Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 95 (7.12.1885)
- Date
- 1885-12-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1626 Tempels Jerusalem und Palästina verlassen haben. Diese Ansicht konnte ich jedoch nicht theilen, da die zehn Stämme, wie es in den Büchern der Könige ausdrücklich heißt, nach Assyrien, Persien und Medicn verbannt worden sind. Auch sei cs sehr schwer zu glauben, daß sich ein Stamm oder auch nur ein Theil desselben von den übrigen zehn Stämmen getrennt und direct nach Ghat gegangen sei, um sich dort eine neue Heimarh zu gründen. Ich beschloß daher, mir genauere Informationen über die vermeintlichen Juden zn verschaffen und dann erst etwas über dieselben zu veröffentlichen, eingedenk des Spruches unserer Weisen: d-n ba ipino *.jw rr nnno nn. (Man gebe nie etwas Unvollendetes aus der Hand.) (Schluß folgt.) Wel-aölMirt. Erzählung von Friedrich Roll. XIV. „Elcmentine!" rief Steinhart erschreckt, indem er sic ans das Kanapee niederzog. „Sic sind krank, soll ich Nanette rufen?" Sie schüttelte abwehrend heftig das Hanpt. „Nicht — nicht —" „Aber —" „Nicht! — bitte nicht! —" „Wann ist das verheißen?" flüsterte sie nach kurzer Pause, „es schreckt sie ein verscheuchtes Blatt?" Er blickte sie betroffen an. „Bor ungefähr vierthalbtausend Jahren." „Und es ist eingetroffen!" stammelte sie, indem sie mit beiden Händen seinen Arm umklammerte „es ist eiugetroffeu —" „Freilich ist es eingetroffen," erwiederte er. „Ich habe es erlebt," flüsterte sie von neuem erschauernd „mich hat es getroffen —" „Es hat uns Alle getroffen." „Mich! — mich! —" Ein Strom von Thränen entstürzte plötzlich ihren Augen, sie verhüllte ihr Antlitz mit dem Tuche und weinte leise. Steinhart trat etwas zurück, kopfschüttelnd bettachtete er die erregte junge Frau, diese tiefe Erregung wußte er sich nicht zu deute». Wohl war es ihm nichts Neues, daß sie in ihrer natürlichen Lebhaftigkeit auch ihren Gefühlen zuweilen einen etwas lebhafteren Ausdruck lieh, doch was hatte sie heute so mächtig erschüttert? — Er wußte es nicht und er fragte sie auch nicht danach; erhoffte, nur daß sie in ihren Thränen Erleichterung finde» werde. Als nach einiger Zeit das Beben ihres Körpers nachgelassen und er annehmen konnte, daß sie ruhiger geworden, griff er nach seinem Hute und trat zu ihr. „Leben Sie wohl, gnädige Frau." Sie ließ ihr Tuch sinken und blickte zu ihm auf. „Muffen Sie schon gehen?" fragte sie leise. „Es ist spät," erwiderte er, „doch wenn Sie grade Werth darauf legen würden, so könnte ich noch eine Viertelstunde verweilen." „So bleiben Sie," sprach Sie bittend, „ich wünschte Ihnen mitzuthcilen, was — was —" Ohne ein Wort zu erwidern, legte er seinen Hut nieder, zog einen Sessel näher zum Kanapee und setzte sich ihr gegenüber, schweigend erwartend, daß sie beginnen werde. Ihr Athem ging noch immer rascher, doch sie sprach ziemlich ruhig, nur ihre Stimme war ein wenig belegt und hin und wieder verrieth ein leichtes Bibriren derselben den Nachhall mächtiger Erschütterung. Sic Hub au: „Sie sind mein bester, oder richtiger gesagt, mein einziger Freund und Sie wissen nicht einmal, wo ich geboren bin, kennen nicht meinen Mädchennamen. — Sie haben nie danach gefragt — vermuthlich, weil sie wußten, wo mein seliger Gatte mich gefunden, und daher wähnen mochten, ich hätte meiner Abkunft mich zu schämen. — Dem ist jedoch nicht so, der Name meiner Eltern ist Gottlob makellos. — Mein Vater hieß Jakob Rosenhein, war Besitzer der Branntweinbrennerei in dem Dorfe P.... in V.Meine Eltern müssen nicht unvermögend gewesen sein, wir hatten Knechte und Mägde, unsere Wohnung war überaus freundlich — das schöne, schmucke, rebenumrankte Haus, o wie oft habe ich mich dorthin zurückgesehnt. — Ich war das . einzige Kind meiner Eltern, ihr verhätscheltes Idol. — Mein Vater jubelte, wenn einer der Knechte mich auf den Ackergaul hob und ich furchtlos mich von dem zahmen Thiere durch unsere Felder ttagen ließ; meine Mutter schien überglücklich, wenn ich mit heiler Haut von diesen Ansflügen heimgekommen war. — Daß wir Juden,