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Der Israelit · 1885-12-21 · Heft 99 (21.12.1885) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 99 (21.12.1885)
Date
1885-12-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXVI. Jahrgang. Beilage zu Nr. 99 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzerr. Deutschland. München. Gestern Nachmittags halb :rtthr wurde im israelitischen Friedhofe der im Alter von 90 Jahren zu Planegg verstorbene k. b. Hofbankier Joseph Frhr. v. Hirsch-Gereuth unter äußerst zahlreicher Betheiligung aller Bevölkerungsklaffen zu Grabe getragen. Zur Beerdigung hatten sich außer den Verwandten cingefnnden: Obersthofmarschall Frhr. v. Hutten, die Minister Dr. v. Luv und Tr. v. Fäustle, der württcmbergische Gesandte Frhr. v. Soden, der sächsische Gesandte v. Fabrice, Landsgerichtspräsident Frhr. v. Leonrod, die Bürgermeister Dr. v. Erhardt und Dr. Widenmayer, der Direktor der Trambahn Graf Graziadei, eine Deputation der Plauegger Feuerwehr und ungenrein viele sonstige Leidtragende; ein Beweis, welch' hoher Achtung der durch seine Wohlthätigkeit weit und breit bekannte Verstorbene sich erfreute. Der ueologe Rabbiner hielt im Betsale des Leichenhauses eine Grabrede, in welcher er die Verdienste schilderte, die sich Baron v. Hirsch in seinen verschiedenen Stellungen erwarb. Nach den üblichen Gebeten und der Rede des Rabbiners wurde der Sarg, an das Grab getragen und eingeseukt, womit die Trauerfeier beendigt war. Baron v. Hirsch war im Jahre 1805 zu Würzburg geboren, machte nach Absolvirung seiner Studien größere Reisen, übernahm 1840 nach dem Ableben seines Vaters, des Baron Jakob v. Hirsch, die Leitung des Bankhauses und der sämmtlichen Güter. Das Bankhaus nahm einen hohen Aufschwung, und die vortreffliche Verwaltung der Hirsch'schen Güter ist allbekannt, Baron v. Hirsch erfreute sich Seitens seines Landesherrn zahlreicher Auszeichnungen und fand auch bei seinen Mitbürgern volle Anerkennung seiner Verdienste. Bei der Eholeraepidemie im Jahre 1854 war er unabläffig bemüht, die Roth zu lindern, indem er Spitäler aus eigenen Mitteln gründete und mit vollen Händen Spenden austheilte. Er war Hauptgründer der Bayerischen Ostbahn, Mitglied des Zentralkomites des landwirthschaftlicheu Vereins und war namentlich auf dem Gebiete der Waldkulturen mit großem Erfolge thätig. Persönlich war Baron Hirsch ein leutseliger, einfacher und anspruchsloser Mann, dienstwillig gegen Jedermann. Er war württembergischer Konsul, Administrator mehrerer Plauegger Stiftungen, und Mitglied, verschiedener industrieller Gesellschaften. Seit 1828 war er mit seiner Gemahlin Karoline, geborene Wertheimber, vermählt, aus welcher Ehe mehrere Söhne und Töchter hervorgingen. Frankfurt a. M.,9. Dezember. Die echte Bibel und die falsche, das ist der Titel eines kürzlich erschienenen, häßlichen Machwerks von einem E. Rodenhausen, das keine Beachtung verdient und sicher auch keine finden wird. Dagegen hat eine höchst unwürdig gehaltene und das Judenthum in unverantwortlicher Weise vernnglimpfende Besprechung dieser Schrift in der „Frankfurter Zeitung" allgeineiue Entrüstung hervorgerufen. In der jüngsten, zahlreich besuchten Sitzung des „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" wurde u. A. auch diese Angelegenheit zur Sprache gebracht. Der Referent, Herr Dr. Hcinemann, lehnte es ab, auf die Rodenhausen'sche Schrift einzugehen, da dieselbe durchaus nichts Neues und Originelles enthalte, sondern nur alte abgedroschene Beschuldigungen aufwärme; dagegen widerlegte er im Allgemeinen in sehr treffender Weise den dem Jndenthnm gemachten Vorwurf des Polytheismus. Jeden Juden, der die heilige Schrift kennt, so führt Redner aus, müsse es wundern, wie diese »Frage überhaupt aufgeworfen werden, wie gerade gegen das Jndenthnm ein solcher Vorwurf erhoben werden. konnte, da doch die Bibel vom Anfang bis zum Ende vom Geiste des Monotheismus dnrchlveht sei und nur Lehren des Monotheismus enthalte. In Wirklichkeit handelt es sich aber hier, wie bei allen Verleumdungen, die der heutige Antisemitismus gegen den Juden richtet, um eine uralte Beschuldigung, die sich aber in verschiedenen Zeiten in verschiedene Formen gekleidet habe. Die heidnischen Völker beschuldigten die Juden, einen Eselskopf im Allerheiligsten des Tempels zu verehren; die neuere Wissenschaft sucht in der Bibel selbst die Spuren polytheistischer Anschauung zu finden. Beides mit gleichem Unrecht. Die Scheingründe, auf welche die letztere Beschuldigung sich stützt und die von ernsten Männern der Wissenschaft schon sehr oft widerlegt worden sind, beruhen theils in der Eigenthümlichkeit der hebräischen Sprache, nach welcher > das Wort o'yhx eine Plnralform darstellt. Scho»

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