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Der Israelit · 1885-12-21 · Heft 99 (21.12.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 99 (21.12.1885)
Date
1885-12-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1897 Portier Aschenbrenner ist, dessen „geistiger Vater und Inspirator" aber Herr Stöcker zu sein die Ehre hat. Ter Vers. leugnet an der Hand einer Fülle von Eitaten den „christlichen oder auch nur sittlichen Ton" dieses Schmutzblättchcns ab. Und cs ist wahr, eine brutalere Rohheit wie in der Polemik des Stöcker'schen Lciborgans dürfte kaum noch einmal zu verzeichnen sein; cs widert uns an, in diesen Augiasstall auch nur zu blicken, geschweige, mit einigen dieser stilistischen Perlen des Rinnsteins unseren Lesern aufznwartcn. Und der Dom- und Hofpredigcr ist, gewissermaßen der geistige Vater und Inspirator des Blattes! — hätte es der Rechtsbeistand Stöckcr's, Rechtsanwalt Wolff nicht am 5. November 1885 in Verteidigung Aschcnvrenncrs feierlich verkündet, wir würden cs 1c-tz unserer hohen Meinung von der Leistungsfähigkeit des Herrn Stöcker nimmer geglaubt haben. Das dritte Kapitel behandelt „Stöckers Rede am 24. April und seinen Bundesgenossen Simon May." Es ist jene ungemein gehässige Hetzrede Stöckers gegen den „jüdischen Eid" und besonders gegen die Kol-Nidre-Formel, welche er eine beispiellose Vermessenheit, eine „auch den lcistcsten Ansprüchen der Redlichkeit nicht genügende Leichtfertigkeit" nannte, und zwar wenige Wochen vor dem niederschmetternden Verdikt des Gerichtshofes über seinen eigenen „leichtfertigen" Charakter. Strack trat sofort als Verheidiger des Kol-Ridrc auf und wurde deßhalb von dem „Mitarbeiter" Stöckers, dem ehemaligen Fellhäuder Simon May auf's heftigste angegriffen. Str. entgcgnete, und nun cntspinnt sich jene Polemik, deren einzelne Phasen, soweit sie der Oeffentlichkeit angehörten, zur Zeit im „Israelit" verfolgt worden sind. Im dritten Kapitel „Verhandlungen mit und über Stöcker im Mai und Juni" gewinnen wir einen Einblick in den sehr regen und herzlichen Briefwechsel zwischen „Hochwürdeu Stöcker" und „Hochwürden Strack". Am 18. Mai besuchte der Verf. den Herrn Hofprediger. „Als wir", so heißt es in der Broschüre, „vom Talmud und dessen verschiedenartigem Inhalt sprachen, sagte er, „er habe den Talmud in der Ucbersetzung gelesen." Um der Unterredung ihren freundlichen Charakter zu lassen, begnügte ich mich zu bemerken: „Sie meinen wohl die Traktate, welche übersetzt sind;" worauf er replicirte „natürlich, die Traktate, welche übersetzt sind." Der Verf. fügt hinzu: „Diese scheinbar unbedeutenden Aeußernngen über den Talmud sind mir fest im Gedächtniß geblieben, weil ich Wichte, daß Herr Prof. Paulus Cassel einige Jahre früher die gleiche Behauptung des Herrn Hofpredigers Stöcker gerügt hatte. Sie sind charakteristisch für das leichtfertig zufahrende Reden und Urtheilen Stöckers. Einem langen Briefe Stracks an Stöcker vom 1. Juni entnehmen wir folgenden Passus: „Herr Hofprediger; kehren Sic um, da cs noch Zeit ist! Lüge und Fälschung haben sich Ihnen als Bundesgenossen — nun ich will sagen, anfgedrängt. Sie werden mit Hülfe derselben augenblicklich in der Gunst der urtheilslosen Masse hoch stehen. Aber Sie schädigen, wenn Sie solche Bun'oesgenossenschaft auch nur dulden, die Wahrheit, das Christenthnm! Um der guten Sache willen, nicht um meinetwillen, beschwöre ich Sic: hören Sie auf meinen gut gemeinten Rath!" Hierauf antwortete Stöcker: „Sie kennen das öffentliche Leben nicht, und überschätzen Ihre Bedeutung. Kehren Sie um! Das rufe ich Ihnen mit viel mehr Recht zu, als Sie mir." Zugleich drohte er mit der Veröffentlichung der Correspendenz. Jetzt stieg in Prof. Strack das Bedenken auf, ob „nicht der guten Sache ans eiucm solchen Führer, der cs mit der Wahrheit j e l ä n g e r desto weniger genau nimmt, früher oder später Schaden erwachsen müsse," zumal sich Stöcker kurz darauf einer groben Unwahrheit schuldig gemacht hatte. Stöcker erklärte dem Bevollmächtigten Stracks am 18. Juni, daß er den famosen May nur einmal, vor der am 8. Mai gehaltenen Rede, bei sich gesehen habe und Herr Prof. Slr. lieferte den Beweis, daß Stöcker den S. May noch am Montag, den 15. Juni, also nur drei Tage vor der Ablengnnng bei sich empfangen hat!.' — Das fünfte Kapitel enthält die bekannte Gerichtsverhandlung vom 20. Oktober und die sensationelle gegen Stöcker gerichtete Erklärung des Prof. Strack. Mit epischer Breite schildert das siebente Kapitel die „vergeblichen Ausgleichs- Versuche und die Fortsetzung des Konflikts", welche sich über 18 Seiten ergießt und für den Fernstehenden ohne Interesse ist. Der Konflikt spitzt sich immer mehr zu und, da Herr Stöcker noch obendrein den Mnth besitzt, in einer Versammlung vom 18. November die Ehre des Herrn Prof. Strack anzugreifen, war die letzte Möglichkeit eines Ausgleiches beseitigt, und es kommt zur Schlußkatastrophe — zum Erscheinen der Strack'schen Broschüre. — Dies ist eine kleine Inhaltsangabe der Broschüre, welche bis hiehcr nicht viel weiter als eine ins Einzelnste gehende Vorlegung der Aktenstücke. in Sachen Strack contra Stöcker ist und sein soll. In einem kleinen, achten Kapitel „Weitere Beiträge zur Characterisirung Stöckers"), welches der Verf. zu vervollständigen sich vorbchält, führt der Prof. Strack noch sieben Jrrthümer und „U n-

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