilen wollen. Die Nachkommen Abrahams, und zwar nicht alle, sondern nur die seines Sohnes Jizchak und von diesen nur die Nachkommen Jakobs, waren bestimmt, das Volk Gottes zu werden, das himmlische Joch der Gottesgebote auf sich zu nehmen, das da den Menschen nach allen Seiten beschränkt und einschränkt, die Neigungen und Leidenschaften zu unterdrücken befiehlt, dagegen gebietet, viele Dinge zu thuu, welche der menschliche Egoismus zu thun sich weigert. Nehmen wir an, die Nachkommen Jakobs hätten sich ruhig und ungestört entwickelt und vermehrt und wären so zu einem Volke geworden; und dann hätte Gott einen Boten an sie geschickt und sie aufgefordert, das schwere Joch der göttlichen Gebote und Verbote auf sich zu nehmen — hätten sie wohl, wie am Fuße des Berges Sinai, eines Sinnes gesprochen jowirro, „wir wollen Ihun und gehorchen?" Sie hätten ebensowenig, wie Jischmaöl, der ungestört am Berge Paran zu einen! Volke geworden, ebensowenig wie Esaw, der in Ruhe und Frieden am Berge Se'ir zu einer Natton herangewachsen war, die Thora angenommen. Dazu mußten sie erzogen, zu diesem Zwecke mußten, sie „in dem eisernen Schmelztiegel Aegypten" geläutert werden. Sie mußten Alles verlieren, sogar das Anrecht auf den eigenen Körper, um Altes aus der Hand Gottes wieder zu empfangen. Sie mußten unendlich viel leiden, damit sie in Gott den Erlöser und Befreier erkannten, damit sie Ihm dankbar den Willen entgegenbringen möchten. Ihm zu dienen und Seine heiligen Gebote zu befolgen. Werden doch die geringfügigen Güter dieser Welt: Reichthum, Ehre, Ruhm, Macht meistens nur durch die schwersten Anstrengungen, Schmerzen, Arbeiten, Leiden errungen — und das höchste Gut, die Gotteslehre, die höchste Würde, Gottes erwähltes Volk zu sein, konnten unmöglich ohne vorangcgangene Leiden, Schmerzen, Mühen erreicht werden. Daher mußten Jakob und die Seinen in ein fremdes Land wandern, daher mußten die Israeliten dor^ die Freiheit verlieren, alle Demüthigungen, Peinigungen, Unterdrückungen, bis zur Ermordung ihrer Kinder, ertragen. Da erst, als die Roth auf das Höchste gestiegen, zeigte sich ihr Annehmer in Seiner Herrlichkeit und Glorie, züchtigte ihre Peiniger, gab Seinem Volke Freiheit und Vermögen zurück und brachte es, wie auf Adlerfittigen, zu Sich empor. Jetzt waren sie befähigt, das Gottcsgesctz zu empfangen und den Nacken zu beugen unter das himmlische Joch. Ein weiser Mann hat einmal die Frage aufgeworfen, wer, im Urzustände der Menschheit, der Freiere gewesen, der Herr oder der Sclave, und hat diese Frage dahin entschieden, daß der Knecht ein größeres Maß von Freiheit besessen als sein Herr. So paradox dos auch klingt, so ist es doch vollkommen richtig und wahr. Die wahre Freiheit ist nicht die Willkür, das zu thun und zu lassen, was die Steigung oder die Leidenschaft zu thun und zu lassen antreiben.. Das ist vielmehr die schlimmste

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