Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1885-11-30 · Heft 93 (30.11.1885) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 93 (30.11.1885)
Date
1885-11-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2449503-2449590--23313-2512983
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXVl. Zahrgang. Beilage zu Ar. 93 des Israelit. Leitender Artikel. Amerikanische Briefe. XXI. in New-Jork, 9. November. Wenn auch durch Zeitungsberichte bereits die Kunde voii dem Unglücke der aus den preußischen Provinzen ausgewiesenen Russen und Polen hieher gelangte, so war man doch bisher hier davor verschont, die Unglücklichen selbst ans amerikanischem Boden zu sehen. Seit einigen Tagen jedoch treffen einzelne vom Schicksal betroffene Glaubensgenossen hier ein und cs hat den Anschein, als ob in Bälde eine größere Anzahl folgen dürsten. Es ist herzzerreißend die Schilderung der Unglücklichen zu hören, die so plötzlich von dem harten Schlag betroffen wurden. So sprach ich heute einen Mann, der in Königsberg's Nähe wohnte und plötzlich den Ausweisungsbefehl erhielt, der ihn anfforderte innerhalb 24 Stunden seine Heimath zu verlassen. Frau und fünf kleine Kinder mußten den unglücklichen Mann, der eine gutgehende Bäckerei sein nannte, folgen; er war durch den Schlag der Verzweiflung nahe. Der Verkauf der Möbel brachte kaum die Reisespescn, die Frau und Kinder einstweilen die Reise nach der polnischen Geburtsstätte ermöglichten, der Mann konnte Dank der Unterstützung des Königsberger Eomite's und Hamburger Glaubensgenossen hieher kommen, wo er hoffentlich bald Ersatz für das abgebrochene Heim in Europa finden wird. Traurige Erscheinungen sind es, die hier vor die Augen treten und Pflicht der Humanität und Nächstenliebe ist es, die Wunden, welche hier geschlagen werden, zu heilen. Das Eine möchte ich zu bedenken geben, was schon so oft betont wurde: Möge man ja Niemanden ganz mittellos in dies Land senden, da die Rücksendung gänzlich Mittelloser strikte durchgeführt wird. Gebe Gott, daß dies neue Unheil, das über so viele Unglückliche hereingebrochen, bald vorüberziehe, und daß die Zeit bald nahe, wo Alle in Frieden und ungetrübtem Glück, in Freundschaft und brüderlicher Liebe Zusammenleben, yat* »rv pi. — Die vorige Woche war für die Stadt Ncw-Nork durch die politischen Wahlen eine ziemlich aufgeregte. Unsere Glaubensgenossen nehmen auch in der Politik eine bedeutende Stellung ein, und alle Parteien haben durch Ausstellung einzelner jüdischer Eandidaten dieser Thatsache Rechnung getragen. Zweien war es vergönnt bei hervorragenden städtischen Remtern Sieger zu bleiben und zwar Herrn Ferdinand Levy, der mit der größten Stimmenzahl zum Eoroner (Beamter bei der plötzlichen Todesfällen die Untersuchung zu leiten hat) wiedererwählt nnd einem Herrn Ehrlich, der zu einem der Stadtrichter erkoren wurde. Herr Levy erfreut sich in allen Kreisen der Bürgerschaft einer außerordentlichen Beliebtheit und unter der jüdischen Bevölkerung New-Aorks gilt er als ein Mann, dem das Wohl seiner Glaubensgenossen ganz am Herzen liegt. .Keine Gelegenheit geht vorüber, wo nicht Herr Levy Beweise hievon gibt und wir hoffen, daß derselbe noch lange dem öffentlichen Wohle seine werthvollen Dienste zn widmen im Stande sei. In den hiesigen öffentlichen Institutionen ist >3 Gebrauch, daß von Zeit zn Zeit eine sogenannte Reception stattfindet, bei welcher Gelegenheit es dem Publikum möglich ist, einen Einblick in die betr. Anstalt, oder was cs sonst ist, sich zu verschaffen. Am gestrigen Tage fand die alljährliche Reception im „Mount-Sinai-Hospital" statt und ich möchte die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne dieser segensreichen Institutionen zu gedenket!. Das Hospital war an diesem Tage von Hunderten von Personen besucht, welche sich init der Einrichtung dieser großartigen Zufluchtsstätte für Kranke vertraut mache» wollen. Die Vorstandsmitglieder unterzogen sich in der liebenswürdigsten Weise der Aufgabe als Führer, während Wärter und Wärterinnen in Bezug auf die chirurgischen und sonstigen Verhältnisse die genauesten Beschreibungen lieferten. Das Hospital ist wohl das feinste jüdische in der Welt und geht von der 66. bis zur 67. Straße in der Lexington Avenue mit einem Tiefgang von 200 Fuß. Das Gebäude ist von solider Bauart, fünf Stock hoch und eines der ersten Hospitäler der Stadt New-Zjork. Es gibt hier auch Zimmer für bezahlende Patienten, allein nahe an 95 Prozcnl der hier Aufnahme Findenden werden frei verpflegt. Die Ausgaben belaufen sich alljährlich auf 70,000 Dollars, welche Summe meist durch freiwillige Beiträge aufgebracht wird. Im Hospital sind circa 160 Betten, ausschließlich der erst neu gebauten Zimmer für Zahlende, und der Besuch umfaßt durchschnittlich ungefähr die Zahl 170. Acht männliche nnd weibliche Aerzte verrichten die medizinische» i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.