Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1885)
- Date
- 1885-12-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1617 vorigem Jahre noch erinnerlich sein, das; einige Mitf gliedcr der hies. Synagogengcmciude anläßlich der Einführung der Orgel und des gemischten Chores rc. rc. in die nenerbaute hies. Synagoge sich zu einem Separatgottesdienfte vereinigt haben. Cs macht mir Freude, berichten zu können, das; dieser Privatgottesdieusi bis jetzt n"3 jederzeit regelmäßig abgehalten werden konnte, trotzdem,der Synagogcngemcindcvorstand alles ausbot, die Sache zu hintcrtreibcn. Vor Kurzem wurde sogar durch die Verfügung de? Herrn Regierungspräsidenten die Erlaubnis; ertheilt, den Gottesdienst ohne die polizeiliche Ucberwachnng, die ans Veranlassung des Synagogengemeindevorstandes vom Magisttat zu jeder Gcbetszeit geschickt wurde, abznhaltcn, rcsp. dem Magistrate die Anweisung ertheilt, die Ucbcrwachung ein für alle Mal falten zu lagen, was nun nnch geschieht. Es ist ferner auch gegründete Hoffnung vorhanden, daß noch mehr Gemcindemitglicder, die einsche» gelernt haben, daß Orgel und gemischter Chor in das jüd. Gotteshaus nicht gehören, sich dem Privatgottcsdicnste anschließen werden, so daß m. G. H. bald eine Gemeinde entsteht. Vorigen rar nun, n 's, wurde den Thcilnehmeru des Privat-;'^ eine hohe Freude bereitet. — Herr Dr. Kroner nämlich, der frühere hiesige Rabbiner, jetzt Seminardirektor in Hannover, war zu einer am Sonntag abzuhaltcnden Trauung hierher berufen und schon vergangenen Donnerstag hier angekommcu. Zum großen Verdrusse der Gemeinde besuchte er vergangenen rar? nicht die Synagoge, sondern nahm zu jeder Gcbetszeit an; Scparatgottcsdicnste Thcil und hielt daselbst nach dem rimv-Gottesdienste einen herrlichen Vortrag. Im Anschluß an die mio, in der uns erzählt wird, wie Joseph unter dein Beistände des Allmächtigen trotz der verderblichen Anschläge seiiler Brüder erhalten wurde, im Anschluß ferner an das in dieser Woche zu feiernde ran-Fest, ans dem wir ebenfalls lernen können, wie eine geringe Anzahl, wenn sic Gerechtes will und nur auf bcii Herrn im Himmel ihre Hoffnung setzt, einer Neberzahl gegenüber Stand halten und überwinden kann, wies er nach, daß die gerechte Sache des religiös-denkenden Judenthums über die Ankämpfungen seitens der Nefornlparteien den Sieg gewinnen müßt und forderte deshalb die am Separatgottesdicnste Thcilnehmenden auf, den Muth nicht sinken zu lassen, wenn sich auch Schwierigkeiten in den Weg stellen itnb vor Allem durch ferneren regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes selbst zur weiteren Erhaltung desselben beizutrageil und überhaupt an dem traditionellen Judenthum festznhalten. O c st e r r. -Ungar. M o n a r ch i c. Wien, 27 November. Die Verhandlung über die Ehrcnbcleidignngs-Klage des Herrn Isidor Singer gegen die Herren Engel be r t Perne rstorfer und Ios eph W inter wurde heute zu Ende geführt. Herr Isidor Singer, welcher als Zeuge vernommen wurde, antwortete auf .verschiedene kritische Vorhalte des Vcrtheidigers über den Inhalt seiner Schriften mit der Vorlegung von Anerkennungsschreiben seitens einer Anzahl Gelehrten und Schriftsteller. Dr. Epp in ge r fragt den Kläger, ob cs richtig sei, das; derselbe von dem Cardinal Ganglbauer auf sein Ersuchen eine Subvention von 100 fl. für seine Literatur- Zeitung erhalten habe. Herr Singer bejaht dies. Den Geschworenen werden betreffs jedes der Angeklagten zwei Hauptfragen vorgclegt, und zwar zu der zweiten eine Znsatzfrage, betreffend den Beweis der Wahrheit, und eine Eventual - Frage auf die Uebertretung der Beschimpfung. Der klägerischc Vertreter, Dr. Ad albert B ill i tz c r, gesteht zu, daß Jedermann, der mit einem Werke in die Ocffentlichkcit tritt, sich die schärfste Kritik gefallen lassen müsse-, allein selbst wenn in den Schriften seines Clienten Stellen , enthalten sein sollten, welche nicht der Ausfluß eines reifen, überlegenen Geistes sind, sondern noch den jugendlichen Schriftsteller verrathcn, seien ehrenrührige Schmähungen gegen ihn damit nicht begründet. Es müsse ihn Wunder nehmen, daß der preisgekrönte Dichter Joseph Winter den Pegasus verlassen und in die Niederungen der Beschimpfung herabgestiegen sei. Nicht von den; Schriftsteller Singer, wie die Angeklagten sagten, sondern von bei» Schriftsteller Winter müsse die Welt befreit werden. Es sei übrigens vielleicht begreiflich, wenn Herr Winter durch die abfällige Acnßcruug Singer's über' die Couvertiten sich gekränkt fühle. Dr. Billitzcr macht indes; einen Unterschied zwischen Pernerstorfer, der vielleicht nicht von ehrenrühriger Absicht, sondern von deutsch-nationaler Gesinnung geleitet worden sei, und zwischen Winter, bei welchem nur die Intention, zu besudeln, vorgeherrscht habe. . Der Vcrtheidkger Dr. Eppingcr bezeichnet die literarische Vernichtung, die dem Kläger zu Theil geworden, als eine gerechtfertigte. Singer sei eine Persönlichkeit, welche durch ihr Wirken antisemitischen Bestrebungen Vorschub leiste. Derselbe gehöre zu der hoffentlich nur noch geringen Zahl von Juden, welche gleiche Rechte wie alle anderen Bürger wünschen, aber noch selbst für sich eine Scheidemauer ziehen möchten. Er habe von dem Cardinal Gang!-