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Der Israelit · 1885-12-07 · Heft 95 (7.12.1885) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 95 (7.12.1885)
Date
1885-12-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1622 gende: Wenn der Gottesname nicht bei jedem der großen Stammväter wiederholt würde, so könnte man meinen, daß Jizchak und Jakob nicht aus eigener Erforschung Gott erkannt, sondern daß Jizchak sich damit begnügt hätte, Gott zu verehren, wie ihm von seinem Vater Abraham gelehrt worden, und ebenso Jakob, wie er die Lehre von Jizchak empfangen. Da aber der Gottesnanie mit jedem Einzelnen von ihnen verbunden wird, so lernen wir daraus, daß auch Jizchak und Jakob, ein jeder aus eigener Forschung Gott erkannt und demgemäß verehrt hat. Es bedarf daher der Erklärung, warum Jakob Opfer darbringt dem Gotte seines Vaters Jizchak, warum es nicht vielmehr heißt: Und er opferte Opfer seinem Gotte. Wieder Andere finden die Schwierigkeit darin, daß Jakob an Jizchak anknüpft und nicht an Abraham, da Abraham doch der Erste war, der den einzigen Gott erkannt und Seinen heiligen Namen verkündet hatte. Wir dürfen wohl annehmen, daß Rabbi Josua ben Lew! alle drei Fragen aufgeworfen und deren Beantwortung gewünscht hat. ' Rabbi Jehuda ben Pediah und Nabbi Jochanan hatten aber die zum dritten von uns erwähnte Schwierigkeit in's Auge gefaßt mtb beantwortet, während in der Erklärung des Nesch Lakisch alle drei Fragen beantwortet werden. Wir wollen das in Folgendem näher ansführen. Nabbi Jehudah ben Pediah sagte: Wenn der Lehrer im Lehrhanse sitzt, und seine Schüler sitzen vor ihm, so trifft der Eiutretende zuerst auf die Schüler und dann erst auf den Lehrer. Da ist es seine Pflicht, zuerst die Schüler zu grüßen. So Jakob; Jizchak, wiewohl Abrahams Schüler, war ihm der nächste, und deßhalb brachte er Opfer dar dem Gotte seines Vaters Jizchak. — Diese Antwort genügte dem Fragenden nicht; er richtete daher dieselbe Frage in Liberias an Nabbi Jochanan. Dieser faßte allerdings auch nur die eine Seite derselben auf, drang aber tiefer in das Wesen der Frage ein. Einst fragte ein Schüler seinen Lehrer: wem er mehr Ehrerbietung schulde, dem Vater oder der Mutter. Die Antwort lautete dahin, daß, wenn auch im Allgemeinen Vater und Mutter die gleiche Ehrerbietung von dem Sohne zu beanspruchen haben, dem Vater jedoch deßhalb der Vorzug gebühre, weil sowohl die Mutter wie der Sohn verpflichtet sind, jene dem Gatten und dieser dem Vater zu gehorchen. Stellen wir nun dieselbe Frage in Bezug auf das Verhättniß zu Vater und Großvater, so sollte man meinen, daß der Sohn verpflichtet sei, den Großvater mehr zn ehren als den Vater, da ja Beide, Later und Sohn, dem Großvater Ehrerbietung schuldig sind. Von diesem Standpunkte faßte Rabbi Jochanan die Frage des Nabbi Josua auf. Jakob hätte dem Abraham die Ehre erweisen sollen, da sowohl er wie Jizchak den Abraham zu ehren verpflichtet waren, llnd da belehrt uns Nabbi Jochanan, daß dieser Schluß nicht richtig ist, daß die Ehrerbietung in erster Linie dem Vater geschuldet wird, und erst in zweiter Linie dem Großvater; denn die Ehrerbietung gegen den Vater ist ein direktes Gebot Gottes, und die Ehrfurcht vor dem Großvater ist eine Folge dieses Gebotes. Wenn nun auch durch diese Erklärung des Rabbi Jochanan die eine Schwierigkeit in dem'in Rede stehenden Verse vollkommen gehoben ist, so bleiben doch noch die zwei andern von uns oben erwähnten zu lösen, und wie Nesch Lakisch das in wunderbarer Tiefe gethan, das wollen wir, f. G. w., im nächsten Kapitel erörtern. (Fortsetzung folgt.) Zeitnngsnachrichten und Correspondenzcu. Deutschland. Berlin, 2. Dezember. Die auf die Tagesordnung der gestrigen Reichstagssitzung gesetzte Interpellation polnischer Abgeordneten betr. der A u s w e i.s u n g österreichischer und russischer Staatsangehöriger hat bekanntlich einen unerwarteten Abschluß dadurch gefunden, das; Fürst Bismark in einer kaiserlichen Botschaft erklärte, der Reichstag habe zur Stellung dieser Interpellation kein Recht, und die Regierung würde sich an einer eventuellen Debatte nicht betheiligen. Weiter erklärte der Reichskanzler, wenn eine reichsfeindliche Partei, wie die Sozialisten, Welfen und Polen allein, die Interpellation an die Staatsregierung gerichtet hätte, so würde er einen Protest der preußischen Krone für nnuöthig gehalten haben, der Protest müsse aber erhoben werden, nachdem die Eentrnmspartei die Interpellation unterstützt hätte. In Folge dieser Auslassungen des Fürsten Bismark hat die Fraktion der Sozialdemokraten bcschloflen, eine zweite Interpellation betreffs der Maffenausweisnngen allein zu richten. Der Antrag lautet: „Der Reichstag wolle beschließen: In Erwägung, daß die Masse nausw eisu ngen von russischen und österreichischen Staatsangehörigen polnischer und russischer Nation geeignet sind, völkerrechtliche Verwickelungen mit dem Auslände herbcizuführen — in Erwägung n. s. w. den Reichskanzler zn ersuche», die nöthigen Schritte zu thnn, damit jene die Interessen wie die Ehre des deutschen Volkes gleich schwerschädigende Maßregel alsbald rückgängig gemacht werde." Dieser

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