Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 94 (3.12.1885)
- Date
- 1885-12-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1600 Voll, rcsp. ihre Anhänger für schrecklich dumm, | oder fic haben sich in dem babylonischen Wirrwarr I ihrer täglich wechselnden Doktrinen so . weit verrannt, das; sie selbst nicht mehr wissen, was sie wollen. Sie erblicken in der Bibel das mächtigste Werkzeug religiöser und moralischer Unterweisung, verwerfen aber diejenigen Vorschriften, welche sich den Ansichten »nd Gewohnheiten moderner Eivilisation nicht anpassen. Sie erblicken in der mosaischen Gesetzgebung ein System der Erziehung für das jüdische Volk, halten solche aber doch nicht, weil sie nicht unter dem Einfluß von Begriffen entstanden sind, welche unserem gegenwärtigen geistigen und religiösen Zustand fremd sind. Sie halten dafür, das; das Jndcnthum die höchste Auffassung der GottcSidcc vertritt; sie sehen das Herannahen der Erfüllung Israels hoher messianischer Hoffnung, wollen sich aber nicht länger als eine Nation betrachten und so fort. Es muß ein Mensch sicher sich schon zu der Höhe dieser Geister cmporgeschwungcn haben, wenn er in diesen Sätzen nicht die schärfsten Widersprüche erkennt, und wenn er glaubt, bei den hier dargclegten Doktrinen noch ans dem Boden des Indcnthnms zu stehen. „Sie sind überzeugt von der dringenden Notwendigkeit, die historische Identität mit unserer großen Vergangenheit aufrecht zu erhalten," ohne das; sie etwas Anderes von dem überkommenen Glauben unserer Väter, ohne das; sie von der Tradition mehr halten, als dasjenige, was nöthig ist, um sich in ihren Stellen behaupten zu können. Der ehemalige Rabbinatskandidat Dr. Felix Adler in Ncw-Aork war ehrlich genug, einznseheu, das; er bei seinen Ansichten kein Rabbiner sein konnte, und er hält jetzt freiwillige Vorträge; hohler, Hirsch, Hahn u. s. w. glauben keinen Deut mehr ols Adler, und doch fahren Sie fort, Lehrer des Judenthums zu sein. Hinweg von den usurpirteu Plätzen, wird und muß das Losungswort aller Inden, die noch einigermaßen an der Religion hängen, sein; hinweg mit den Phrasenhelden, die nichts als leere Worte und schwülstige Redensarten zur Vcrtheidignng ihres Standpunktes finden. Auch ans das sociale Gebiet spielen sie sich hinüber, und hier zeigt sich das heuchlerische Demagogenthum in seinem vollsten Lichte. Die Herren, die nichts weiter thnn, als einige Predigten zu halten nnd den Kindern etwas von ihrer Religion beizubringen, posaunen in die Welt hinaus, daß sie dazu berufen sind, an der großen Aufgabe moderner Zeit mitzuarbeiten, welche eine Lösung für die Probleme sucht, die durch die Kontraste und Nebel der gegenwärtigen Organisation der Gesellschaft entstanden sind. Was die größte» Männer des Jahrhunderts nicht vermochten, das glauben Hahn, Köhler, Hirsch, Schindler, Wise, Sonnenschein u. s. w. fertig zu bringen. Der Schlußsatz des Ganzen gibt die Herren erst recht der Lächerlichkeit Preis, und wen» unter den christlichen Mitbürgern sich vielleicht Mancher gefunden, der ihre Bestrebungen günstig ausgenommen hätte; der letzte Satz hat ihn belehrt, daß es den Herren nicht in« Ernst zu thnn ist, daß vielmehr Herrschsucht und Größenwahn mit zu den Triebfedern ihres Thuns gehören. Mit diesen Resolutionen waren aber die Herren noch nicht zufrieden; cs mußte doch etwas Absolutes sogleich geschaffen werden nnd da sollte nun die Verlegung des Sabbat herhalten. Allein die „Vettern vom Lande" scheinen da nicht recht gezogen zn haben und so hat man denn empfohlen, an den Plätzen, wo das Bedürfniß vorliegt, den Sonntaflsgottesdienst einzuführen, nebenbei aber doch den historischen Sabbat als Symbol der Einheit des Indcnthnms beizubehalten. Sehr gnädig von den Herren, daß sie den Sabbat nicht ganz zerstören; ihr Wille wäre schon da, aber sie können bis jetzt nicht. Sie werden aber schon bestrebt sein, die Verlegung des Sabbat auf Sonntag zn betreiben und mit der Zeit auch dies durchznfiihren suchen. Rur zu; es ist immerhin besser, die Leute ruknire» sich selbst, als daß Andere sie stürzen müssen. Denn das; die Herren jetzt allmählich ihrem Ende näher kommen, sieht Jeder wohl ein; für solche „Religionslehrer" wird sich bald jcoc Gemeinde bedanken. Wie oben gesagt, das geöffnete Visir zeigt eine zn häßliche Erscheinung. Ein weiterer Punkt, der den Herren sehr schwer im Magen zu liegen scheint, ist die rfr'c; daran ist natürlich am Schwersten zu rütteln und so suchten die „Baalspropheten" auf Umwegen an dieselbe heranzukommen. Ein Eomitö, aus den Herren Hirsch, Hahn, Wise, Sale und Sonnenschein wurde ernannt, das bis zur nächstjährigen Conferenz darüber Bericht erstatten soll, „ob Proselyten ohne den Ritus der Beschneidung in's Judenthum ausgenommen werden sollen." Also auf diesem Wege wird der Kampf gegen die nb’c geführt und da suchen die Herren gleich 2 Fliegen mit einer Klappe zu tödten. Nichts ist dem Judenthum fremder, als die Proselytenmacherei, und das ist es eben, was dasselbe bisher bei anderen Völkern im besten Lichte auch von dieser Seite erscheinen ließ. Die Herren brauchen aber mehr Schafe; im Judenthum schwindet die Zahl ihrer Anhänger, und da sollen mm auf leichte Weise Nichtjuden zum Eintritt in's Judenthnm bewogen werden. Schimpf und Schande