Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 93 (30.11.1885)
- Date
- 1885-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1583 Die Begeisterung stumpft sich mit der Zeit ab. Aber die Wärme der Uebcrzeugnng von dem großen Schatze, den wir in unserer Gotteslehre besitzen, wird, je mehr und je länger wir uns mit unserem Gesetze befassen, je inniger wir uns in dasselbe vertiefen und je aufmerksamer wir auf die Erfüllung ihrer Verheißungen im Leben der einzelnen Menschen wie ganzer Völker achten; diese Wärme wird nicht Nachlassen, nicht abnehmen, sich vielmehr steigern und dann die wahre Lebenskraft erzeugen, die auch schlimme Zeiten überdauert. Zuerst ein Licht. Also sollen wir beginnen mit uns selbst und mit unseren Kindern. Der Gottesgedankc, unseres Glaubens hohe Wahrheit soll uns am ersten Tag der Einweihung unseres eigenen Menschen klar und hell wie ein Licht, wie ein schönes erfreuendes Licht aufgehen. Ein Gebot nach dem Andern, eine Wahrheit nach der andern sollen wir kennen lernen, damit wir nach sieben, acht Jahrzehnten die volle Lampe angezündet haben, so daß wir am Ende unseres Lebens die Wahrheit voll erfüllen, als Lichtkörper zu strahlen, so daß alle einzelne Theilc dieser Lampe im Licht erglänzen. Sichern und erhalten das Licht, das soll nach Hillel der Hauptgedanke sein, der aus unserem Ehannkahlicht nicht bloß der großen Vergangenheit, sondern auch den künftigen Geschlechtern entgegcnleuchten loll. Sichern und erhalten das Licht, das können wir nur durch Vermehrung, durch fortgesetzes Hinznfügen erzielen. Jedes Stehenblcibcn ist ein Abnehmen. Diese große Lehre soll klar und hell uns entgegenleuchtcn. lind darum sollen wir in erster Linie in uns von Tag zu Tag ein Licht mehr anzündcn. Wie jede Pflanze sich nur allmählich entwickelt, wie die Knospe von Stunde zu Stunde mehr anschwillt, die Blüthe nach und nach sich ausbreitet, Duft und Farbe immer köstlicher und prächtiger sich entwickeln, bis endlich die vollcrblühte Blume Herz und Aug erfreut und selbst bei ihrem Verwelken, auch wenn wir es bedauern, doch nicht mehr die Freude und den Genuß ganz verwischt und vergessen wird, immer eine angenehme Erinnerung in uns erhalten bleibt: also soll auch der Mensch geistig und körperlich sich entwickeln, fortschreiten, immer schöner werden, Alles erfreuen durch die Harmonie von Körper und Seele, durch sein edles, reines Leben, bis daß es zur vollen Lichtgestalt sich entfaltet und als solche im Andenken der Menschen verbleibt. Sichern und erhalten das Licht können wir aber nicht durch uns allein, sondern durch unsere Kinder und Kindeskinder. In den Kindern den Lichtgedanken wecken, anzünden, der sie erwärmt und erleuchtet; Licht nach Licht in ihnen vermehrend, sic gewöhnend an Gebot nach Gebot, sie vertraut machend mit einemhöheren Menschenberuf, sie mit Liebe an den Gedanken gewöhnend, daß sie von Gottes Auge überwacht, von Gottes Hand geführt, im Dienste Gottes jede Minute ihres Lebens sich befinden: das sichert in erster Linie die Kinder vor Verirrungen, Ausschreitungen und Gefahren, bürgt dafür, daß die Kinder an ihrer Seite weiter schreiten und so das Licht, das die Eltern in sich angezündct, durch ein neues vermehren; es sichert ferner aber die Zukunft unseres Volkes, sichert uns vor der Gefahr, daß am Ehanukahscstc die Wohnungen in Israel nicht erleuchtet sind. — Möge das Chanukah-Fest und Ehanukah-Licht nach Schamaj's Absicht uns begeistern, so daß wir sofort durchdrungen sind von der vollen Wahrheit unserer jüdischen, unserer religiösen Aufgabe; möge aber Hillel's wcitergchcnde Absicht uns anspornen, stetig fortzuschreiten, immer mehr und mehr uns zu erwärmen für unseren Jisroclberuf, auf daß wir in Zukunft ein Ehanukahfest durch uns selbst feiern, wir selbst das Ehanukahlicht repräsentiren und uns für die spätesten Geschlechter erhalten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 26. Nov. Der Ncchenschafts- Bericht über die israelitische Lehrerbildungs- Anstalt in Würz bürg für das ei» und zwanzigste Jahr ihres Bestehens, ist soeben erschienen. Sechzehn Jünglinge wurden in diesem Jahre aus der Anstalt entlassen, von welchen vierzehn die Austrittsprüfnng am kgl. Schnllehrcrseminar dahier mit sehr guten bczw. gutem Erfolge bestandell und in die Praxis entlassen wurden; cs ist hierdurch die Gesammtzahl der in der Anstalt Ausgebildctcn und in die Praxis Entlassenen auf 164 gestiegen. In dem abgelaufenen Jahre wurde die Anstalt von 34 Zöglingen besucht, von welchen 12 Unterricht, Wohnung,Kost k. unentgeltlicherhielten, während die übrigen einen klein Beitrag zu zahle» hatten. Für das begonnene Schuljahr wurden 15 interne und 5 externe Schüler ausgenommen. Von den neu aufgeuommenen Zöglingen erhielt ein Theil den Vorbereitungsunterricht zum Eintritt in die Anstalt in der zu Höchberg sich befindenden unter der Leitung des Herrn Ortsrabbiners Jakob Ehreureich bestehenden Vörbercitungsschule, der andere in der Anstalt des Herrn Distriktsrabbiners Hirsch zu