Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1885)
- Date
- 1885-12-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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thete ihren Geliebten. Beide Gatten wurden später katholisch, und erzogen die beiden Kinder Dorotheens aus erster Ehe im katholischen Glauben. Es sind das die beiden Maler Johannes und Philipp Veit. Der Letztgenannte starb vor einigen Jahren in Mainz als Direktor der Gemäldegallcrie. — Auch die zweite Tochter, Necha, verließ ihren Gatten, einen biedern, rechtschaffenen und intelligenten Mann, Mendel Maier aus Strelitz, nach kurzer Ehe. Auch sie glaubte sich zu etwas „Höherem" bestimmt, doch fand sich für sie, wie.Kohut berichtet, kein Friedlich Schlegel. — Die dritte Tochter Henriette blieb nnvcrinählt und trat, als sie in das Haus des Generals Sebastian! in Paris als Erzieherin berufen wurde, zum Katholicismus über. Beiläufig sei hier erwähnt, das; ihre Schülerin, Fanny Sebastian!, im Jahre 1824 den Herzog von Ehoiseul-Praslin heirathete, von dem sie 1847 ermordet wurde. Acltcre Leser werden sich noch erinnern, welch ungeheure Aufregung damals diese entsetzliche Mordthat hervorbrachte. — Die Söhne Mendelssohns blieben zwar äußerlich Juden, aber auch nur äußerlich. Der eine, Abraham, ließ seine Kinder gleich nach deren Geburt taufen. „Wir haben Euch," schreibt er au seine Tochter, „Dich und Deine Geschwister im Ehristenthum erzogen, weil es die Glaubensform der meisten gesitteten Menschen ist." — Wir überlassen es den geehrten Lesern, sich über diese naive Aeußerung ein llrtheil zu bilden. — Einer der Söhne Abrahams war der berühmte Eomponist Felix Mendelssohn-Bartholdk. — Der älteste Sohn Moses Mendelssohns, Joseph, ließ seine Kinder noch Juden bleiben; diese aber ließen ihre Kinder gleich nach deren Geburt ins Ehristenthum aufnehmcn. Der Geheime-Commcrzieurath A l e x a n d e r M e ndelssohn, ein Sohn des obengenannten Joseph, war der letzte Sproß Moses Mendelssohns, der als Jude — weuigsiens dem Namen nach gestorben ist. All die zahlreichen, noch lebenden Nachkomme» Moses Mendelssohns sind theils Katholiken, thcils Protestanten. Wir wollen mit der Eonstatirung dieser bedauerlichen Thatsache keine Anklage gegen den großen Mann erheben; wir wollen dieselbe nur tief beklagen und den attgütigen Gott bitten, daß Er alle treuen Gläubige» in Israel vor solchem Geschicke behüten möge. N-tp Dnyn nx tot jn toc »n?x &un .prun QiTcn ’ni2N orü Es möge sich an den Nachkommen erfüllen der Segen unseres Vaters Jakob, daß sie treu bleiben dem Glauben der Väter bis an das Ende der Tage. — Zertrrrrgsttachrichte» nud Correfpuuderrzen. Deutschland. Köln, 4. Dez. Wirklich auerkenneuswerth ist es, wie man allseitig bemüht gewesen ist, die in voriger Woche Hierselbst stattgehabtc Kochkunst-Ausstellung in einer Weise zu beschicken, die nicht alleilt' von Talent und Geschicklichkeit, sondern auch von großer Originalität zeugte. Den besten Beweis dazu gibt uns die Firma A. Eos;mann an» Deutz, welche in einer stattlichen Pyramide von gegen 5* Meter Höhe, nicht lveniger als 100 Kaffec-Rohsorten ansgestellt hatte, von den gewöhnlichen Rios bis zu den feinsten Menadas, doch hatte der Aussteller es nicht dabei bewenden lassen, den Kaffee als Produkt des Handels den. Besuchern der Ausstellung vor Augen zu führen, sondern diese sollten gleichzeitig gewahren, in welche Gestalt die Natur die Frucht bildet, deren Aroma sowohl auf der Tafel des Königs, wie auf dem bescheidenen Tische des armen Handwerkers duftet. Man fand seine englischen und holländischen Kaffees in der Ausstellung der Firma Eoßmann noch in ihrer natürlichen Hülle, in der Hornschale, und banebeu sogar vier lebende und in dem besten Wachsthum befindliche 4 nud 5 jährige .Kaffeebäume von gegen I Meter Höhe. Außerdem ist die Firma Eoßmann für ihre Branche auch literarisch thätig gewesen und hat eine vierfache Statistik über.Kaffee-Produktion und Kaffee-Eonsnm ausgestellt, in welcher sogar ansgerechnet ist, wie viel Kaffee jeder Staat Europas pro Kopf nud Jahr verbraucht. Daß die Firma Eoßlnann wirklich Vorzügliches in so origineller Weise geboten, geht am besten daraus hervor, daß ihm bei der Prämiirung die höchste Auszeichnung in seiner Brauche, eine bronzene Medaille zu Theil wurde. Deutz bei Köln am Rhein, 6. Dez. Schreiber dieser Zeilen verbrachte raff Ehannko ui der noch vor kaum einigen Jahrzehnten der dort herrschenden innigen und musterhaften Frömmigkeit halber bekannten jüdischen Gemeinde zu Denv, und berührte es denselben ungemein peinlich, daß in einer Gemeinde mit einer derartigen Mitgliederzahl,^>ie noch gerne als religiös angesehen sein möchte, sich zu dem Mincha-Gottesdienste leider noch nicht einmal in Personen einfanden. Vielleicht veranlassen diese Zeilen, noch religiöse Mitglieder der isr. Gemeinde Deutz den Besuch des Gottesdienstes künftig etwas weniger zu vernachlässsgen. I. R. Erfurt, 1. Dezember. Es dürste den geehrten Lesern des „Israelit" aus einem Artikel von