Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 99 (21.12.1885)
- Date
- 1885-12-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Herat 2× ep/1047496
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1689 in der Zend-Avesta, der Bibel der Anhänger Zoroafter's (der Feueranbeter) eine Spur der Stadt Herat und zugleich auch der in der heiligen Schrift erwähnten Stadt „Hara" zu entdecken. In diesem uralten Buche, das wahrscheinlich zur Zeit der Regierung des Cyrus (ira) abgefaßt wurde, wird auch einer Stadt Hara-vi Erwähnung gethan, welche ungefähr dort lag, wo Heute Herat liegt, und welche als ein Sitz „hoher Weisheit" gerühmt wird. Nun ist die Silbe „Bi (Ort, Stätte)" ein Städtc-Suffix der alten Perser und Baktrcr, so wie die Griechen ein Suffix „polis" (KonstanLinopolis, Hadrianopolis) hatten und die Araber wieder noch heute ein Städte- Susfix in dem Worte „Abad (Ällah-abad, d. h. Gottesstadt, Burn-abad, Achmed-abad) besitzen. Die Stadt Hara-vi der-Zend-Avesta ist daher zweifelsohne das'genannte Hara der heiligen Schrift, wohin die Juden von den assyrischen Königen verbannt wurden, oder, welches dieselben erst gegründet haben. Die Juden hier haben daher gewiß Recht mit ihrer Behauptung, daß ihre Gemeinde noch vor der Zerstörung des ersten Tempels schon exiftirt habe. Jedenfalls aber ist dieselbe sehr alt und dürfte sic höchstens einige Jahrzehnt später entstanden sein, als die Gemeinde von Balkh am Amu-Darja, welche Stadt der Sage nach von Bal-Affar (Tiglat Messer) gegründet und mit Inden bevölkert wurden. Unter der Herrschaft der alten Perser (die Geschichte der heutigen Perser beginnt bekanntlich erst mit der Bekehrung derselben zum Islam) hatten die Juden in Herat viel zu leiden, da die persischen .Könige, welche die Lehre des Zoroaster zur allcinherrschcndcn in ihrem Reiche machen wollten, oft versucht haben, auch die Juden zu derselben zu bekehren, ein Borhaben, das aber stets an der Chäracterfeftigkcit der Letzteren scheiterte. Sehr oft kam es daher in den Straßen Hcrats zum Blutvergießen. So wie es die Juden noch heute ihren Gegnern nie recht machen können, so erging cs ihnen auch mit den Anhängern des Zoroaster Löschten sie am Tischa-Beab Abends als Zeichen der Trauer die Lichter in ihren Synagogen aus, so behaupteten die persischen Priester, das; die Juden das ewige Wesen (das Feuer nämlich) verhöhne» wollen; zündeten sie dann an ihren Festtagen wieder viel Lichter in ihren Synagngen und Wohnhäusern an, so hieß es wieder, sie wollen so das ewige Wesen für sich gewinnen, damit cs ihnen ihren Tempel wieder erbaue, apjrb ms ny tut.. Es war dies eine wahre Leidenszeit für Jakob, die aber auf beiden Seiten zahlreiche Opfer forderte. König Jesdagred oder blos denen Statthalter hier legte der hiesigen Judengemeinde sogar eine eigene Steuer auf, deren Erträgnis; zur Erhaltung des ewigen Feuers in den hiesigen Tempeln bestimmt war. Ein anderer persischer Statthalter, Dagirli, begann sogar im hiesigen Judenviertel einen Feucrtcmpel zu erbauen; er mußte jedoch bald von seinem Vorhaben abstehen, da die Juden hier höchst erbittert über die ihnen angethane Schmach zum Schwerte griffen und mit einer Revolte drohten. Aber auch der Islam hat der hiesigen Judengemeinde wenig Freuden bereitet. Herat liegt bekanntlich an der schon den alten Griechen bekannt gewesenen „Königsstraße", auf der alle Welterobcrcr oder sonstige Fürsten Asiens, wenn sie nach Indien zogen, marschiren mußten. Und es sind ja kaum einige Monate vergangen, so drohte zwischen England und Rußland Hcrats halber ein Kampf auf Tod und Leben auszübrechcn. Herat war schon im grauen Alterthume und ist noch heute der Schlüssel von Indien vom Norden her und wer diese Stadt besitzt, beherrscht auch die Straße nach diesem mythenumschwebten Lande. Auch die Heere, welche die ersten Ehalifen gegen Indien geschickt hatten, um dieses Land für den Islam zu erobern, nahmen alle ihre» Weg über Herat, wo sie dann die hiesigen Juden verpflegen und auch mit Geld versehen mußten. Und dies war noch lange nicht das Schlimmste. Zweimal wurde sogar Herat einem persischen Heere zur Plünderung überladen, und schrecklich waren dann die Gräuelsccnen, die hier vorkamen. Das Blut floß förmlich in Strömen, und in den Straßen der Stadt lagen die Leichen hügelweise ausgeschichtet. Daß die Plünderer dabei auch auf das Leben, das Vermögen und die Familienehre der Juden keine Rücksicht nahmen, das versteht sich von selbst. Man übertreibt daher gar nicht, wenn mau sagt, die Straßen von Herat sind mit jüdischem Blute getränkt, und daß die Priester des Zoroaster die Juden ebenso hiugeschlachtct haben, wie die Kreuzzügler. Auch die hiesige Gemeinde zählt viele Blutzeugen: dem ntsnp by noajy (die ihre Seele zur Heiligung des Gottcsnämens hingcgcbcn haben)" und niehr als einer der hiesigen Chachamim (Rabbiner) hat seine Angehörigen hingeschlachtet, um sie nur nicht als Feueranbeter oder als Moslims sehen zu müssen. Auch von denselben heißt es: „cm ’npji Trpi vbM. Schade, daß die alten Grabsteine bei der Umlegung des hiesigen uralten jüdischen Friedhofes gänzlich verschwunden sind, sie würden eine lauge Geschichte von den Leiden der hiesigen Judengemeinde zu erzählen wissen. Während jedoch heute von den ehemaligen Anhängern und Tempeln Zoroaster's nicht die geringste Spur mehr hier vorhanden ist, existirt die hiesige Judengemeinde noch