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Der Israelit · 1885-12-14 · Heft 97 (14.12.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 97 (14.12.1885)
Date
1885-12-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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u;o:r Folge dieser Gewaltsmaßregcl herrscht in der jüdischen Gemeinde große Aufregung. Vor kurzer Zeit wurden in Tanger drei Knaben im Alter von 13, 12 und 11 Jahren kn den Abrahamsbnnd anfgenommcn. Der Vater derselben wurde noch als Knabe in der Nähe von Eafsablanca in ein nwhamedanischcs Haus cingesperrt und gezwungen zum MnhamcdüniSmnS übcrzutreten. Viele Jahre später heirathete er eine unter ähnlichen Umständen Mnhamcdanerin gewordene Jüdin, ans welcher Ehe fünf Kinder, drei Knaben und zwei Mädchen stammen. Diese Familie wurde stets von ihrer muhamedauischcn Nachbarschaft aufs Strengste bewacht, bis es dem Vater gelang, in die Dienste eines Italieners zu treten, unter dessen Schutz es ihm gelang, nach Tanger überznsicdeln, woselbst er mit seiner ganzen Familie zur väterlichen Ncligiou zurückkchrte. In früheren Zeiten wurden in solchen Fällen die Juden zum Fcucrtode verurtheilt; diesbezüglich ist man also auch bei uns toleranter geworden. Feuilleton. Hieisevcschreivung eines IsraekUen. (Zortseyung.) So kam ich in den Audienzsaal. Dieser war mit vielen großen kristallenen Leuchtern und großen Spiegeln und hohen Stühlen verziert. Durch diesen kam ich in einen langen Galeriegang, mit Säulen und gewölbten Bogen versehen, bis eine andere Treppe herunter, nicht dicselbige, die ich war hcranfgegangcn, und brachte mich zuletzt diese Treppe in die kaiserliche Küche. Hier war ich sehr verwundert über die „Größetc" von selbiger Küche. Auch zählte ich über die 100 Gluthöfen, oder sogenannte Founieaux. welche waren in das Rund von der Küche überall voll, sonders das große Feuer, welches bei sich hat große Vorwerke von Spießen, die sich mit dem künstlichen Werk selbst hemmdrehen, auch auf beharrliche Zeit sclbstcn die Braten mit Fett befeuchten. Ich hatte nur eine kleine Weile Erlaubnis;, allhier zn stehen, welches mir durch einen Hartschierer war zngestanden. Ich muß mich von hier nach der Wasserpforte ans der Küche begeben und so kam ich durch ein anderes Thor auf die Reitschule heraus. Hier sah ich eine große Zustellung machen zu der Exercitie, welche sollte folgenden Nachmittag geschehen, mit Beiwohnnng des Kaisers selbst. Dieses war ich neugierig zu sehen, suchte mir deswegen einen kommoden Plan ans, um selbige zuzuschcn. Gegen Uhr kam eilt groß Gcschall von Trompeten, ivelchc mit sich hatten die ganze Hofhaltung. Ein jeder bekam von den Stallmeistern ein wohl gerüstetes Pferd mit seinem Gezeng. das hierzu dient. Unter Anderm sah ich den Kaiser.zwischen einigen Fürsten stehen. Ich hätte selbigen durch seine Kleidung nicht unterscheiden können, wenn nicht wäre gewesen-bei Lbservircn, daß Alle gar den Hut abhatten und Dieser, den sah ich mit dem Hut auf dem Kopf, der Kaiser war. Er sclbsten ritt nicht, aber ließ alle die Prinzen und Grafen zu Pferd sitzen und er vergnügte sich mit dem Anschauen, wie diese Pferde gar auf eine wilde Manier Springe machten, daß man denken sollte, kein Mann könnte darauf sitzen bleiben. Rach diesem habe ich den Kaiser gar öfters gesehen, mit seiner bei sich habenden Gesellschaft akkompagnkrt. So ist sein ordinärer Aufzug auf folgende Manier: Kommen erst eine Kompagnie Soldaten, rother Montirnng. Rach diesen Soldaten folgen die Heerpauker und Trompeten, hernach eine große Menge Prinzen und Edelteute zu Pferd mit bloßen Degen in den Händen. Folgt hiernach die Kutsche mit 6 Pferden, alle 6 in Couleur, hierin der Kaiser, bei sich habende die Kaiserin. Seine Kutsche ist umringt mit 50 Hcllcbgrtiers, welche alle gar lange Spieße oder Hcllebartc auf ihrer Achsel tragen. Auch <r Läufer laufen voraus. Folgte hiernach eine Fahrt von etwa 30 Kutschen und weiter auf Letzt wieder eine Kompagnie Soldaten hinten nach. Wenn nun der Kaiser an» der Stadt reiten will, so wird er von all diesem Volk akkompagnirt bis ans der Porte und dann geht alles, was zu Fuß ist, wiederum zurück. Ich habe auch die Kaiserin gesehen, gekleidet in Mannskleider zu Pferde reiten,' wie sie zur Jagd gekommen und gleich dem besten Jäger nach dem Wild schießt sonder Fehler. Die kaiserliche Kutsche ist gar hoch gcestimirt wegen der Vielheit des Goldes, welches hierauf ist. Man versichert, daß die Räder mit Gold beschlagen seien. In dieser Kutsche ist geholt und gebracht worden der türkische Abgesandte zur Audienz bei dem Kaiser. Dieser Abgesandte, von Konstantinopel seiend, hat sein Logement sammt bei sich habende 600 Janitschaareii in der Lcopoldusstadt, und ein jedes Haus, wo diese einquartiert ist, werden alle Zeit ein oder zwei kaiserliche Soldaten vor die Thüre zur-Garde gesetzt. Eine überaus wunderliche, aber doch schöne und unbekannte Musik wird bei diesem Großvezier oder Abgesandten alle Woche 2 mal gespielt, daß die Liebhaber, um solches zn hören, gleich in der Komödie ihr Vergnügung hiervon haben. Auch ein jeder Znscher mußte dem kaiserlichen Guardian einen

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