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Der Israelit · 1885-12-03 · Heft 94 (3.12.1885) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 94 (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1608 Opfer verbunden werden *). Die Libation des Weines auf dem Altäre bildete den feierlichsten Moment der Opferhandlung, und mit ihr war auch die Gesangs- und Musikproduktion der Lewiten verbunden pvi by nVn rm? dudix p». Ein besonderer Tempclbeamter hatte die Aufsicht über den Opferwein, der in kleinen, nicht ganz gefüllten Fäßchen — eigentlich Thon trügen — aufbewahrt wurde, damit sich dessen Aroma nicht verflüchtige. Beim Abzapfen desselben durfte nicht gesprochen werden, weil „das Reden den Wein verschlechtere." Der Wein wurde in eine eingemanerte Schale an der südwestlichen Ecke des Altares gegossen, welche durch Oeffnungen — prvtp genannt — ihren Abfluß bis in eine am Grund des Ältares ausgemauerte Höhlung hatte, von wo der zu festen Klumpen vertrocknete Wein alle siebzig Jahre heraufgeholt und verbrannt wurde. Mit dem Aufhören der Weinopfer, sagen unsere Weisen, hat der Boden Palästina's seine Fruchtbarkeit, haben die Früchte des Landes ihren süßen Geschmack verloren. Auch zum Räucherwerk winde Wein von Kypros**), wenn auch nur zur Herstellung einer Räucherspeckes, verwendet. Mit der Zerstörung des Tempels und dem Aufhören der Gußopfer ist der Wein ans dem jüdischen Kultus nicht geschwunden. Beim Eingang und Ausgang des Sabbat, ebenso nach beendetem Mahle, werden die Segenssprüche über einen Becher Weines gesprochen, welcher nro bw du genannt wird. Nach einer uralten Sitte, welche nach dem Talmud bereits von den Engeln, die bei Abraham zu Gast waren, geübt wurde, wurde der Becher, über den das Tischgebet gesprochen wurde, der Frau des Hauses gereicht, weil das Trinken von demselben als besonders segenbringend galt, wobei der Redner auch erwähnte, daß die gelehrte Frau des Nab Nachmann, Jaletha, es einem Gaste sehr verübelte und mit Schimpfworten lohnte, daß er die Uebung dieser Sitte außer Acht ließ. Ein Sadduzäer, der bei Rabbi zu Gast war, wollte auf das Anrecht an den nro bv du, worauf er als Gast Anspruch machen konnte, nicht einmal gegen ein Entgeld von vierzig Goldgnlden verzichten- und seitdem galt das Sprüchwort: Der nro du ist vierzig Gulden werth. Bei der religiösen Disputation, die sich bei diesem Mahle entspann und bei der der Sadduzäer *) Dies gilt nicht ohne Einschränkung, denn.aiwn rucn noci "wxs loa hatten keine aooj. Siehe Maunonides nwya mnipn II, 3. . D. E. **) Anmerkung der Red aktiv»: Da3 steht nicht so fest, yvrvpy' soll, nach einer anderen Erklärung, einen aus Kapern bereiteter Säst bedeuten. Diese letztere Deutung ist aus vielen Gründen der rrstcren, daß es näm'.ich Eyper-Wcin gewesen, vorzuziehen. den Kürzeren zog und die Antwort schuldig bleiben mußte, erbat sich derselbe eine Bedenkzeit von drei Tagen, um auf eine Antwort zu sinnen. Als er diese nach dieser Frist nicht fand, machte er aus Scham und Aerger darüber seinem Leben ein Ende, indem er auf's Dach stieg und sich von da hinunterstürzte. Heute, bemerkte der Redner, steigt man in ähnlicher Situation nicht einmal vom Katheder hinab, man begllügt sich einfach, eine angestrengte Beleidigungsklage zurückzuziehen. Der Redner verbreitete sich dann des Weiteren über die vier Weinbecher an den beiden Peßachabenden und über deren Symbolik, und über die Gründe, warum man vorzugsweise rothen Wein an diesen Abenden zu nehmen pflegte. Auch bei den drei wichtigsten Momenten im Leben eines jefceit Israeliten gelangt der Wein zur Verwendung. Bei der Aufnahme des Israeliten in den Bund Abrahams, bei seinem Eintritt in den Ehebund und bei seinem Scheiden von der Welt, indem an manchen Orten der Kopf der Leiche mit Wein gewaschen wird. Den Leidtragenden wird der „Becher des Trostes" pnirun bm du gereicht, dessen schon beim Propheten Jirimijahu Erwähnung geschieht. Nach dem Talmud ist der Wein nur geschaffen, um die Trauernden zu trösten und die Unglücklichen ihr Unglück vergessen zu machen. Dem zum Tode Verurtheilten wurde vor seiner Hinrichtung ein starker Würzwein zum Trinken gegeben, damit er in Folge der eingetretenen Betäubung „die Angst des Todes" nicht empfinde. Diesen Zweck hatte auch der mit Myrrhe vermischte Wein, der dem Stifter der christlichen Religion nach dem Bericht der Evangelien vor seinem Tode gereicht wurde. Es war dies nicht, wie es dort dargesteüt wird, ein Akt der Grausamkeit, sondern ein Akt der Humanität. Der Redner hatte bereits anderthalb Stunden über den Inhalt der bisher, versuchten Skizzinmg, von der positiven Seite des Weines, d. h. von den Fällen, wo der Genuß des Weines geboten ist, gesprochen, als er sich der negativen Seite, den Vorschriften über Enthaltung vom Weine, Nasiräergelübden u. dgl. in der Kürze zuwendete. Er wies darauf hin, daß die Thora viele Vorschriften über den Genuß des Weines, aber nur ein Gesetz über die Enthaltsamkeit vom Weine kennt, und auch diese sei nicht geboten, sondern nur dem freien Ermessen des Menschen anheimgestellt. Er schilderte sodann den Nasiräerorden, aus denl die Sekte der Essäer sich entwickelte, welche wieder ihrerseits das Christenthum aus ihrem Schoße gebar. Er kam dann noch auf die Verherrlichung des Weines von jüdischer Seite zu sprechen, auf die von Mittelalter-

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