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Der Israelit · 1885-11-30 · Heft 93 (30.11.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 93 (30.11.1885)
Date
1885-11-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1591 Schweiz. Gestatten Sic einem Abonnenten Ihres geschätzten Blattes im Interesse der Wahrheil und des guten Rufes der isr. Gemeinden der Mittclschwciz die Aufnahme nachfolgender Zeilen als Erwiderung auf die in Nr. 91 gebrachte Eorrcspondenz. JhrEorrespondent behauptet, daß in der Mittelschweiz „überall" eine Gleichgiltigkeit in religiöser Beziehung cingetreten sei; diese Behauptung beruht entweder auf Unkenntniß der wahren Verhältnisse oder ans tendenziöser Entstellung derselben. Schreiber dieser Zeilen kann nach bester Ueberzengung versichern, daß die religiösen Institutionen, wenn nicht überall so doch in den meisten, namentlich größeren Gemeinden geradezu mnstergiltige sind. Da sind Religionsschnlcn anzutreffen, in denen in althergebrachter Weise yV'n mN rnrjj pnp-n gelehrt wird, daß es jedem aufrichtigen 'wn' wahre Herzensfreude bereitet. Da werden noch n"n jep 2"' 'jyn ’jeh 'ern 'w die ganzen Tage gefastet, täglich zweircsp. im Sommer dreimal nasa rbzn verrichtet, daß, wenn cs der Leser selbst mitanzusehcn Gelegenheit hätte, er ganz gewiß vergessen würde, daß er sich in der von Ihrem Eorrcspcndcntcn mit Tadel überhäuften Schweiz befinde. Und wenn letzterer es begrüßt^ daß durch die Berufung eines ftrengreligiöscn Rabbiners „endlich" bessere Zustände herbeigeführt werden können, so kann ich den verehr!ichen Rabbiner nur beglückwünschen , daß ihm die Herbeiführung der gewünschten Zustände keinerlei Mühe bereiten wird. — Ein Entschuldigungsgrund für die pessimistischen Angaben Ihres Eorrcspondenten ließe sich wohl in seiner Mißstimmung ob der vor nicht langer Zeit in seiner (?) Gemeinde eingetrctenen und aus ganz äußerlichen Gründen fortdauernden Spaltung finden, aber da erinnere ich mich, daß ihm das Malheur der abfälligen Beurthcilung eben nicht zum erstenmal begegnet, und stieß letztere schon oft auf entschiedenen Widerspruch. Daß es irgendwo auf einem 210» einen jüdischen Metzger gibt, der iw mag richtig fein. Ebenso mag es wahr sein, daß irgendwo ein pitfrip “*r,D jin vorgenommen. Ob aber derselbe „obskur" zu nennen ist, weil er diesen Akt um „einige" Frk. vollzieht, während der Reformrabbi mit gewiß nicht mehr Weihe aber desto weniger Gewissenhaftigkeit, den gleichen Akt um deren „viele" vollbringt, das zu bcnrtheilcn überlasse ich jeden! denkenden Leser. Rach meiner unmaßgeblichen Meinung ist es gleich verwerflich, ob dieser Akt von einem Reformrabbiner, der kein nnrco pns lernen kann vollzogen wird, oder von einem ebensolchen ]\n. Ihr Herr Eorrespondent würde indes; bei einigem Wohlwollen gefunden haben können, daß cs unter denjenigen enn, die bisher Trauungen Vornahmen, cs auch solche gibt, die nicht blos einen rwc pns sondern auch ein Blatt n-wm recht gut lernen uno in Bezug auf D'ct? rwr mehr Zutrauen verdienen als mancher s. g. Rabbiner. Sollte aber Ihr Herr Eorrespondent mit seiner „Warnung" bezwecken lvollcn, angesichts der Rabbinercrncnnung den gerügten Uebelständcn abzuhelfen, so ist sie nach dem Sprüchwort 2^2 top runs in diesem Falle ebenso unnöthig als sie in andcrm Falle nutzlos wäre, indeni jene „Obskuranten" in erftcrem Falle ans Mangel an Gelegenheit es nicht mehr Ihn», in letzterem aber einzig wegen der Drohung Ihres Eorrcspcndcntcn ihr „Geschäft" nicht unterlassen würden. E u g l a n d. London, 26. Nov. In der gestern ftattgchabtcn Parlamcntswahl wurde der Banqnier Lioncl L. Eohen vom Bezirke Paddingtou mit großer Majorität als conservativer Vertreter gewählt. Herr Eohen ist einer der hervorragendsten Männer unserer Gemeinde, der sich durch seinen streng orthodoxen Lebenswandel und seine vielbcwährte Wohlthätigkeit um das Indcnthnm große Verdienste erwarb und als Vice-Präsidcnt im Concil der ttnitcd- Synagoge segensreich wirkt. — Mit großer Spannung sicht man dem Wahl-' resnltatc im Bezirke Tower — Hamlet (White- Cliaple) — entgegen. Genannter Stadttheil ist größtenthcils von unseren Glaubensgenossen bevölkert, indem sämmtliche hier domicilirenden polnischen O-ori' diesen Bezirk (East-end), woselbst die vielen ffciiieit Synagogen und nron etablirt sind und das Studium der heiligen Lehre noch nach dem alten System gepflegt wird, zu ihrem Wohnsitze erwählten. Der von dieser jüdischen Population mit wahrhafter Begeisterung begünstigte Candidat der politisch liberalen Partei ist der Banqnier Herr M0ses Montagn. Derselbe ist 1832 zu Liverpool geboren und mit der Schwester des obengenannten Herrn Lioncl Eohen verhcirathet. Herr Montagn ist eine Zierde unserer Gemeinde, ja sogar des Gesammtjudcnthums, indem sich derselbe nicht nur um das Wohl der hiesigen Wohlthätigkeitsauftalten große Verdienste erwarb, sonder» auch für die allgemeinen Interessen unserer Glanbensbrüder im Verein mit dem fei. Sir Moses Montesiore Erhebliches leistete. Er besuchte in Begleitung des Herrn Dr. Asher das heilige Land und später

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