Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1885)
- Date
- 1885-12-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1641 500 Israeliten, meistens Frauen und Kinder sind daselbst im größten Elend angekommcn, während die männliche Bevölkerung zum Kriegsdienste herangczogen wurde. Die israelitische Gemeinde zu Calafat hat sich, sehr edelmüthig gezeigt, aber sie ist klein und außer Stand, für diese große Anzahl Bedürftiger allein zu sorgen. Die Israeliten in Bukarest und Pesth haben 500 und 2OO Fr. zur Unterstützung derselben geschickt. Die All. Jsr..in Paris hat für diesen Zweck 1000 Fr. votirt. Auch die in Widdin verbliebenen Israeliten sind in derselben schlimmen Lage, die Männer sind meistens bei der Armee, ihre Frauen und Kinder ohne alle Hilfsmittel zurücklassend. Eine zeitweilige Unterstützung derselben wäre sehr dringend. Frankreich. Paris. Die frühere Depntirtenkammcr hatte den Kirchengcmcinden und isr. Eonsistorien das bisherige einträgliche Monopol der Leichenbegängnisse entzogen und den Eonnnnncn übertragen. Der Senat hat das Gesetz dahin abgeändert, daß das Monopol von den bisherigen Inhabern sowohl als auch von den Eommunen ausgcübt werde. Paris, 5. Dezember. Baron Alphons R o t lisch ild wurde an Stelle Per rin's zumMitgliedc der Akademie der schönen Künste ernannt. England. London. Aus den Parlauientswahlcn sind folgende sieben Israeliten als Mitglieder des Unterhauses hervorgegangen: Arthur Cohen, Lionel L. Cohen, Sir Julian Goldsmid, Samuel Montagn, Baron Ferdinand v. Rothschild, Serjeant Simon, Baron Henry v. Worms, von welchen Lionel L. Cohen und Baron Worms der couservativcn und die übrigen der liberalen Partei angehörcn. Das letzte Parlament zählte fünf Israeliten. London. Frau Reisel Prussie dahier feierte am ersten Chanukahtage ihren 104. Geburtstag. Dieselbe ist noch in vollem Besitze ihrer Sinne und besucht täglich den Frühgottesdienst in der Princes Street Synagoge. Rußland. Warschau. Viele aus Li bau ausgewiesene jüdische Familien sind nach Warschau gekommen, in der Hoffnung, daselbst genügende Arbeit zur Bestreitung ihres nothdürftigcn Unterhaltes zu finden. Aber ihre Erwartung wurde sehr getäuscht. Gegenwärtig liegt daselbst Handel und Gewerbe ganz danieder und in Folge dieses befindet sich selbst die einheimische Arbeiterbevölkerung in großer Noth. T ü r k e i. Adrianopel. Die hiesige jüdische Gemeinde hat dreißig Pferde für das dahier stationirte Truppencorps gestellt und außerdem Sammlungen veranstaltet, von deren Ergebnis; warme Fußbekleidung für die Soldaten angeschafft werden soll. Der noch junge Regimentsarzt Dr. Jsak Grciwcr in Konstantinopcl wurde als inspicirender Hanptmann zu der Sanitäts-Abtheilung des zweiten Truppcncorps nach Adriauopel entsendet. P a l ä st i n a. Jerusalem. Die Wohnnugsnoth hat den erst seit wenigen Jahren dahier wohnenden Herrn Moses Wittenberg veranlaßt, außerhalb der Stadt in der Nähe von „Meah Schcarim" ein Grundstück zu kaufen, ans welchem er 19 kleine Hauser errichtet, deren Micthpreis er den Wether:: als Ankaufspreis berechnet, so daß dieselben nach einer Reihe von Jahren ohne weitere Anzahl: ug in den Besitz eines kleinen Hauses kommen. In der Nähe der Stadt wurden vor Kurzem mehrere Naubanfälle und eine Mordthat an Juden begangen. Für 25 Familien, welche ihre Miethen nicht bezahlen konnten und obdachlos geworden sind, werden ans Anregung der Gesellschaft „Ezrath Nidachim" Wohnungen ans dem Olivenberge gebaut. Ans Palästina. Die Gemeinde der einst so zahlreichen und mächtigen Samaritaner (im Talmud stets Knthäer genannt) ist ans 151 Seelen, die sännntlich in Nablus, dein alten Schechen: (Sichern) leben, zusauttncngeschmolzen. Die Gemeinde besteht aus 55 Männern, 46 Frauen, 56 Knaben und 16 Mädchen. Da sie sich mit andern Rcligionsangchörigcn nicht ehelich verbinden, so wird der Mangel an Frauen voraussichtlich die Zahl der Samaritaner in der nächsten Zukunft noch mehr vermindern. — Der gegenwärtige Hohepriester dieser kleinen Gemeinde — sie bringen bekanntlich ans dem Berge Gcrisim noch gegenwärtig Opfer dar — heißt Jakob ben Aharon ha Kohen. Vichabittlirl. (Erzählung von Friedrich Rott. XV. „Vorgestern," sprach Clementine, „habe ich dem Pater Anastasius gelobt, sobald cs ihm 'gelingen werde, mir eine Bestätigung der Verheißungen seiner Religion zu verschaffen, sobald würde ich dieselbe bekennen —"