Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 93 (30.11.1885)
- Date
- 1885-11-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1582 euch i« die Fremde, boi öjjöi na üyo, ein „wenig Balsam und ein wenig Honig." Im Laufe der Weltgeschichte haben schon oft Völker den heimathlichen Boden verlassen müssen, um in der Fremde das bittere Brod der Verbannnng zu essen. Unlängst hat in Berlin die französische Gemeinde eine Feier veranstaltet zur Erinnerung an den Zeitpunkt, da ihre Voreltern gezwungen wurden, aus Frankreich auszuwandern. Tie Geschichte des Mittelalters und die Geschichte des Alterthums erzählen uns vielfach von freiwilligen und erzwungenen Völkerwanderungen. Aber die Verbannung anderer Völker ist kein Galuth, wie es Israel erfahren und täglich noch erfährt. Wohin die Verbannten anderer Nationen kommen, nehmen sie die Gewohnheiten und Sitten der Völker an, in deren Mitte sie leben müssen. Sie essen mit ihnen, sie trinken mit ihnen, vermähle» sich mit ihnen und fühlen sich bald heimisch im fremden Lande, so daß nach wenigen Generationen nur noch die Namen an die fremde Abstammung erinnern. Nicht also Israel. Es ist und bleibt geschieden von seiner Umgebung durch Religion und Sitte, durch Speise und Trank, es feiert andere Feste und vermischt sich nicht durch Vermählung mit den Söhnen und Töchtern des Landes. Dadurch werden ihm die Freuden des Lebens nur in geringem Maße zugcmcffen. Für die Wunde, die ihm geschlagen wurde durch den Verlust der Nationalität und durch die Zerstörung des heiligen Tempels, durch die Auflösung des jüdischen Staats, durch die Zerstreuung über alle Länder der Erde, gibt cs nur wenig Balsam, na uyp. Die Süßigkeit, welche die ruhige, friedliche, sichere Seßhaftigkeit den Menschen bietet, ist den Israeliten häufig versagt. Selbst, wenn nach schwerem Ringen die politische Gleichstellungerlangt ist, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß die vollkommene, sociale Gleichberechtigung versagt bleibt. In Folge uuüuii werden die irdischen Freuden, die sich den gesetzestreuen Söhnen und Töchtern Israels bieten, aus ein geringes Maß beschränkt, eqi vyv, „nur wenig Houig." Dagegen ist es uns auch in der Verbannung möglich, eine hohe geistige und sittliche Vollendung zu erlangen. Bei tfti nto:, „Gewürz und Lotus," fügt unser Vater Jakob keine Beschränkung hinzu. Was ist ntoj? Nufere Weisen erklären das Wort hjoj iip rmn d’dbq »dud bj eine Ansammlung vieler Gewürze wird so genannt. Es ist ein Bild vom Zusammenhäufen alles Guten und Schönen. Unuuischränkt sollen wir nach dem Guten streben und die besten Eigenschaften des Herzens und des Charakters zu erlangen suchen. vbh Was ist 2v? Es ist die wunderbare Lotusblume, die in Indien und Aegypten auf den langsam fließenden Gewässern, dem Ganges und dem Nil, gedeiht. Majestätisch fließt sie dahin, alles entzückend durch die Pracht ihrer Farben, den Duft ihrer Blüthen, den Wohlgeschmack ihrer Früchte. Daher galt den alten Aegyptern und gilt noch heute den Indern die Lotusblume als ei» Bild des Universums. So soll sich entwickeln der Jude, er soll streben zu sein ein vollkommener Mensch. (Fortsetzung folgt.) Znm KHarmKahfeste. Von vr. H. S ä n g e r. (Schluß) -£’ni inx 13 i'p’inD *h ^3 onoix n"3 l’^’D 21V12 '23 rr D’NSl'n D'C 1333 "jsnro -;p’TD rki B. Hillel sagen, in der ersten Nacht zündet man nur ein Licht an, dann immer eines hinzufügend, entsprechend der Auffassung, daß mit den fortschreitenden Tagen die Zahl der Festtage zunehmen oder weil wir in heiligen Dingen aufwärts steigen sollen. Hillel geht von einer anderen Ansicht aus,- er will ruhiger, langsamer, aber um so sicherer sein Ziel erreichen; er will uns das Licht für immer sichern. Die Erhaltung und Sicherung des Ehannkahlichtes ist ihm Hauptzweck, die eigentliche Bedeutung unseres heutigen Festes. Ob wir am ersten Tage ein Licht oder acht Lichter anzünden bleibt sich gleich. Ein Licht repräsentirt gerade so gut wie acht Lichter den Sieg des Lichtes und durch ein Licht wird ebenso unsere Aufgabe dargestellt, als durch acht. Anderes aber lehrt uns noch das Chanukahfest, und soll besonders heute auch seine Bedeutung für unsere Tage uns vorführen. Wer sich den Glauben und die Wahrheit, seine Religion und das göttliche Licht erhalten und sichern will, der soll nicht blos wissen, daß er im Besitze des Lichtes, der muß, durch die vergangene Geschichte und besonders durch die Makkabäerkämpfe belehrt. Alles zu vermeiden und fern zu halten suchen, je wieder in eine solche Lage zu gerathen, daß die Gefahr, die drohendeGefahr für seine Existenz, für dieErhaltnngdes Lichtes solche Dimensionen annehmen konnte; der mutz fort und inimer weiter schreiten, immer fester in seinem Glauben werden, von der Wahrheit, Reinheit und Erhabenheit unseres göttlichen Gesetzes sich inmier mehr durchdringen lassen.