Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 98 (17.12.1885)
- Date
- 1885-12-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1670 von allem Bösen erlöst hat oder durch seinen Engel hat erlösen lasten. Im Menschenleben gibt cs eine wunderbare Mischung von Freiheit und Nothwendigkeit. Biele Dinge hängen von der freien Wahl des Menschen ab, in vielem Andern ist er der zwingenden Macht der Verhältnisse, oft wider seinen Willen, unterworfen. Wir haben bereits mehrfach darauf hingewiesen, daß die Hauptaufgabe Jakobs die Begründung der israelitischen Nation war. Dazu bedurfte er aber der Gehilfinnen. Wenn heute sich Jemand eine Gattin wählt, so hat er zunächst auf die Familie zu achten, der seine künftige Lebensgefährtin entsprossen, aus die Erziehung, die der künftigen Mutter seiner Kinder zu Theil geworden. Daher rathen unsere Weisen, dag der Mann die größten Opfer bringe, um die Tochter eines Talmid Ehachum als Weib hcimznfnhren, damit seine Kinder in demselben Sinne und Geiste erzogen werden. Was aber sollte Jakob thnu? Er mußte nothgedrungen um die Tochter eines heimtückischen, trügerischen Mannes, eines Götzendieners werben. Daß ihm trotzdem edle, tugendhafte Frauen geworden, die ihm fromlne, gottesfürchtige Kinder geboren und erzogen, das betrachtete Jakob als das größte Glück seines Lebens, als eine Erlösung von jeglichem Nebel, wie es im heiligen Soharbnche heißt: ’NO ,JD ’PDQ 7YIN Ipp' 1CN N“ dpi siriN jncD i;d toh wirm 'b abi jn bsp : awbm 'p"i2 lrtoi ’jnn -rpix „In Bezug darauf hat Jakob gesagt: Der Engel, der mich erlöst hat von allem Bösen, das ist, daß keine seiner Frauen sich abgewendet von der hohen Aufgabe Israels, daß in Folge dessen von seinen Kindern Niemand dieser hohen Aufgabe entfremdet wurde, daß sie vielmehr alle zu edlen, frommen, vollkommenen Menschen sich entwickelt hatten. Der Engel, der mich erlöst hat von allem Bösen, so daß meine Kinder dasselbe Streben haben wie ich, er segne auch die Kinder meiner Kinder bis in alle Ewigkeiten, auf daß durch sie genannt werde mein Name und der Name meiner Vater Abraham und Jizchak, und sie mögen sich mehren wie die Fische mitten im Lande. Mit weitem Blicke schaute Jakob in die Ferne und sah die Zukunft seiner Nachkommen. Er erblickte sie, wie sie unter den Völkern leben und wie sie durch ihre hohe Begabung und ihre vorzüglichen Eigenschaften in Gefahr gerathen, den Neid und den Haß ihrer Mitmenschen auf sich zu ziehen. Daher kleidete er seinen Segen in diese Form. Zahllos sind die Fische im Wasser; aber man sieht sie nicht; das Wasser bedeckt sie und entzieht sie dem Auge. So solle» die Nachkommen Jakobs durch bescheidenen Wandel auf Erden es vermeiden, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, uhvr j*bv yyn i’V cro, damit die Mißgunst der Menschen ihnen nicht gefährlich werde. Die Fische haben kaltes Blut und sind der Leidenschaft nicht unterworfen, jnn iS’ crn c'bvr so sollen auch die Nachkomme» Jakobs sich bemühen, das Gute zur Herrschaft 311 bringen über das Böse. So sotten auch wir unsre Kinder segnen, so sie erziehen; dann wird sich erfüllen die Verheißung (Jirmijahu E. 46, B. 27). „Und du, fürchte dich - nicht, mein Knecht Jakob, und ängstige dich nicht, Israel; denn Ich bin dein Helfer selbst in den fernsten Zeiten, und deine Kinder rette Ich ans dem Lande ihrer Gefangenschaft. Jakob soll zurückkehren, und ruhig und ' sicher wohnen, ohne daß Jemand ihn zu schrecken wagt. Du, fürchte dich nicht, mein Knecht Jakob, spricht der Ewige, denn mit dir bin Ich." AieWro schüre desKrn.Wrof. Strack.*) LI. B e r l i n, 15. Dezember. „H e r r A d 0 l f Stöcker, — christliche Liebe und Wahrhaftigkeit" -das ist der interessante Titel der mit so sehnsuchtsvoller Spannung erwarteten Broschüre des ProsenorsHermann L. Strack, welche in den nächsten Tagen auf dem Büchermärkte erscheinen wird. Das erste Exemplar, welches die Verlagsbuchhandlung nach Berlin gesandt hat, ist im Besitze Ihres Correspondenten, und ich beeile mich Ihnen schon heute eine kleine Inhaltsangabe der Broschüre zu übermitteln, welche, trotzdem sie nicht viel Neues bietet, gleichwohl großes Aufsehen erregen wird. Die 98 Seiten lange Broschüre ist eine große „p e r s ö n l i ch e B e in er k u n g" des Herrn Prof.Strack, derVerf. will weniger ein allgemeines Spiegelbild des Stöcker'schen Charakters geben, als vielmehr den ehrenfesten Herrn in seinem Verhältniß zu Herrn Prof. Strack beleuchten. Mit einer fast peinlichen Gewißenhaftigkeit verzeichnete der Vers, in der mehr apologetischen Broschüre alle seine Zusammenkünfte mit dem Herrn Hofprediger, alle Briefe und Postkarten an ihn und von demselben, und selbst die Stunde des Poststempels ist fast nie vergessen. Die Broschüre ist in sieben Kapitel eingethcilt, von denen jedes wieder in Paragraphen zerfällt, zahllose Anmerkungen schmücken den Text. *) Karlsruhe und Leipzig. Perlag von H. Reuther. Preis 1 Mark.