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Der Israelit · 1885-12-21 · Heft 99 (21.12.1885) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 99 (21.12.1885)
Date
1885-12-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1604 kn der talmndischen Zeit wurde dies in derselben Weise mißdeutet, aber auch schon damals wurde von den Weisen die treffende Antwort gegeben, daß der (Gebrauch des Verbs kur Singular (»na rmna) eine solche Auffassung ausschließc. In Wirklichkeit findet sich ja auch das Wort ps, auch wenn e-5 sich ans Menschen bezieht, an unzähligen Stellen in der Plural-(5oustruetioii uns, "ns n. s. w.j, und diese Wendung, die manplurnlirr m^festnris nennt, ist ja jedem kennet der hebräischen Sprache bekannt, wird aber nichts desto weniger immer noch als Beweis gegen den Monotheismus der Bibel angeführt. Weitere Scheingründe werden aus der beschichte des jüdischen Volkes entnommen. Es ist ja unzweifelhaft, daß der Monotheismus nur nach schwerem, harten Kampfe vollständig die Herrschaft über den Geist des jüdischen Volkes gewann. Redner wies auf den tiefen Ausspruch eines jüdischen Religiousphilosophen hin, daß Israel eben deßhalb erwählt worden sei, weil es ein ncp oy sei, das sich nicht so leicht zur Anerkennung der Wahrheit entschließe, aber dafür, wenn einmal die Wahrheit in ihm zur Herrschaft gelangt sei, desto treuer und zäher an ihr festhalle. Der Einfluß der umwohnenden Völker auf der einen Seite, auf der andern das dem Menschen iuuewohueude Verlangen, sich das Göttliche in sinnlicher Form vorznsiellen, veranlaßten deßhalb, nach den Berichten der heiligen Schrift, hälftige Rückfälle Israels in den Götzendienst, von dem goldenen Kalb, das die Israeliten unter Moses machten, an, bis in die letzte Zeit des ersten Tempels. Die Taktik der Angreifer besteht nun darin, daß sie überall den Götzendienst als historische Thatsache, den Protest aber, den er Seitens der Führer und Propheten des Volkes hervorruft, erst als ein späteres Einschiebsel betrachten. Rach dieser Methode aber, meinte der Redner, könne man eben Alles beweisen, und man könne in derselben Weise das Jndenthnm auch sehr wohl anklagen, den Diebstahl zu befehlen, indem man das aun als echt, das aber als falsch bezeichnet. An einigen, besonders drastischen Beispielen wies nun Redner das Unhaltbare und das Gesuchte der Beschuldigung nach. Wenn unsere Gegner sich z. B. auf den Götzendienst im Reiche Israel stützen, so tritt ja das Gesetzwidrige derselben schon in der Opposition hervor, die er bei den Leviten, den eigentlichen Trägern des Gottesdienstes fand. Besonders eingehend verweilte der Redner bei der Beschuldigung, die sich auf die Botschaft Jiphtachs an den König Ammon stützt, bei welcher angeblich die Anerkennung des Kemosch ausgesprochen sein soll, während in Wirklichkeit den ganz unberechtigten Ansprüchen des Ammonitenkönigs gegenüber der Satz: „Was Dich Dein Gott Kemosch erobern läßt, das magst Du erobern" nur mit feiner Ironie antwortet. Redner schloß mit der Mahnung, das hohe Gut der reinen Gotteserkenntniß, wie es durch die Offenbarung Israels Eigenthum geworden sei, sestzuhalten, und die Schriften, die die Quellen dieses Glaubens bilden, gründlich zu erforschen. Pose», 14. Dez. Zn den Ausweisungen wird der „Brest. Ztg." aus dem Städtchen Kempen geschrieben: „Von den hier ausgewiesenen russischen Staatsangehörigen, deren Kempen 47 Familien mit einer Kopfzahl von 240 aufzuweisen hatte, haben 17 mit ihren Frauen und Kindern und 5 Familenväter, die Familien zurücklassend, Preußen verlassen. Die übrigen 25, Familien haben Aufschub der Ausweisung ersteht und erhalten; 28 bis znm 1. Januar und 2 bis l. März 1880. Es liegen jedoch noch^ einige weitere Gesuche um Aufschub vor, denen hoffentlich ftattgegeben wird. Die meisten Allsgewiesenen haben ihr Eigenthum verkauft und sehen mit dumpfer Resignation ihrem Schicksal entgegen. Eine kleine Zahl der Ansgewiesenen hat ihr Vaterland wieder ausgesucht, nur 4 machten sich dort wieder ansäßig; von den anderen zogen 1 nach Holland, 1 nach Frankreich, 2 nach Anhalt und 9 nach Holland und Amerika. Ihrer Religion nach waren 4 Familien katholischen und 48 mosaischen Glaubens." Italien. Rom. Die letzte Encycliea des Papstes enthält folgende Stellen; „Die Kirche vernrtheilt nicht jene Regierungen, welche die verschiedenen Eulten in ihrem Staate "dulden. — Die Kirche will durchaus nicht, daß Jemand mit Gewalt genöthkgt werde, den katholischen Glauben anzunehmen, denn weise bemerkt der heilige Augustin: Der Mensch kann nur aus freiem Willen glauben." Palästina Bor einiger Zeit meldeten wir, daß die türkische Regierung die Entwickelung der jüdischen Kolonie Samariu in Palästina, uuweit Eaesarea, in jeder Weise zu hindern suche. Nachdem in Haifa und in Acco — so schreibt man der deutschen „Petersburger Zeitung" aus Haifa vom 25. Nov. — vergeblich Alles versucht worden war, das Land aus Herrn von Erlanger's Namen einzutrage» und das Verbot des Häuserbaues in Samariu Seitens der türkische» 'Regierung zurückznnehmen oder doch mit Stillschweigen zu übergehen, sandte der Pariser Baron v. Roth-

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