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Der Israelit · 1885-12-21 · Heft 99 (21.12.1885) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 99 (21.12.1885)
Date
1885-12-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1690 immer uitb erfreuet sich auch einer großen Mitgliederzahl und eines gesegneten Wohlstandes. (Schluß folgt.) Feuilleton. Kefiaöititirt. Erzählung von Friedrich Roll. XVIII. Zwei Monate waren verstrichen, seit Eduard in dem Comptoir des HanseS Richard Trefoil and brother arbeitete. Er war in dieser Zeit, um einen landläufigen Ausdruck zu gebrauchen, förmlich ausgelebt. Die schwere, ihn dauiederdrückende Last war im buchstäblichen Sinne des Wortes von seinen Schultern genommen. Er war dem Posten, den er inne hatte, in jeder Beziehung gewachsen, und seine Arbeit fand nicht nur Lohn, sie fand auch Anerkennung; sein Vorgesetzter begegnete ihm mit Achtling und Vertrauen, seine College» mit zuthunlicher' Herzlichkeit. Er hatte seinen jugendlichen Frohsinn wiedergesunden und sein freundlich heiteres Wesen machte ihll bald zum Liebling seiner Umgebung. Vor einiger Zeit hatte sein Freund Hermann ihm niitgetheilt, das; Frau Leah Kohn bei einer Dame in D.... als Gesellschafterin lebe.. Ohne zu erwähnen, daß D.... seine Vaterstadt, hatte er Hermann ersucht, sich bei seiner Mutter nach der Familie Kornfeld in D.... zu erkundigen und hatte ans diesem Wege die beruhigendsten Nachrichten über das Befinden der Seinen erhalten. Gern hätte er sich auch nach Adele erkundigen lassen, doch er betrachtete es als Pflicht, jeden Gedanken an die ihm noch immer Thenre zn bannen und bezwang jede Frage nach ihr. Die Erinnerung an Adele, die er so gern bannen wollte und doch nicht konnte, war der einzige, dunkle Punkt in seinem gegenwärtigen Leben, mit dem er im Uebrigen vollauf zufrieden war. Nach vollbrachter Arbeit fand er doch jetzt auch Muße, sich geistig anregender Lektüre zu überlassen, was ihm während des verflossenen Jahres nur selten möglich gewesen, da die anstrengende Arbeit ihn allzu sehr ermüdet hatte. Eduard befand sich iu Mr. Jamessons Arbeitszimmer, um einige geschäftliche Instructionen entgegenzunehmen, als in dem anstoßenden Comptoir eine seltsame Bewegung laut ward, mitten drinn eine Helle Frauenstimme. Gleich daraus ward die Zimmerthür auf geriffelt und eine elegant gekleidete Dame trat ein. „Jst's möglich!" ries der greise Geschästssührer aufspringend und der Eintretenden mit ausgestreckter Hand entgegeueilend. „Mrs. Trefoil!" „Mein lieber Mr. Jameffon," erwiderte die Dame, die dargereichte Hand herzlich druckend, „wie geht es Ihnen?" „Danke ergebenst, Mrs. Tresoil, mir geht es Gottlob ganz gut und wie es Ihnen geht, das braucht man nicht erst zu fragen. — Aber ich kann mich von meinem Staunen noch gar nicht erholen." Eduard hatte höflich grüßend das Zimmer verlassen, der Blick der Dame war ihm gefolgt. „Unser erster Correspondent," sagte Mr. Jamesson, mit der Hand ans ihn deutend. „Sind Sie zufrieden mit ihm?" fragte die Dame, nachdem die Thure sich wieder geschloffen. „Na und ob! Ein gewissenhafter, tüchtiger, junger Mann, wie ich keinen zweiten kenne, eine wirkliche Acquisition." Mrs. Tresoil nickte leicht mit dem Kopse, eine seine Röthe überzog ihre Wangen. „Wie geht es denn meiner lieben Mrs. Jameffc» und Miß Jamesson und Miß Eveline?" „Danke, danke, Alle sind frisch und gesund. Mrs. Jameffon wird eine Freude haben, wenn sie erfährt, daß Mrs. Tresoil angekommen! — Daß meine älteste Tochter Caroline sich verheirathet hat, das wissen Sie doch Airs. Tresoil?" „Ja freilich, Sie haben es mir doch mitgetheilt, aber —" „Aber ich alter Tölpel! bin außer mir vor Freude über Ihren lieben Besuch und vergesse in meiner Freude, Ihnen auch nur einen Sitz anznbieten. Verzeihen Sic, Airs. Tresoil, und —" „Keine Entschuldigung, mein lieber Mr. Jameffon, ich bin doch hier im eigenen Haus" und lächelnd ließ sie sich aus das lederüberzogene Kanapee nieder. Er setzte sich aus einen Sessel ihr gegenüber. „Sind Sie denn schon ansgernht von der Reise, Mrs. Tresoil? — wann sind Sie eigentlich angekommen?" „Ich bin gestern Abend angekommen und habe diese Nacht recht gut geschlafen, so daß ich an meine Reise kaum mehr denke." „Wie frisch und blühend Sie aussehen. Gottlob!" „St, st! das sage ich Mrs. Jameffon." „Meinethalben," erwiderte er lachend, „Mrs. Jameffon ist auch verliebt in Mrs. Tresoil." „Auch? auch? dieses auch enthält ja eine förmliche Liebeserklärung. Mr. Jameffon, ich fange an, Sie für einen gefährlichen Menschen zn halten.

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