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Der Israelit · 1885-12-21 · Heft 99 (21.12.1885) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 99 (21.12.1885)
Date
1885-12-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1691 Nebrigens freut cs mich, Ihr Kompliment Ihnen zurückgeben zu können. Sie sehen auch Gottlob recht gut aus, haben sich durchaus nicht verändert." „Wirklich nicht? ich dächte, ich wäre weißer geworden. Wie lange ist es denn, seit wir das Vergnügen hatten. Sie hier bei uns zn sehen?" „Vier Jahre. Es war im letzten Lebensjahre meines guten Mannes." „Armer Mr. Tresoil — er war ein guter Mann. — Aber, mit was kann ich Ihnen dienen, Mrs. Tresoil? vielleicht ein Glas Sodawasser gefällig? oder eine Brauselimonade? — es ist heute recht schwül." „Hier bei Ihnen finde ich es durchaus nicht drückend. Aber wenn Sie eine Flasche Sodawasser zur Hand haben, das trliifc ich wohl." „Das habe ich in Wirklichkeit zur Hand," erwiderte er, nach einer auf dem Tische'stehenden Flasche greifend und sie entkorkend, wobei er jedoch in seinem Eifer das hochaufschäumende Wasser auf die Dame spritzen ließ. Sie trocknete sich lachend die Stirn. „Sie sind wirklich noch der Alte, Mr. Jamessou, vor vier Jahren haben Sie mich auch vollgespritzt." „Habe ich das? und jetzt auch? ach, verzeihen Sie mir, ich bin eben ein unverbesserlicher Tölpel." „Aber doch ein lieber, treuer Freund." Der Geschäftsführer verneigte sich gravitätisch. „Gehorsamer Diener." „Nun, wie geht es denn im Geschäft, Mr. Jameffon?" „Gut, Gott sei Dank! recht gut sogar. Obgleich ich offen gestehe, ich war nicht ganz unbesorgt. Der siebente, eigentlich der sechste Theil der ganzen Arbeitskraft —* „St, st, über diese Angelegenheit wünsche ich augenblicklich keine Erörterung. Also das Geschäft geht trotzdem?" „Vortrefflich, ich versichere. Obgleich ich, wie gesagt, anfangs recht besorgt war. Aber wissen Sie, was ich mich oft gefragt habe — was wohl der selige Mr. Tresoil dazu gesagt haben würde — ob er es zugegeben hätte?" „Wenn ich es gewünscht hätte — daran können Sie zweifeln?" „Freilich nicht, ein Wunsch von Ihnen war ihm Befehl." „Und wenn ich gewünscht hätte, von Hundertpfundnoten Papierschiffchen zu machen und sie in dem Hudson schwimmen zu lassen, er hätte es vielleicht nicht zugegeben?" „Gewiß, gewiß Mrs. Tresoil, es war eine Dummheit von mir, daran zu zweifeln. Wer könnte auch einen Wunsch von Ihnen unberücksichtigt lassen." „Das glauben Sie könnte Niemand?" Sie sich mit dem Tuche über die Stirn und athmete tief auf. „Was meinen- Sie, Mr. Jamesson, wenn wir einen'Rundgang durch die Geschäftslokalitäten machen würden?" „Wenn's gefällig ist, — ich bin mit Vergnügen bereit." Sie waren aufgestanden, er bot ihr den Arm. „'Mal sehen, ob ich noch viele alte Bekannte treffe," sagte sie, indem sie ihre Hand leicht auf seinen Arm legte. „O, im Magazin werden Sie, wie ich glaube, lauter Bekannte treffen. Im Comptoir freilich dürsten Ihnen die jünger» Leute sämmtlich fremd sein." „Die jungen Leute vielleicht, aber den Buchhalter und den Cassier, Smith und Steffens habe ich sofort wieder erkannt." „Freilich, freilich, Smith und Steffens dürften an die zehn Jahre bei uns sein, die hat ja noch Ihr Schwager, der selige Mr. Richard Tresoil angestellt. — Also wenn es Ihnen gefällig ist Missis." Er öffnete die Thür und sie traten in das Comptoir. „Wollen Sie mir gefälligst unsere jungen Herren vorftellen, Mr. Jameffon." Er willfahrte ihrem Wunsche und grüßend und plaudernd schritten sie von dem Einen zum Andern und Mrs. Tresoil hatte für Jeden ein freundliches Wort, wußte sich bei Jedem nach irgend Etwas zu erkundigen. Nur als der Geschäftsführer Mr. Steinhart vorstellte und Eduard sich vor ihr verneigte, da fühlte Mr. Jameffon, daß sie sich einen Moment fester auf seinen Arm stützte, und ohne sich direkt an den jungen Mann zu wenden, sagte sie zu dem Alten. „Ah, das ist ja der Herr, den ich vorhin in Ihrem Zimmer traf — dessen Sie so lobend erwähnten." Sie hatten sämmtliche Raume durchschritten, das ganze Personal lvar entzückt von dem Liebreiz ihrer jungen Prinzipalin. Die älteren Leute, die sie schon von früher kannten, waren überglücklich, daß sie sich an jeden von ihnen erinnerte und nach ihren Frauen und Kindern fragte. „An Mrs. Jameffon etwas zu bestellen, Mr. Jameffon?" „Sie wollen ihr einen Besuch abstatten? Gott segne Sie, Missis! was meine Alte für eine Freude haben wird! —"

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