Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 94 (3.12.1885)
- Date
- 1885-12-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1606 Juden Palästina's, der Euphratländer und Spaniens und das reiche Geistesleben, das die Juden in jener Periode in jedem einzelnen dieser Länder entwickelt haben. In ersterem Lande war nach der Zerstörung des Tempels und nachdem auch der unter Bar Kochba unternommene Versuch, die politische Selbstständigkeit wiederzugewinnen, mit dem Untergange Bethar's schrecklich geendet war, eine friedlichere Zeit für die Juden eingetreten. Sephoris und Liberias waren neue Mittelpunkte des jüdischen Geisteslebens geworden. Mit Konstantin und seinen Nachfolgern trat jedoch hier eine Aenderung ein; die rechtliche Stellung der Inden wurde ihnen verkümniert, ihre Religionsübung gestört, das Patriarchat, der einzige Abglanz der alten Selbstständigkeit, aufgehoben und endlich durch Jnstinian's Gesetzgebung die Zeugnißunfähigkeit der Juden ausgesprochen. Redner führt weiter aus, wie die Juden im Kampfe zwischen dem byzantinischen Kaiser Heraklius und Chosroes von Persien sich auf Seite des Letzteren stellten und ihm zum Besitze Palästina's verhalfen. Chosroes aber hielt die eingegangenen Verpflichtungen nicht, und die Juden schlossen sich jetzt dem Heraklius an, der ihnen volle Amnestie zuschwnr. Aber als er nun mit Hilfe der Juden Jerusalem erobert hatte, beschworen ihn die Mönche, dieses sein Versprechen nicht zu halten, und sie boten ihm an,, um all' seine Gewissensbedenken zu beschwichtigen, sich in Zukunft in der ersten Fastenwoche auch der Milchspeisen zu enthalten. Heraklius ging hierauf ein und die grausamsten Verfolgungen wurden jetzt über die palästinensischen Juden verhängt. In dieser Lage traf sie der Einfall der Araber. Omar, der damalige Kalif, war durchaus kein Juden freund, die beschränkenden Bestimmungen Muhameds waren von ihm noch vermehrt worden; aber, daß den Juden überhaupt der Aufenthalt gestattet wurde, war eine Gnade, für die sie dem Himmel nicht dankbar genug sein konnten. Wenn auch Jerusalem ihnen vorläufig verschlossen blieb, so entfaltete sich im Norden ein reges, geistiges Leben, und auch von jenen beschränkenden Bestimmungen Omars geriethen im Laufe der Zeit viele in Vergessenheit und wurden nur unter einzelnen fanatischen Kalifen wieder hervorgesucht. — Noch glücklicher gestaltete sich die Lage der babylonischen Juden unter der Kalifenherrschaft. Zuerst von Ncbukadnezar nach Babylon geführt, hatten die Juden sich in diesem fruchtbaren Lande, das sie auf's Fleißigste bearbeitet zu hohem Wohlstände aufgeschwungen und dabei treu an dem väterlichen Glauben festgehalten. Vierhundert Jahre vor dem Auftreten Muhameds waren dann in Babylonien jene Hochschulen entstanden, in welchen sich, besonders seit dem Verfall der palästinensischen, das Geistesleben Israels concentrirte, „und hier hatte der jüdische Geist jenes Riesenwerk des babylonischen Talnmd vollendet, das Bollwerk, hinter welchem das jüdische Volk in den finsteren Jahrhunderten der Verfolgung und des Leidens Schutz fand vor jenem Feinde, der gefährlicher gewesen wäre, als alles äußere Leid, vor der innerlichen Versumpfung und Erschlaffung." Die Juden hatten unter dem milden Scepter der parthischen und der ihnen folgenden persischen Könige Frieden und Sicherheit. Im Laufe der Zeit aber änderte sich Dieses. Schwärmerische Sekten, die innerhalb des Parsismus entstanden, und dann auch das officielle Magierthum nahmen eine den Juden feindliche Stellung ein, die schließlich zu wiederholten blutigen Verfolgungen führte. Ein Aufstand der Juden unter Mar Sutra wurde niedergeworfen, und nach einer kurzen Zeit des Glückes unter Chosroes I. wiederholten sich dann, gerade in der Zeit, wo der Islam sich in Arabien ausbreitete, die Verfolgungen, so daß die eindringenden Araber als Netter begrüßt worden. Bei dem tapfer« Widerstande, den die Perser den Arabern leisteten, wußten dieselben die Bedeutung welche die Beihilfe der Juden für sie haben komtte, vollkommen zu würdigen. Sie bestätigten den Juden alle Rechte, die ihnen von den müdesten persischen Königen eiugeräumt waren, und ihr Oberhaupt, der Exilarch Bostanai (der der» Lesern dieses Blattes aus der trefflichen Erzählung dieses Titels bekannt sein wird) erhielt von Omar die Tochter des persischen Königs, die in arabische Gefangenschaft gerathen war, als Sklavin geschenkt, der er alsdann die Freiheit gab und sie, nachdem sie Jüdin geworden, zu seiner Gemahlin erhob. Die Verfassung der babylonischen Juden gestaltete sich nun so, daß der Resch Gelutha als politisches Oberhaupt an ihrer Spitze stand, dem Kalifen für den richtigen Eingang der Steuern verantwortlich und nach innen hin die Richter einsetzend oder bestätigend. Daneben aber bestanden die zwei Jeschiboth in Sura und Pumpaditha, zugleich Hochschulen, Akademien und oberste Gerichtshöfe, deren Entscheidungen in allen Fällen des religiösen und des bürgerlichen Rechtslebens nicht allein von den Juden Babylons, sondern von denen der ganzen Erde eingeholt und anerkannt wurden und deren Vorsteher, die Geonim, sich der höchsten Ehre erfreuten. Auch in Nordafrika, wohin dann später die Waffen der Araber drangen, hatten sie eine snrdie Juden