Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 96 (10.12.1885)
- Date
- 1885-12-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1638 bis 311111 Abend vor Gott, und sie erhoben ihre Stimme und weinten, ein großes Weinen. Und sie sprachen: Warum, Ewiger, Gott Israels, ist dies geschehen in Israel, das; vermißt wird heute von Israel ein Stamm? (Richter C. 21. V. 2—3). Das war der große, unversiegbare Kummer unseres Vaters Jakob, daß durch den Verlust Josephs die Existenz Israels in Frage gestellt worden. Als nun die Freudcnkuude kam, daß Joseph noch lebe, daß er tugendhaft und fromm, daß er den Gott seines Vaters verehre, da zog Jakob nach Böcr Schcba und brachte Opfer dar dem Gotte seines Vaters Jizchak, anpn om? ma by, Dankopfer, daß nunmehr der Bund der zwölf Stämme wicderhergestellt war worden. Mit dieser Erklärung des Resch Lakisch sind alle Schwierigkeiten gehoben, die wir im vorigen Eapitel erwähnt haben. Für die Weltordnung, für die Erziehung des Menschengeschlechts ist der Bestand des israelitischen Volkes nothwcndig. Daher betrachtete Jakob die Rettung und Erhaltung seines Sohnes Joseph nicht als ein Werk des Erbarmens, sondern als einen Ausfluß der göttlichen Weltordnung, als ein Werk der Gerechtigkeit, und daher gebraucht die heilige Schrift hier den Namen 'Hx*, das ist pn rrro, die Eigenschaft der Gerechtigkeit, und nicht den Gottesnamen, der die Eigenschaft der Barmherzigkeit bezeichnet; und weil Jizchak seinem Sohne Jakob den Segen gegeben, der ihm die □’cy Vnp, die zwölf Stämme verheißt, deßhalb opfert Jakob jetzt, nachdem dieser Segen wieder in seiner Vollkommenheit hergestellt, dem Gotte seines Vaters Jizchak. Aus diesem Grunde knüpft er den Dank für die frohe Botschaft nicht au Abraham und nicht an das eigene Verdienst, sondern an die Gottcserkenntniß seines Vaters Jizchak, dessen Segen, bellen prophetisches Wort ihn zum Begründer des israelitischen Volkes eingesetzt hat. Es möge uns gestattet sein, zu den drei Erklärungen der Weisen, die wir erwähnt haben, eine vierte hinzuzufügen. Jakob sehnte sich, nach Mizrajim zu dem geliebten Sohne zu eilen; auch Jizchak wollte einst, als eine Hungersnoth im heiligen Lande ansbrach, dem Beispiele seines Vaters folgend, nach Mizrajim hinabziehen. Da erschien ihm Gott und hieß ihm, im heiligen Laude zu bleiben (1. B. M. Eap. 26, B. 2; siehe Raschi). Deßhalb fürchtete Jakob, daß auch ihm Gott die Reise nach Mizrajim verbieten werde, „und er opferte Opfer dem Gotte seines Vaters Jizchak", da er jetzt dieselbe Absicht hatte, wie einst sein Vater Jizchak, nämlich nach Mizrajim zu ziehen. Warum hatte Gott dem Jizchak die Reise nach Mizrajim verboten? Wenn Jizchak nach Mizrajim gekommen wäre, so hätte schon mit ihm das Galnth Mizrajim begonnen, wie ja Gott zu Abraham gesprochen beim Bunde zwischen den Opferstücken: „Denn Fremdling wird sein dein Samen im fremden Lande". Daher fürchtete Jakob die Reise nach Mizrajim eben so sehr, wie das Verbot derselben, „und er opferte Opfer dem Gotte seines Vaters Jizchak". Und Gott erhörte sein Gebet und sprach zu ihm: „Ich bin der einzige Gott, der Gott deines Vaters; fürchte dich nicht, nach Mizrajim hinabzuziehen, denn zu einem großen Volke will ich dich dort machen. Ich werde mit dir hinabziehen nach Mizrajim, und ich werde dich wieder heraufführen, und Joseph wird seine Hand auf deine Augen legen." Rach dieser Verheißung apy» cp’i stand Jakob aufrecht, fühlte sich Jakob stark, und es heißt nicht wie sonst nensD rm, „sie gingen nieder nach Mizrajim," sondern nons® ixm , „sie kamen nach Mizrajim". Für Jakob und die Seinen war die Uebersicdelung nach Aegypten jetzt kein Niedergang mehr, sondern sie fühlten sich gehoben und getragen durch die Verheißung der künftigen Erhebung. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspöndenzen. Deutschland. Offenb 7ch a. M., 3. Dez. Ein feierlicher Act fand heute dahier statt. In Folge einer Straßcnverlängernng mußte die Ausgrabung vieler Gräber des alten isr. Friedhofes vollzogen werden, und wurden daher die Ueberreste längst Verstorbener nach dem neuen Friedhofe überführt. Unter diesen Ueberreften befanden sich die der gelehrten Oberrabbinen Metz (Vater und Sohn). Eine Anzahl Gemeindeangehöriger, sowie der Sohn, resp. Enkel, waren dem Zuge gefolgt, um den Dahingeschiedenen die gebührende Ehre zu Theil werden zu lassen. Der Vorstand der isr. Gemeinde hatte Sorge getragen, damit diesen hochgeachteten Männern s. A. specielle Grabstätten zugewiesen werden, und zukünftige Geschlechter jene Ruhestätten auffinden können. Herr Cantor Vogel schilderte in beredten Worten die hohen Eigenschaften der Verblichenen und hob hervor, daß der im Jahre 1821 verstorbene Rabbi Amschel Metz >"37 von Nancy in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Offenbach berufen wurde, und spricht dies deutlich genug dafür, in welchem hohen Grade der Ruf der Gelehrsamkeit jenes Mannes gestanden, wenn man die damaligen schwierigen Verkehrsverhältnkffe bedenket. Im Jahre 1817, fährt Redner fort, designirte er seinen Jün-