Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 97 (14.12.1885)
- Date
- 1885-12-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1056 rcnt.cn Mann, das; er, im hohen Mannesalter stehend, eine vollständige Abwendung von den Idealen seiner Jugend in locitcii Kreisen erleben mußte, und daß er in dieser Periode gezwungen wurde, ganz gegen seine Natur einzntreten in einen Parteikampf über die Gleichberechtigung alles dessen, was Menschenanllitz trägt auf Erden. Aber selbst diese bittere Erfahrung und diese .Kampsbereitschaft haben es nicht vermocht, ihn von der Bahn des werkthätigen Idealismus im Dienste der ganzen Menschheit abzndrängen." Aach dieser dritten Rede war die Feierlichkeit im Rathhans beendet, und nun ordnete sich der imposante tfonbuct. Hinter dem Leicheuzug schritten die Ehrenbürger und Stadtältefteu von Berlin, dann die Mitglieder des Magistrats, die Stadtverordneten, Bürgerdeputirte, Bezirksvorsteher und in unabsehbarer Reihe die Vereine mit ihren Fahnen und Emblemen. Hieran schlossen sich etwa 150 Wagen an: Zwei Mnsikchöre spielten im Zuge. Um 2 Uhr langte der Eondnkt ans dem Friedhof in der Schönhauser Allee an, wo Rabbiner Dr. Maybanm unter Zugrundelegung des Textes „des Ewigen Vchrc war in seinem Herzen, daher wankten nicht seine schritte" noch einige Trostesworte sprach. Der Kaiser hatte schon am Dienstag der Wittwe einen Kranz als Zeichen seines Beileids zugeschickt, die Kaiserin hatte ihr Mitgefühl in einem huldvollen Anschreiben an Frau Dr. Straßmann ausgedrückt. Berlin, im Dez. Der allgemein beliebte und rühmlichst bekannte Arzt, der Geheime Sanitätsrath Dr. E. Lehfeld, feierte vor Kurzem sein fünfzigjähriges Doktor-Jubiläum. Es wurde dem edlen Inbilare nicht nur von allen Ständen der Bevölkerung anerkennende Ehrenbezeugungen jeder Art, sondern auch von Allerhöchster Stelle eine hohe Auszeichnung für seine verdienstvollen Leistungen zu Theil, indem Se. Majestät der Kaiser demselben den Kroneuorden HI. Klasse allergnädigst zu verleihen geruhte. Der Jubilar ist ein Schwager des Londoner Oberrabbiners Dr. Adler '"2. Ans Wcftphalcn. In der von hier nicht lveit entfernten Stadt Gelsenkirchen hat sich ein für die Interessen des gesetzcstrencn Judeuthums bedeutsames Ereigniß vollzogen, ein für hiesige Gegend, wo Ncologie, Materialismus, Jndifferentismus, Indolenz und Lethargie gegen alles Heilige und Höhere den Eulminationspunkt erreicht haben, eine ausfällige, seltsame und deßhalb um so hoher anzuschlagende Erscheinung, wir meinen nämlich — die Bildung und Eonstituirnng einer separaten, gefetzestrcuen Religionsgesel l scha ft. In Nachstehendem erlauben wir uns, auf die Entwickelungs - und Entstehungsgeschichte dieser, wenn auch anfänglich noch kleinen, aus etwa 15 Familien bestehenden Gemeinde zurückzugreifen. Kurz von dem verflossenen wurde in G. die nenerbaute, .schöne Svnagoge durch Rabbiner Dr. F ran k in Cöln eingeweiht. Trotzdem nun weder in dem von Königl. Regierung zu Arnsberg genehmigten Baureglement, noch in den dem Bau vorhergegangenen Gemeindesitzungen von der Einführung einer Orgel in die neue Synagoge die Rede war, — ja der Borstand sich sogar gegen einige gesetzestreue Mitglieder, als das Gerücht von Einführung gesetzeswidriger Neuerungen sich verbreitet hatte, dahin ausgesprochen, daß keine Reformen, am allerwenigsten aber eine Orgel in die Synagoge eingeführt werden sollten, — hat man doch das Aeußerste gewagt, indem man die berechtigten Forderungen der gesetzestreuen Minorität iguorirte, ihren gerechten Forderungen als wahre omn’ keine Rechnung trug und mehrere, das religiöse Gefühl derselben verletzenden Aenderungeu, besonders aber durch Einführung eines Orgelgottesdienstes, — dieses Zankapfels der jüd. Gemeinden — vornahm. Tie so in ihren Erwartungen getäuschte Minorität hat gegen die Einführung dieser unjüdischen Neuerungen bei der .Königl. Negierung zu Arnsberg Protest erhoben, aber leider ohne Erfolg, und so blieb ihnen als Qnsso b’t.it nichts anderes übrig, als den letzten Schritt 311 thun — aus der Synagogengemeknde auszutreten und sich zu einer selbstständigen Gemeinde zu coustituiren. Um das Zustandekommen derselben hat sich besonders der in weiten Kreisen als gesetzestreuer Jehudi bekannte Herr Roth mann verdient gemacht; derselbe versieht auch vorläufig den Vorbeter- und Vorleserdienst und sonstige Funktionen bei der Gemeinde. Wir schließen mit dem Wunsche: -»ysD rrnn bk t.k: iw *pnnw und rufen den Mitgliedern ein aufrichtiges DanD itr zu. Straßbnrg im Elsaß, 8. Dezbr. Das Iudenthum in Elsaß-Lothringen ist von einer großen Gefahr bedroht; es sollen nämlich neologe Rabbinen gezüchtet werden. Die jungen Leute, welche die Vorbereitungsschule in Kalmar verlassen, werden an der Universität Straßburg stndiren und ihre rabbinische Ausbildung soll unter Leitung eines Herrn U r y, bisher Rabbiner in Brumath, vor sich gehen. Wie das „Elf. I." verkündet, wird Herr Ury den rabbinischen Studien den entschieden liberalen Charakter verleihen, welcher demStre-