Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1885)
- Date
- 1885-12-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1648 Dauer auf seine Bitte 100 fl. als Subvention erhalten, der wohl nicht gewußt habe, daß Singer auch in verlebendem Tone über den Elerus geschrieben habe. Ter Bertheidiger citirt nun eine lange Reihe von einander widersprechenden Stellen ans den Schriften Singer'«, aus welchen hervorgehe, das; derselbe ans der einen Seite scharf verdamme, was er ans der anderen Seite billige. Dadurch habe er sich selbst vernrtheilt und indirect alles das über sich selbst gesagt, was Herr Winter über ihn geschrieben habe. Der Bertheidiger citirt unter Anderm das scharfe Urtheil, das Singer über alle (Konvertiten vom Jndenthum ohne Ausnahme fällte, während er ein anderesmal seine eigene Geneigtheit znm Uebertritte erklärte, wenn die katholische Kirche zn den Evangelisten zurückkehre. Er fragte, weszhalb Singer nicht literarische Revanche genominen habe. Singer habe an Pernerstorfer geschrieben, das; er Winter in fünfzehn großen Journalen abfertigen könnte. Freilich, wenn auch in jüngster Zeit viel gegen die Journale gesprochen worden sei, so werde selbst der größte Feind der Zeitungen nicht der Meinung sein, das; die Redacteure jener Blätter nur auf die Winke Singer's harren. Singer, welcher bald diese, bald jene Meinung lancire, gereiche seinem Glauben und dem Indenthume zur Schande. Die Jury möge entscheiden zwischen Singer einerseits und Personen wie Pernerstorfer und Winter andererseits. Der Redner schließt, indem er preisgekrönte Verse Winter's citirt, in denen das Deutschthum gefeiert lvird. Pernerstorfer nimmt noch das Wort. Er habe gegen jeden ehrlichen Vertreter einer von der seinen abweichenden Meinung Achtung, nicht aber vor Singer, der aus der einen Seite dem orthodoxen Juden im Kaftan, auf der andern dem elegant gekleideten Reformjuden seine Zustimmung ausdrücke. Herr Singer, der bis zum Schlüsse der Sitzung anwesend war, zeigte bei den Ausfällen tvider ihn sehr gute Laune und lachte wiederholt lebhaft über sarkastische Bemerkungen der Gegner. Tie Jury weilte zwei Stunden in dem Berathnngsziminer. Sodann verkündete der Obmann, Her Obe r wi m m er, das Berdict, mit welchem die zwei Hauptfragen betreffs beider Angeklagten mit elf Stimmen gegen eine verneint wurden. Hiedurch entfielen die Znsatzfragen über den Beweis der Wahrheit. Die Eventual-Fragen auf llebertretnng der Beschimpfung wurden mit zehn gegen , zwei Stimmen verneint. In Folge dessen wurden die Beschuldigten freigesprochen. Afrika. Alexandrien. (Schluß.) Bor mehreren Monaten sprach ich in Venedig einen in Tripolis ansässigen italienischen Kaufmann, der mit dem Sudan in lebhaftem Handelsverkehre steht und der selbst schon einmal in Ghat war, und fragte ihn nun um seine Ansicht über die angebliche jüdische Ansiedelung in dieser Stadt, worüber er sich nun folgendermaßen äußerte: Es läßt sich nicht leugnen, daß ein Theil der Bevölkerung von Ghat jüdischer Abstammung ist; derselbe ist jedoch nicht so leicht aus der Menge herauszufinden, da in dieser Stadt nur eine Sprache, die arabische, gesprochen wird, nur eine Tracht, die sudanesische, üblich ist und nur eine Religion, der Islam, herrscht. Erst wenn man eine längere Zeit dort geweilt und alle Schichten der Bevölkerung daselbst kennen gelernt hat, dann ist es möglich, jene Bewohner herauszusinden, welche nicht der arabischen, sondern der jüdischen Nation angehören. Uebrigens wissen die Mohamedaner Ghats sehr wohl, daß viele ihrer Mitbürger jüdischer Abstammung sind; sie kümmern sich jedoch blutwenig um dieselben, da diese öffentlich gute Muslims sind und die Satzungen des Korans getreulich befolgen. Daß sie jedoch in ihren Häusern heimlich dem jüdischen Eultus anhangen, davon ist in der Stadt nichts bekannt. Was dann die Abstammung dicker Juden anbelangt, meinte der italienische Kaufmann, so dürften dieselben nicht schon znr Zeit der Zerstörung des ersten Tempels, sondern erst nach der Zerstörung des zweiten Tempels oder gar noch mehrere Jahre später Palästina verlassen haben und nach Ghat gekommen sein. Bekanntlich haben die Römer nach der Zerstörung Jerusalems achtzigtausend Juden in die Gefangenschaft nach der Insel Sardinien geschickt, damit sie dort den Bergbau betreiben sollen. Möglich, daß die Römer dann auch nach Ghat, das damals zur Provinz Afrika gehörte, und wo dieselben gleichfalls große Bergwerke besaßen, etliche hundert Juden verbannt haben. Es ist aber auch möglich, daß diese Inden ursprünglich in der Provinz Earthago (Tunis) gewohnt und erst nach dem Einfalle der Vandalen unter ihrem Könige Geiferidjjm diese Provinz ihre bisherigen Wohnstätten verlassen und sich nach Ghat geflüchtet haben. Da sie nun hier Jahrhunderte hindurch von der jüdischeii Welt gänzlich abgeschnitten waren, so wie sie es übrigens noch heute sind, so begannen sie langsam ihre Sprache zu vergessen und ihre Glanbenssatzungen aufzngebe» nnd dafür die Sprache, Sitten und den Glauben der Araber auzunehmen. Diesel-