Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 98 (17.12.1885)
- Date
- 1885-12-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1672 Mangels eines Nachweises über seine Zuständigkeit, unserem Landarmcnverband dauernd zur Last gefallen sein würde. Größt). Kreisamt Darmstadt, v. Marquard." Stuttgart, 14. Dez. Gestern am 13. Dez., feierte hier im Kreise seiner Familie und zahlreicher Freunde Herr Jakob L evi mit seiner Gattin das sellcnc Fest der diamantenen Hochzeit. Anläßlich dieser Feier eines 60jährigen Zusammenlebens wurde das Jubelpaar Gegenstand zahlreicher Ovationen, u. a. seitens des hiesigen Kirchenvorsteheramts, das unter Führung des Herrn Kirchenraths Dr. Wa sserm (i n li seine Glückwünsche überbrachtc. Der alte Herr (geb. 1797) konnte seinen Ehrentag in leidlicher Gesundheit begehen, die Frau mit ihren 84 Jahren besitzt noch heute eine erstaunliche körperliche und geistige Frische. Die Ehegatten beide stammen aus Eßlingen, wo Lcvi bis zum Jahre 1867 eine bedeutende Bijouteriefabrik betrieb; seit 18 Jahren hat er seine Häuslichkeit hieher verlegt. Von den drei Kindern haben sich zwei Söhne auswärts niedergelassen, eine Tochter lebt hier. Ein in weiteren Kreisen bekannter Name ist der der Schwiegertochter Elise, geb. Heule. Möge dem greisen Paar ein heiterer Lebensabend bcschieden sein! Berlin, 10. Dez. Ter signalisirte Aufruf für ein Mendelssohn Denkmal ist heute erschienen. Der Aufruf, welcher die Verdienste Mendelsohn's in prägnanten Worten schildert und mit der „Bitte um Unterstübung" schließt, enthält u. a. folgenden interessanten Passus. „Kinder und Enkel haben den 'Ruhm des Ahnherrn durch den ihrigen erneuertbekanntlich sind sämmtliche Sprößlinge der Familie ans dem Judenthume geschieden. (Einen weiteren Eommentar hierzu gibt Grätz, Geschichte der Juden, Band XI, S. 99 : „Der Tod rief ihn zur rechten Zeit ab, che er gewahr wurde, daß sein eigener Kreis, ja seine eigenen Töchter das mit verächtlichem Spotte behandelten und wegwarfen, was er als das Heiligste im Herzen trug und was er so sehr zu verherrlichen strebte. Hätte er zehn Jahre länger gelebt, so hätte ihm vielleicht seine Weisheit selbst nicht über diesen Schmerz hinweghelfen können.") Unterzeichnet ist der Aufruf von 50 Namen, deren Träger zum großen Theil der christlichen Gelehrtenwelt angehören. Die jüdischen Unterzeichner, welche so lebhaft das Denkmal als eine äußere Erinnerung an den Wcltweisen wünschen, sind durchweg sogenannte „i n n e r e" Juden, die sonst durchaus keine Zuneigung für äußerliche Ceremonieen u. s. w. empfinden. 3 R a b b i n e r haben die hohe Ehre acccptirt, ihren Namen unter den Aufruf zu setzen, der bekannte Dr. Nahm er aus Magdeburg. Herr Rabbiner Dr. Salfeld aus Mainz und der jüdische Geistliche aus Dessau, Dr. Weisse. Jedes weitere Wort ist überflüssig; die Herren haben sich selber ein Denkmal gesetzt. Die Statue wird zweifellos durch die Hilfsmittel gewisser Finanzkräfte errichtet werden; gut, möge cs geschehen. Wenn aber der Sohn des „Zehngebotenschreibers aus Dessau", seiner idealen Höhe entrückt, in Metall gegossen sein wird, dann möchten unferc Reformer, welche in dem widerwärtigsten Geschimpfe gegen das gesctzestreue Judenthum ihre Hauptaufgabe erblicken, doch recht oft nach Dessau hinwallen, um aus den Zügen des orthodoxen Mcndelsohns Anstand und Milde, Sanftmuth und Schonung gegen Andersdenkende zu lernen. Frankfurt a. M., 8. Dezember. Es ist in diesen Blättern seiner Zeit der Aufruf zur Gründung der »freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judeuthums" veröffentlicht worden. Dieser Aufruf hat an vielen Orten freudigen Anklang gefunden und sind viele Beitrittserklärungen aus allen Theilen Deutschlands, wie auch aus dem Auslauoe, namentlich Paris, erfolgt, so daß die constitnirende Generalversammlung berufen werden könnte. In dieser Generalversammlung sollen die Ziele des neuen Vereins näher präcisirt, über die Organisation Beschluß gefaßt und die Verwaltung gewählt werden. Dieselbe ist daher von großer Wichtigkeit und wird aus diesem Grunde beabsichtigt, eine Vorversammlung zu berufen, welche die Vorlagen an die Generalversammlung berathen und festftellen soll. Das prov. Comitö hat bereitwilligst die vorbereitenden Schritte und die damit verbundene Arbeitslast übernommen, ohne damit der künftigen Verwaltung vorgreifen zu wollen. Es wird daher seine Funktion in die Hände der definitiven Verwaltung legen. Grade deßhalb ist es nöthig, daß zur Generalversammlung alle Beigetrctenen und zur Versammlung die hervorragendsten derselben eingeladen werden. Nun fehlen aber noch die Mitgliederlisten ans mehreren bedeutenden Plätzen und kann vor Einlieferung derselben nicht weiter vorgegangen werden, da nur die in den Listen eingetragenen Mitglieder zu diesen Versammlungen eingeladen werden können. Andernfalls müßte auf die Mitwirkung bedeutender schon jetzt für den Verein thätiger Männer bei Berathung der Vorlagen verzichtet werden. Im Interesse eines geregelten und sicheren Ge-