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Der Israelit · 1885-12-07 · Heft 95 (7.12.1885) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 95 (7.12.1885)
Date
1885-12-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1623 schlaue Coup der Sozialisten wird aber nach der nunmehr crlaffeneu kaiserlichen Botschaft nichts mehr nützen, hingegen wird im preußischen Abgcordnctenhause der Kampf umso heißer entbrennen, und dann werden ja auch die Herren von der Negierung Gelegenheit finden, die Frage zu beantworten, ob die ansgewiesenen jüdischen Kaufleute in Berlin, Danzig, Königsberg u. s. w., und die jüdischen Handelsleute in den östlichen Provinzen zu den staatsgefährlichen Elementen zu rechnen sind, welche die Wohlfahrt des Reiches gefährden." Berlin, 3. Dez. Am 4. Januar des nächsten Jahres wird die Welt die hundertste Wiederkehr des Todestages Moses Mcndelssohn's feiern, und auch das ge setze streue Judenthum hat, wenn irgend Jemand, Veranlassung, diesen Gedenktag eines seiner treuesten Söhne festlich zu begehen. Die Hanptfeicrlichkcit wird in Dessau, dem Geburtsorte des jüdischen Weltweiscn, vor sich gehen; die Hauptpunkte des Programms bilden Gottesdienst, Festrede und Theatervorstellung (!!) Während dieses geschmackvolle Programm uns weiter nichts angeht, trifft aus Dessau die seltsame Nachricht ein, daß daselbst ein Eomite zusammengetreten ist, um Moses Mendelsohn ein Denkmal zu errichten. Die Herren wollen einen öffentlichen Aufruf erlassen. Gegen diese unjüdische Nachäffnug fremder Sitte muß von Vornherein im Namen des ge setz cs treuen Jndenrhnms energisch Protest eingelegt werden. „Man setze den Frommen keine Denkmäler; ihre Worte und Thatcn sind ihr Andenken." Einen Mendelsohn, dessen Lehren als ein heiliges Vermächtnis; seit einem Jahrhundert in allen Herzen fortlcben und weitcrwirkcn, in Stein auszuhauen, — der Gedanke ist köstlich und verdient prämiirt zu werden: Habt Ihr zu viel Geld, so richtet damit die Gebeugten auf, helfet den Armen, stillet die Thränen der Wittwen und Waisen! Wollet Ihr Mendelssohns Andenken ehren, so begründet wohlthätige Stiftungen, rufet nützliche, humanitäre Institute in's Leben! Begierig sind wir. welcher Rabbiner seinen Namen nutet den Aufruf setzen wird. Das Geld wird ja vielleicht von den evangelischen Christen und, den Reformern zusammcngebracht werden, von gesetzestreuer Seite wird kein Pfennig dazn gegeben. Wir werden würdiger das Andenken unseres Meiidelssohn's feiern. Hamburg, im Kislew. Am 24. Marcheschwan starb dahier nach kurzem Krankenlager Herr Dr. Jsaae Samuel Gotthold im Alter von 72 Jahren. Das überaus zahlreiche Trauergefolge bei fernem Leichenbegängnisse und die schon während seiner Krankheit vielseitig bekundete Theilnahme legten beredtes Zeugnis; davon ab, daß wir in dem Entschlafenen, welcher ein treuer Mitkämpfer der echt jüdischen Wahrheit gewesen, einen schweren Verlust erlitten. Ein Schüler des hochberühmten Würzburger Rabbiners, R. Abraham Bing b"pi», wirkte er segensvoll als Jugcndlehrer in Würzburg, Altona- Fricdrichsstadt und Hamburg. In der mühevollen Stellung als Vorsteher des hiesigen jüdischen Waisenhauses, die er vor einigen Jahren aus Händen gab, gelang cs ihm, das Herz der Kinder sich geneigt zu machen und den jüdischen Geist in diesem Hause zu erhalten. In echtem Mitgefühl für seine leidenden Ncbcnmcnschen unterzog er sich gern und mit unermüdlichem Eifer dem Amte eines Vorstehers der rmctMsi D’!?in -npa p"n, der anipn nenn p"n, des israelitischen Vereins für Gebrechliche, und war als Mitbegründer des r>'2 2pjr und als d’hsiw* bv h*ui w"Drm anp 2";mn cbmy pn"jn d’bt© im Interesse von px bar\ur bis au seine letzten Lebenslage in anstrengender Weise thätig. Für seine echte Frömmigkeit spricht aber insbesondere die Thatsache, daß er seine Kinder zu religiösen Juden und Jüdinnen zu erziehen verstanden hat. n"3'W'n Ocstcrr.-Ungar. Monarchie. Wien, 26. November. Bor einem Jahre erschien eine Broschüre: „Sollen die Juden Christen werden?" von Isidor Singer. Sic hatte die Form einer Streitschrift gegen den Antisemitismus, von welcher der Angeklagte, Herr Pernerst or fer, heute bemerkte, sie vertrete weder die Ansichten der orthodoxen Inden, noch die der Reformjuden, noch derjenigen Inden, welche sich mit dem Christenthume amalgamircn wollen, sondern einzig und allein die Meinung des Herrn Isidor Singer. Ueber diese Broschüre schrieb Herr Joseph Winter in der von Herrn EngelbertPernerstorfer heransgegtbencn Zeitschrift „Deutsche Worte" zwei Artikel unter dem Titel „Ein neuer Literatur-Schädling". In denselben führte Herr Winter aus, das; sich Herr Singer crasser Widersprüche schuldig mache, indem er die Inden bald als eine Nation, bald wieder nur als eine Religions-Genossenschaft darstelle. Er kritisirte dessen Styl, in welchem der Sprache rohe Gewalt angethan werde, und beschuldigte ihn unvollständiger Eitatc. Er hob endlich hervor, daß auf Veranlassung Singers in einer Zeitung eine Notitz erschienen sei, in welcher als Absender von Anerkennungsschreiben an denselben auch einige hervorragende Personen genannt wurden, welche in Wahrheit Herrn Singer nur höflich für die Neber-

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