Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-12-14 · Heft 97 (14.12.1885) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 97 (14.12.1885)
Date
1885-12-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449594--23392-2513066
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1664 .Shiifcrnvoföcii geben und gewährt dieses Spiel bei 2 Stunden. Es waren ihrer wohl 40 Musikanten, ein Theil gleich Trunnncln, andere glichen kupfernen Becken, welche sic mit 2 an einander schlagen, andere gleich Flöten ltnb auch Trompeten. Nach Beendigung dieser Musik werden 2 oder Wörter von einem türkischen Priester laut ansgernfen, doch hiervon verstanden Halleluja. Dieses ist denen Türken ihr Gebet gewesen. Sic sind Alle gar stark gewaffuete Leute. Wenn sie zu Pferde sitzen, so hatten sie ein Jeder einen langen Säbel anhängcn und durch einen kurzell unter dem Sattel von dem Pferd. Bei Gebrech von einem bedient er sich des andern. Ihre Pferde laufen aber schnell, wie desgleichen nicht ist. Ich habe auch den Abzug von diesen Türken gesehen. Der Kaiser läßt machen für den Großvczicr ein kostbares Rnderschiff mit großen Fenstern und starr vergoldet, und noch gegen t oo Schiffe, welche alle diese Türken samlnt ihrer Bagage auf der Donau herunter bis liach Konstantinopel bringen. Sie sind in Wien 16 Monate gelegen und hatten ans dem Kaiser seine Unkosten alle Tage 2000 Gulden zu verzehren, welches eine große Summe Geld macht. — Was anbclangt die Juden in dieser Stadt Wien, so sind sie die reichsten von ganz Europa. Tie vornehmsten sind zuerst der große, achtbare, weltberühmte Herr R. Samson Wertste im. welchen man bei gegemeinem Sprichwort den Jndenkaiser beißt. Dieser Wertheimer hat von den kaiserlichen Soldaten lo alle Zeit vor seinem Thor Wacht halten, womit er summt viel mehr Freiheiten vom Kaiser bcgnatigt ist. Dieser Wertheimer hat gar viel Paläste und Gärten in Wien; auch hat er viel Güter und Häuser in Deutschland, gleich zu Frankfurt am Main und zu Worms und in viel mehr Plätzen. Auch hat er lassen viel Schule» bauen und viel Geld unter die Inden in ganz Europa ansgcteilt, auch in das hl. Land nach Jerusalem, allwö er Herr von dem Land genannt wird und Rabbiner von Ungarn ist. Dieser ist so reich, daß er einem jeden von seinen Kindern an comptant Geld zum Heirat gegeben hat 200,000 Gulden Holländisch und sind ihrer Kinder sechs. Er ist alljctznnd ein alter Mann 70 Jahre alt. Er führt sich in Kleidung gleich einem Polack und hat einen langen weißen Bart. Er kommt gar oft bei dem Kaiser. Der andere reiche Jude ist der Herr R. Mendel Oppenheimer, welcher gleich R. Samson mit 10 Soldaten bedient wird: hat auch einen luftigen Palast in Wien und noch mehr Häuser und Gärten außen vor der Stadt; hat auch einen schönen Palast gebaut, in der Stadt Mannheim bei dem Rhein. Dieser Oppenheimer ist ein Mann, On?, von Statur, führt keinen Bart, hat auch gar viel Bediente und ist sehr reich. Er speist alle Tage eine Tafel mit Silbergeschirr für die Armen, gleich auch fremde Juden. Wer nur will, kann hier zur Mahlzeit kommen. Sobald als 12 Uhr schlagt, wird die Tafelglocke geläutet, so mag kommen, wer nur will, in den großen Saal. Hier sind Bediente, die diese Tafel bedienen, gleich ihr Herrn Tisch. Nach gethaner Mahlzeit geht ein Jeder, sonder sich zu bedanken, wieder weg. Andere Juden in Wien sind alle gar reich, sind ungefähr 25 Hausbesitzer. Fremde Juden dürfen keine Nacht in Wien bleiben, sonder Erlaub und schriftlich Beweis von dem erst bemeldctcn Herrn Wcrtheimer. Ihr Begräbniß ist ein lustiger Garten in einer Vorstadt. Schulen hat jedweder in seinem Hans. Auch sind sie Alle par. Bedienten und Verwalter von einigen Sachen des Kaisers: gleich der Wertheimer und Oppenheimer sind Proviantmeistcr, der Abraham Ulmo Lieferant von Heu, andere wieder von Mnnizie nnd Geschütz. Sic haben allhier ein geruhtes (— ruhiges) Leben; nur einerlei Sache, was sie hier für ein Beschwerniß haben, ist wegen sogenannte Glöckle, das ist, wenn die Pfaffen wollen gehen einen Kranken besuchen, so kommen sie mit einem kleinen Bild tragen und ein Glocke! voran. Vor diesem fallen alle gar nieder auf die Knicc. Wenn nun solches Begegniß einem Juden sollte entgegen kommen, so haben die Pfaffen, oder bei sich habende Studenten, eine Vollmacht, um den Juden zu nöthigen, nieder zu fmeni, oder mag ihn ans dem Platz erschlagen. Als Solches nun einem Juden begegnet, muß er sehen, über Seiten oder hinter sich zu rctirircu. Ich habe mich in diesem Gefahr 2, Uinal selbsteu befunden; als ich einmal nach dem Prinz Engcnius seinem Garten wollte gehen und in die Vorstadt kam, so sah ichs von weitem ankommen ganz stark nach mir zu. Ich mich sah zu rctirireu, so ging ich in ein Haus, wo mich dir Maid vom Hans erkannt und solches sagt, das; ein Jnd im Hans war. Die Leute nun bemerkten, warum ich hier kam, so wollte Einer haben, daß man mich mit Gewalt sollte heraus führen. Wann sie vorbei kamen, ich der Maid einen Siebziger gebet, so ließ sie mich die Hinterthür heraus und ich laust davon. Noch ein ander Mal, so stehe ich auf dem Markt, um zu kaufen einige Sachen, so sah ich, wie ei» Student mich ausicht und mich mit eins fraget, ob ich ein Jnd wäre. Ich ihm mit ja beantwortet, sagt er: sieh Dich einmal um. Ta sah ich, wie ein Partei Lichter mit viel Gevolk ankamen. Ich gleich bemerkte, daß sie mit dem Glocke! waren, so lauft ich; der Student, welcher mich gekonnt hat, lauft mir nach und ruft alle Zeit: Jnd, nimm deinen Hut ab. Ich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.