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Der Israelit · 1885-12-21 · Heft 99 (21.12.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 99 (21.12.1885)
Date
1885-12-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1695 schild, der die gan^ Kolonie allein erhält, einen Vertrauensmann, E. L-cheid, nach Konftautinopcl, um das. Nebel au der Wurzel abznschnciden, welche Radikaloperation auch nach ca. zweimonatlichen Ilntcrhandlungcn mit den betreffenden Ressorts vollständig gelungen ist. Tic Bcsitztitel sind ausgefertigt, die Erlaubnis; zum Bau von Häusern in beliebiger Anzahl crtheilt und 90 Holzhäuser, welche ans Galatz gebracht wurden, sind bereits ausgestellt. Das Land ist in Parzellen getheilt und den einzelnen Familien zugcwiesen worden, damit ein Jeder für sich selbst arbeiten muß. Da die Kolonisten bei Weitem nicht genug Land harten, so sind noch zwei anstoßende große arabische Dörfer und Länderkomplexe um den Gcsammtpreis von mehr als 90,000 Rbl. angckaust worden. Baron Rothschild soll bereits 2 Millionen Francs für die Kolonie antzgcgebcn haben. Leider scheint die Verwaltung der Kolonie, welche in den Händen eines französischen Elsässers liegt, eine für die armen Kolonisten sehr drückende und mangelhafte zu sein und der Korrespondent des genannten Blattes wünscht, daß Baron Rothschild, welchen die Verwaltung bisher in Unkenntnis; über die wahren Zustände erhalten habe, ein Machtwort zu Gunsten seiner geprüften Schüblinge sprechen mochte. Feuilleton. Züdi schc Ackeröau - Eolonien. (Schluß.) Tic Ungleichheit der Boden- und Ackcrvcrhältnisie ergibt sich aus folgenden Zahlen: Es wurden in den jüdischen Kolonien im Gouvernement Cherson 1877 gesät: 1499 Tschetwert Wintersaat, 5869 Sommersaat, die Ernte betrug 12,327 Tschetwert Wintergetreide und 54,806 Sommergetreide. Das erscheint brillant; das Bild ändert sich jedoch sogleich, wenn man eine Bertheilnug des Ertrages auf die einzelnen Colonien vornimmt. Es fallen auf Bobrowy-Kut und Sitomir 31 pro Korn; in Jnguletz ergibt die Sommersaat nur 1 pro Korn, in Ljubow dagegen 48Das für jeden Colouiften unentbehrliche Koni beträgt durchschnittlich 3 Tschetwert. Je 4 von den jüdischen Colonien kamen 1877 kaum uiehr als4, in fünf 3, in nenn 2, in drei nur 1 Tschetwert auf den Kopf. In nenn Colonien wurde mehr, als zum Haushalte erforderlich, in nenn weniger und in acht nicht einmal das Unentbehrliche geerntet! Das illustrirt die Bodcubeschaffeuheit und die Ungleichheit der wirthschastlichen Verhältnisse in den einzelnen Colonien. Doch wir haben die Leser noch nicht mit der Anzahl und dem Rainen dieser Colonien bekannt gemacht Es gibt deren in den Bezirken Cherson und Elisabethgrad im Ganzen 27, und zwar: Groß- und Klcin-Rahartow, Groß- und- Klcin-Romanoka, Tobraya, Tesiuya, Reu Pultawka, Lwowa, Reu-Berislaw, Jnguletz, Groß- und Klein- Scdeh-Menucha, Bobrowy-Kut, Reu Sitomir, Reu- Witcbsk, Reu- Podolsk, Rcn-Kowno, Kamcnka, Jglutschafta, Pifanowka, Sagaidan, Jsraelewka, Marianomka, Martinowitschcnwa, Vcrina, Morgunowka und Walachcwka. Achtzehn dieser Colonien besaßen im Jahr 1877 eine Bevölkerung von 21,881 Seelen, 11,359 männliche und 10,522 weibliche. Tic relativ größte Bevölkerung (nämlich von arbeitsfähigen Männern) weift die jüdische Colonie Jnguletz mit 1050 männlichen und 944 weiblichen auf. Darauf folgt die große Sedeh-Menücha, die 1042 männliche und 992 weibliche Bewohner zählt, dann Bobrowy-Kut mit 1019 männlichen und 930 weiblichen, Rcu-Pultawka mit 964 männlichen und 937 weiblichen, Tobraya mit 849 männlichen und 750 weiblichen Personen. Die kleinsten jüdischen Colonien sind Gromatklca mit 175 männlichen und 154 weiblichen, Klcin-Rahartow mit 135 männlichen und 127 weiblichen Personen. Rach den statistischen Angaben des früherer; Vorsitzenden der rabbinischcn Commission, F. H. Blumenfeld, führen von dieser Gesammtbevölkerung 10,000 Männer eigene Wirthschaften und verrichten alle vorkommenden Feldarbeiten. Tie geringen Bodenerträgnisse liefern, wir wir schon gesehen, nicht für alle Bewohner die erforderliche Ernährung. Ein Thcil der Bewohner vermiethet sich dcßhalb als Feldarbcitcr oder treibt auswärts landwirthschaftliche Gewerbe. Andere dieser Inden ziehen auch,, wenn die Landarbeit vorüber, hausircnd oder allerlei Gewerbe treibend, in die Städte, ähnlich wie cs die kleinen deutschen Bauern auch thun, die, um nicht zu verhungern, zu irgend einem Gewerbe neben der Landwirthschast greifen muffen. Die 27 Colonien sind natürlich nur ganz allmählich entstanden. Bis 1827 gab cs in diesem Gouvernement nur 7 Colonien. Was die Lage derselben noch außerordentlich erschwerte das waren zahlreiche Epidemien, welche unter Menschen und Thieren schreckliche Verwüstungen anrichtetcn, und dabei allerdings nicht nur die jüdischen Dörfer, sondern auch alle Niederlassungen des Südens verheerten. Wie sehr Mißernte und Epidemien die Colonien heimsuchten, das lehrt ein Blick auf die Unterstützungen, welche die Negierung den Juden gewährte. In den Jahren 1833, 1834 und 1835 9

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