Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-12-21 · Heft 99 (21.12.1885) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 99 (21.12.1885)
Date
1885-12-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449596--23434-2513110
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1686 ’jn 13 rfo mptßf no v3 t&p n; pp rra „Wie dieser Dorn Alles festhält, was ihm nahet, so die Kinder Israel." Dieser Ansspruch des Midrasch scheint unverständlich und bedarf der näheren Erklärung. Um ihn zu verstehen münen wir zunächst eine naheliegende Frage erörtern. Ist es nicht ein sonderbares Mittel, das Pharao ergreift, um die Vermehrung der Israeliten zu verhindern? Er beschließt, sie zn Sklaven des Staates zu machen, sie zur Arbeit anzuhalten. Das Mittel war wohl dazu geeignet, die Israeliten zu erniedrigen, zu quälen und zu peinigen, aber nicht, ihre Fruchtbarkeit zu verringern. Lehrt doch die Erfahrung, daß gerade die Arbeiterfamilien sich am meisten vermehren und daß die Kinderschaar in den höheren Ständen nicht so zahlreich zu sein pflegt wie in den geringen. — Betrachten wir jedoch den Zustand der Kinder Israel vor ihrer Knechtung. Als Berwandte des mächtigen Herrschers des Landes waren sie nach Aegypten gekommen, reich mit Gütern gesegnet. Der beste Theil des Landes, das fruchtbare Gosen, war ihnen zum Wohnsitze angewiesen worden. Die Männer zeichneten sich durch Geisteskraft und Körperstärke, die Frauen durch Schönheit aus. Mehr als das war der reine Glaube und die edle Sittlichkeit, welche die Fremdlinge im Leben und Wirten zum Ausdruck brachten. Die Aegypter dagegen waren häßlich von Gestalt und von dunkler Hautfarbe. Ihre Religion bestand in einem abscheulichen Götzendienste, in der Anbetung von Ochsen und Schafen, von Vögeln und Schlangen, von Krokodilen und anderen Thieren. In ihren religiösen Anschauungen herrschte der krasseste Aberglaube und den Verstorbenen widmeten sie einen übertriebenen Eultus und brachten ihnen jeden Abend zu essen. In der Nacht kamen dann die Schakale und verzehrten die für die Todtcn hingestellten Speisen, während die Aegypter meinten , daß die Verstorbenen cs sich hätten wohlschmecken lassen. In sittlicher Beziehung standen die Aegypter auf der denkbar niedrigsten Stufe; sie waren im ganzen Alterthume alsnar-sv«?, als der Unzucht ergeben berüchtigt. — Welch' einen Eindruck mußte diese Familie von Fremdlingen, die sich bald zu einem Volke entwickelte, auf die Bewohner des Landes machen! Sie mußten sie als eine Art höherer Wesen betrachten, und es konnte nicht fehlen, daß die Besseren unter den Aegyptern das Bestreben fühlten, ihnen nachzuahmen und, womöglich, sich ihnen anzuschließen. „Wie dieser Dornbusch Alles festhält, was sich ihm naht, so Israel." Massenhaft schlossen sich die Aegypter den Israeliten an; es war dies das 33 3->y, das später mit ihnen auszog. Immer größer wurde der Einfluß der Israeliten im Aegypterlande. Hervorragend durch einen reinen Glauben, eine edle Sittlichkeit, durch geistige Eapacität und körperliche Schönheit, durch Reichthum und Regsamkeit, wurden sie bald maßgebend in vielen Dingen. Das erregte Neid und Mißgunst. Die Priester fingen an, für die ägyptische Religion und ihre eigene bevorzugte Stellung zu zittern. Man fürchtete — heute würde man sagen: — „die Verjudung" des ägyptischen Volkes. Dazu kam noch — nach einer alten Tradition, — daß in einem. Kriege die Israeliten, die mit den Aegyptern ausgezogen waren, den Preis der Tapferkeit davontrugen. Die Aegypter waren geflohen, und nur die Tapferkeit der Israeliten hatte das Schlachtfeld behauptet und die Feinde in die Flucht geschlagen. Nun hatten sie auch den Neid der Kriegerkaste erregt; aber im Volke war ihr Einfluß noch höher gestiegen. Deßhalb beschloß Pharao, sie zu erniedrigen, rar p, damit nicht noch mehr Aegypter sich ihnen anschließen, damit nicht am Ende ganz Aegypten „hebraisirt" werde. Was konnte Pharao den Israeliten vorwerfen? Nichts, als ihre große Anzahl, ihre Stärke und ihren Einfluß. Daraus schließt er, daß vielleicht einmal später der Patriotismus der Juden sich nicht bewähren könnte, daß sie als Nichtägypter vielleicht einmal gegen Aegypten Partei ergreifen könnten, und deßhalb knechtet und qnält und peinigt man sie, setzt über sie Frohnvögte, erniedrigt und demnthigt man sie, und da Alles nichts hilft, sotten die neugeborenen Kinder ermordet werden. Genau wie Pharao, hört man, nach 3200 Jahren, die Judenfeinde unserer Tage reden. Zunächst verlangen sie die Erniedrigung, Beschränkung, Unterdrückung unseres Stammes, um mit Mord und Todtschlag zu enden. Allein, der allgütige Gott, der uns in Aegypten nicht hat untergehen lassen. Er wird uns auch beschützen vor den Drängern in unserer Zeit. Gott ist unser Licht, unser Heil, vor wem sollen wir uns fürchten? Gott ist unsere Zuversicht, was können Menschen uns anhaben! (Forts, folgt.) Die Broschüre des Krn.Urof. Strack. (Schluß.) In dem zweiten Kapitel seiner Broschüre beleuchtet Prof. Strack den sitttlichen Werth des „CH r ist l ich -sozial en Corres pon den zblatte s", dessen nomineller Redakteur der ehemalige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.