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Der Israelit · 1885-12-03 · Heft 94 (3.12.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 94 (3.12.1885)
Date
1885-12-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1601 über eine solche Bauernfängerei; allein uns könnte dies Gebühren ganz recht fein, wenn das Judenthum bei den anderen Religionen nicht in ein so häßliches Licht dadurch gestellt würde. Die Erledigung dieser Frage im Sinne der Confercnz wäre ein großer Nagel zum Sarge ihrer Bestrebungen, und aus diesem Grunde wäre die Annahme zu begrüßen. So wäre ich denn am Ende meiner Betrachtungen über die Pittsburger Eonferenz angclangt und cs erübrigt mir nur noch, die Aufnahme zu schildern, welche das Treiben der Leute hier zu Lande gefunden hat. Doch dazu war bisher die Zeit zu kurz; die Meinungen über dieselbe tvcrdcn erst nach und nach sich verlautbar machen und behalte ich mir vor, in einem zweiten Artikel solche zu beleuchten. Pflicht aller Gegner dieser Gesellschaft, ob orthodox oder nicht ganz auf diesem Boden stehend, wäre cs, anläßlich dieses gefährlichen Treibens znsammenzustehen und dem Ehaos, das man in Pittsburg zu schaffen suchte, vorzubcugen. Jedenfalls ist aus den bis jetzt laut gewordenen Mitthcilnugen aus dein Publikum zu entnehmen, daß bei dem großen Thcil desselben dem Herrn Wise und seinen Freunden das Missiouswcrk sehr schwer werden dürfte. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzcn. Deutschland. Frankfurt a. M., 30. November. Gestatten Sic mir. Ihnen, wenn auch verspätet, von dem Hinschcidcn einer edlen, frommen Frau zu berichten. Frau Sara Niederhofheim y":, die Gemahlin des in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannten Herrn Benjamin N i e d e r h o s h e i m y's"i, ist ihrem theucrn Gatten, ungefähr 8 Monate nach dessen Ableben, in die Ewigkeit nachgcfolgt. Durch den Tod ihres ältesten Sohnes, des Herrn Wolfgang Niederhofheim, worüber seiner Zeit in diesen Blättern berichtet wurde, tief erschüttert, suchte sie sich um des geliebten Gatten willen gewaltsam aufrecht zu erhalten. Als aber auch dieser nach kaum Jahresfrist abberufcu wurde, verfiel sie in eine schwere Krankheit, von der sic sich nicht mehr erholen sollte. Die Verewigte war eine b'n nm, im wahrsten Sinne des Wortes, eine treue Gchülsin ihres Mannes, stets beglückt durch dessen großartige Thätigkeit in Bezug auf rwsoi min, eine zärtliche Mutter, deren vorzüglichstes Streben es war, ihre zahlreichen Kinder in Tugend und Frömmigkeit zu erziehen. Von großen Ahnen stammendwir nennen nur den berühmten Chaßid Rabbi Löb Emmerich y'p'V's": — lebte und wirkte sic stets im Sinne und Geiste derselben. Möge sie im Jenseits den reichen Lohn finden, den der allgütige Gott Seinen Frommen verheißen. Frankfurt a. M. Die Verwaltung der Stiftung für gebrechliche und verwahrloste Kinder zu Frankfurt a. M. erstattet nach vierjährigem Bestehen der Stiftung einen Rechenschaftsbericht. Außer den Gründnngsgaben von je 3000 M. von den A. v. Rciuach'schcn Erben und Herrn Adolf L. A. Hahn liefen an Spenden M. 2264.7.',, an Jahresbeiträgen pro 1884 und 1885 M. 550 nnd an Zinsen M. 1173.28 ein. Die Ausgaben betrugen für 2 stotternde, 2 gebrechliche, 2 halbidiotischc, 1 idiotischen nnd 1 taubstummen Knaben, sowie ein epileptisches, in idiotisches, ein gebrechliches und ein taubstummes Mäbchen M. 2510.40. Es bleibt also am 1. November ein Saldo von M. 1477.63. Aus Mangel an größeren Einnahmen mußte ein Thcil der dringlichen Anmeldungen ganz abgewiesen werden, und auch den erwähnten 12 Kindern konnte nur in unzureichendem Maße Unterstützung gewährt werden. Die Verwaltung ersucht deshalb um weitere Gaben, um ihrer Aufgabe, „armen, unglücklichen Geschöpfen durch spezielle erziehliche Behandlung nnd durch kräftige gesunde Pflege zu einem menschenwürdigen Dasein zu verhelfen, siic zu erwerbsfähigen nnd nützlichen Gliedern der Gesellschaft hcranznbildcn", einigermaßen gerecht werden zu können. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 1. Dez. Nach mehrwöchentlicher Debatte gelangte heute im Gcmcindcrathe die Gasfrage, welche lebhafte Agitationen hervorrief, zur Entscheidung. Der Antrag der Kommission auf Kündigung des Gasvertrages mit der englischen Gesellschaft wurde mit 71 gegen 38 Stimmen abgelchnt. Heber den Antrag der Linken, den Bürgermeister, weil derselbe mit der englischen Gesellschaft sich in eine Verhandlung wegen Gewährung von Begünstigungen eingelassen, in Anklagestand zu versetzen, wurde mit 80 gegen 26 Stimmen zur Tagesordnung übergegangen. Das Publikum auf den Gallcrien, wo die Feuerwehr Wache hielt, benahm sich ziemlich ruhig; dagegen cxzedirte vor dem Rathhans der von den Antisemiten onfgebotenc Mob, welcher „Nieder mit den Juden! — nieder mit den Judenknechten!" schrie. Ein Antisemitensührer beantragte die Absendnng einer Deputation an den Grafen Taaffe, weil angeblich die Oeffentlichkeit der Verhandlungen des Gemeindcrathes beschränkt werde, fand jedoch keine Zustimmung. Die berittene Sicherheitswache versprengte endlich die demonstrirende Menge. Wien. (Eine Sonntagsfcene im Bnrgtheater.) Auch das Bnrgtheater, unsere vornehmste deutsche Kunststätte, hat bekanntlich ein treues Sonntags-

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