Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 97 (14.12.1885)
- Date
- 1885-12-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449594--23386-2513060- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1658 in ungarischer Sprache abgefaßte Brochürc, betitelt „Beschränkung der Preßfreiheit" oder,, Vernichtung der!)revolver-Journalistik." Der Verfasser, ein 20 jähriger junger Mann, der vor einigen Jahren noch eine Jeschiba besuchte, empfiehlt seine Arbeit der Aufmerksamkeit des Ministerpräsidenten; er weist mit vieler Sachkcnntniß auf die Schädlichkeit der antisemitischen Presse hin, welche mit der sogenannten „Revolver-Journalistik" auf ganz' gleicher Stufe der Nnsittlichkeit und Verworfenheit steht, und daher nicht nur der Jndcnheit, sondern in noch höherem Maße der Ehre des Vaterlandes zum empfindlichen Schaden gereicht. Der Styl wie der Inhalt ist ein gediegener und wird von der ungarischen Presse sehr gelobt. Herr Gastmann ist schon heute ein berühmter ungarischer Schriftsteller und gebührt ihm Anerkennung dafür, daß die Erstlinge seiner Arbeiten dem Wöhle seiner Glaubensbrüder gewidmet sind. Znm Schlüße erlauben Sie mir, noch etwas Gemüthliches mitzutheilen. Die sogenannten rcformirteu Inden von Neupest überraschten unter Führung ihres Apostels, den Ministerpräsidenten zu seinem!0 jährig. Jubiläum mit dem zarten Angebinde eines Katechismus, verfaßt von der reformirtcn Rabbinatsverwesung. Der Ministerpräsident versprach, es durchblätte'rn zu lassen!! Batorkeß (Ungarn). Herr Joseph Bcnedickt von hier, ein Enkel des berühmten Rabbi Markus Benedikts, einftOberrabbiner zu Stampfen, eines Verwandten des gleichnamigen Mährischen Oberlaudesrabbiuen, hat für unsere Synagoge eine prachtvolle min -ed schreiben lassen. Dieselbe wurde am Sabbate im Weihefeste unter großen Feierlichkeiten ihrer heiligen Bestimmung übergeben. Unser allverehrter Rabbiner, Herr D. L. Salzer, hielt bei dieser Gelegenheit eine weihevolle und ergreifende Rede. — England. London, im Dez. Die Synagoge der deutschen Gemeinde ist nun durch die große Energie und den wahrlich unermüdeten Eifer des Präsidenten, Herrn H. Berliner, ihrer Vollendung nahe gebracht worden. Das Gebäude befindet sich im Spital Square und gewährt einen sehr würdigen Anblick. Dessen Einweihung wird demnächst stattfinden und, wie projektirt, dem Rev. Dr. Adler die Leitung der Feierlichkeit übertragen werden. Die sogenannte „Vollendlings - Steinlegung" (top stone) soll von dem neuerwählten Parlaments-Mitgliede, Herrn Banquier Samuel Montag«, vorgenommen werden. Am verflossenen ros? 'nsio fand ein großes Eoncert zu Gunsten des Baufondes statt, welches durch die große Betheiligung von dem allgemeinen Interesse für dieses wo'hllöbliche Unternehmen genügendes Zeugniß ablegte. Von der Feierlichkeit werde ich demnächst genauen Bericht erstatten. F c u M_^c t o u. BeyaöiMirt. Erzählung von Friedrich Rott. XVI. Es war am folgenden Morgen. Mit besonderer Sorgfalt vollendete Eduard seine Toilette und prüfend betrachtete er sich im Spiegel, den er seit lange nicht zu Rathe gezogen. Er, durfte zufrieden sein. Sein Bart, den er auf der Flucht abgenommen hatte, war bereits wieder gewachsen, umrahmte wieder wie früher sein feines, intelligentes Angesicht, der Helle Sommeranzug seines Freundes stand ihm vortrefflich, Herrmann hätte seine Freude gehabt, hätte er ihn so gesehen. Doch mißbilligend hätte er den Kopf geschüttelt, hätte er geahnt, welche Zaghaftigkeit Eduards Herz erfüllte. Er hielt sich überzeugt, daß der Posten, um den er sich bewerben wollte, bereits vergeben, und hätte er nicht gefürchtet, den Freund ernstlich zu erzürnen, er hätte am liebsten die feinen Kleider wieder mit seiner Arbcitsblouse vertauscht und wäre zum Bahnhof geeilt, den dort «»kommenden Fremden das Gepäck zur Droschke zu tragen. Aber Herrmann hatte gestern in später Abendstunde den weiten Weg zurückgelegt, nur um es ihm zu ermöglichen, sich noch in den Vormittagsstunden dem Handlnngshause vorzustellen. Wenn er auch mit Sicherheit darauf rechnete, einen vergeblichen Weg zu machen und überdies noch den Verdienst der V'ormittagsarbcit cinznbnßen, so wollte er dennoch dem wohlgemeinten Rathe des Freundes entprechen. Langsam, zögernd machte cr^stch auf den Weg zu der Expedition des Blattes, wo er den Namen der Firma erfahren sollte, doch er besann sich und raschen Schrittes eilte er weiter, um, wie er sich sagte, die Geschichte baldmöglichst aus dem Kopf zu haben.