Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 93 (30.11.1885)
- Date
- 1885-11-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1590 « Arbeiten, während 40 Wärterinnen und 12 Wärter für den (Komfort und die Pflege der Patienten sorge», 50 andere Personen sind noch im Dienste des Hospitals; ein Beweis, daß für Alles auf's Hinreichendste gesorgt ist. Mit dem Hospitale ist eine Schule für Krankenwärterinnen verbunden; nach daselbst vollbrachten Stadien liaben die Betreffenden eine Zeitlang im Hospital thätig zu sein, worauf sic Diplome als Wärterinnen erhalten. Seit der Gründung dieser Institutionen hat sich die Zahl der tüchtigen Krankenwärterinnen Hierselbst bedeutend vermehrt; sicher kein kleiner Nutzen für das Publikum, das deren Dienste bedarf. Während des letzten Jahres haben 2400 Patienten das Hospital frcquentirt; seit dem Bestehen desselben, im Jahre 1850, mehr als 25,000. Die freie Dispensary, wo sich Jedermann stets unentgeltlich ärztlichen Rath erljole» kann, und die mit dem Hospitale znsammcnhängt, wurde von sajt 40,000 Menschen im letzten Jahre besucht. Eine solche Institution, wie das Monnt-Sinai- Hospital ist wahrlich eine wohlthätige und segensreiche zu nennen und es wäre nur zu wünschen, daß allenthalben den unbemittelten Leidenden solche Pflcgestätten zur Verfügung ständen. Wie mir ein Vorstandsmitglied versickerte, ginge es in der Küche -.2,2 zu; natürlich nicht so übertrieben, wie mir ein Anderer sagte. Doch das zu untersuchen ist nicht meine Sacke. Schließlich erwähne ich noch, daß eine nette kleine Synagoge im Hospital ist, wo ras? und v"' Gottesdienst stattfindet. °— Gestern starb dahier ein Mann, der früher einen der höchsten Nichtcrposten der Stadt New-Aork eingenommen hatte. Albert Cardozo, Viceprüsident des portugiesischen Tempels hierselbst, wurde bereits mit 28 Jahren von den Wählern der Stadt New-Z)ork mit einem hohen Richterposten betraut, den er jedoch 1872, als der auch in Europa bekannte Tweed (der große Gauner, der die ganze Verwaltung der Stadt New-Iork in seiner Hand zu halten wußte) von derHöhe seiner Macht herab in's Zuchthaus wunderte, wegen allzu großer Freundschaft mit demselben niederlegte. Man konnte E. nie etwas Unlauteresnachsagen, wenn er auch mit dem Manne sehr befreundet war, allein er trug des Volkes Stimme Rechnung und zog sich zurück. Seitdem war er Advokat und erfreute sich eines großen Rufes. Für jüdische Interessen hatte er ein warmes Herz; er zählte zu den eifrigen Mitgliedern der noch orthodoxen portugiesischen Gemeinde. Durch eine gerechte Entscheidung in seiner Stellung als Richter in Bezug ans Erziehung eines katholischen Kindes hatte er sich eine Ehrenbezeigung Seitens eines „katholischen College", den Titel eines Doktor, erworben; eine Ehre wie sie wohl selten einem Juden von einer katholischen Jnstitntion erzeigt wurde. Ich wollte diesmal über die Baltimorer Rabbinerconserenz schreiben; allein auf nächste Woche hat Dr. Köhler eine neue Rabbinerversammlnug nach Pittsburg berufen und da will ich denn beide znsammen eingehend beleuchten. Zeitungsnachrichten nnd Corresponden.zen. Deutschland. Berlin. Es war ausgefallen, daß der nm die Begründung von Arbeiterkolonien sehr verdiente Pastor v. B odelsch ingh sich zur Unterzeichnung eines Eirkulars Herbeigelagen hatte, in welchem n. A. die gehässige Stelle vorkam, daß Juden Arbeiterwohnnngen durch Spekulation anszubeuten suchen. Jetzt veröffentlicht der genannte Herr in der „N. Wests. Volksztg." eine Erklärung, in welcher er darlegt, daß er seine Unterschrift in dem bekannten Cirkular nur in großem Gedränge gegeben habe. Als schon 40 Exemplare des Eirkulars versandt worden waren, habe er seinen Fehler entdeckt und die betreffende Stelle unterdrückt. Herr von Bodelschwingh bemerkt zu dieser Stelle: „Dieselbe paßt um so weniger, da, so viel mir bekannt, auch eine Anzahl Inden sich mit freigebiger Hand an diesem wohltätigen Unternehmen betheiligt haben nnd dies gewiß auch ferner noch thun werden. Von meinem Standpunkte ans kann ich es nicht für billig achten, wenn eine solche Anklage in ihrer Allgemeinheit öffentlich ausgesprochen wird. Es muß ja bekannt werden, daß cs leider auch Christen giebt, die sich gleiche Ausnutzung der Armnth zu schulden kommen lassen." ES ist anzuerkennen, daß Herr von Bodelschwingh sein Versehen nachträglich in so loyaler Weise gut zu machen sucht. Frankfurt a. M., 26. Rovem.ber. Gestern erfolgte hier die Ausweisung eines jungen russischen Israeliten. Derselbe hielt sich seit längerer Zeit hier ans, um ein Handwerk zu erlernen. Noch am Abend wurde der allgemein beliebte 16jährige Jüngling durch den Verein zur Beschränkung des Wauderbcttels und wohlthätige Privatleute in den Stand gesetzt, Frankfurt zu verlassen, nnd nach England zu reisen, von wo er eventuell weiter befördert werden wird. i