Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1885)
- Date
- 1885-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1639 gerat (von 4 Löhnen) Rabbi Getschlick Metz zum Nachfolger, welcher bis zu seinem Dahinscheiden (1842) segensreich wirkte, viele Schüler heranbildete und durch Herausgabe verschiedener gelehrten Kommentare sein talmudisches Wissen kundgab. Nach vollzogener Feier trennte sich die andächtige Versammlung im Bewußtsein, einen erhabenen Act vollzogen zu haben. Berlin, 6. Dez. Der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Straß mann ist heute Mittag einem gastrischen Fieber, das ihn in Verbindung mit einer Lungenentzündung seit einer Woche etwa ans Bett gefesselt hatte, erlegen. Herr Dr. Straßmann war neuti Jahre hindurch Landtagsabgeordneter, bis er bei der letzten Wahl die Wiedä'annahme eines Mandats aus Gesundheitsrücksichten ablehute. Gin bleibendes Verdienst erwarb sich der Verstorbene durch die Gründung des „Vereins gegen Verarmung und Bettelei," denen Vorsitzender er bis zu seinem Tode blieb; zugleich leitete er den 1881 neu gegründeten „Deutschen Verein für Armenpflege und Wohlthätigkeit." Mit dem Judenthum als solchem stand der Tahingeschiedene, trotzdem er das Ehrenamt eines Repräsentanten der jüdischen Gemeinde bekleidete, in keiner engeren Beziehung. In seiner Stellung als Vorsteher des Stadtverordnetenkolleginms hatte er oft Gelegenheit, zumal bei festlichen Anlässen, mit den Mitgliedern der kaiserlichen Familien in nähere Berührung zu treten, deren herzlichen Sympathien er voll genoß, wie denn auch der Kronprinz während der Krankheit des Herrn Dr. Straßmann sich nach dessen Befinden wiederholt persönlich erkundigte. Die Beisetzung dürfte am Mittwoch stattfinden; derselben wird wahrscheinlich eine imposante Tranerfeierlichkeit im Rathhause vorangehen. Berlin. 7. Dez. Tie gouvernementale „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" fährt in ihren Angriffen gegen Stöcker und den Antisemiten fort, indem sie die „nicht überall lauteren Motive," die individuellen Interessen und die Unduldsamkeit dieser Herren in scharfen Worten geißelt. Die Auslaßungen des Blattes sind um so bemerkenswerther, als der Leitartikel ersichtlich von ofsicieller Seite inspirirt ist. Wir citiren aus dem Artikel nur die folgenden Ausführungen, welche besonders in der Hetzpresse Lärtn und Entsetzen hervorgerufen haben: „Sie (die antisemittsche Bewegung) war ein Reizmittel, welches im Anfänge stark genug wirkte, um weite Kreise anzuregen. Aber ein Reizmittel verliert mit seiner habituellen Anwendung seine Wirksamkeit, und eine von den verschiedensten Impuljen bewegte Bevölkerung, wie groß auch ihre Neigung für alles Sensationelle ist, verlangt eben darum auch einen Wechsel der Anregung — wenn diese nicht auf ein praktisch realisirbares Ziel hinweist. Jedenfalls war es von vornherein ersichtlich, daß der Antisemitismus zwar allerdings ein gewaltiger Hebel zur Bewegung der Massen war, daß aber die bez. Agitation auf ernste Mißbilligung von Gesellschaftsgruppen stieß, die nicht außerhalb einer conservativen^Parteibildnng gelassen werden dursten. Ganz ebenso verhält es sich mit Herrn Stöcker. Man kann ihm die größte persönliche Hochachtung zollen, man kann von der Aufrichtigkeit seines Pathos vollkommen überzeugt und daraus die ungeheure Wirkung erklären, welche er auf die Massen ansübt; aber man weiß auch, daß mit seinem Vorgehen in Form und Zielen Kreise absolut nicht einverstanden sinh, auf welche eine eonservalive Parteibildnng in Berlin rechnen muß, wenn sie über einen momentanen Anlauf hinaus Bestand gewinnen soll. Eben darum waren aber die Exclusiven im Unrecht, wenn sie ihre Sache lediglich auf Herrn Stöcker setzten, und sind doppelt im Unrecht, wenn sie jetzt den „Mittelparteilern," mir weil sie versuchten, der Berliner Bewegung eine Richtnng zu geben, auf welcher ihr alle conservativ veranlagten Bürger folgen konnten, den Vorwurf machen, an dem totalen Mißerfolge Schuld zu sein." Diese etwas verspätete Rechtfertigung, welche durch das Auftreten der Kanzlerpresse die Stellungnahme der liberalen Pnblicistik gegen diese Hetzpartei und ihre Apostel findet, ist wie das „B. T." heute bemerkt, um so auffallender, als sie zeitlich zusauttnenfällt mit der zeugeneidlichen Eonstatirung jener herbverurtheilenden Aussprüche unseres Kronprinzen über diese ganze schmachvolle Agitation. Wenn ganze große Kreise, ohne deren Mitwirkung eine konservative Partei nicht bestehen kann, sich von dem Stöcker'schen Treiben, das jetzt als „Reizmittel" in seiner ganzen Gemeinschüdlichkeit sogar von der „Nörddeutschen Allg. Ztg." an den Pranger gestellt wird, wenn ganze große Kreise sich von der konservativen Sinnesart lossagen, blos weil sie die Stöcker'sche Bundesgenossenschaft nicht auf sich nehmen wollen, so braucht man nicht mit Licht zn suchen, um zu entdecken, wo der Centralpunkt dieser Kreise residirt. Frankfurt a. M., 6. Dezember. Die hiesige Fleischerinnung erläßt die nachstehende Bekanntmachung :