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Der Israelit · 1885-11-26 · Heft 92 (26.11.1885) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 92 (26.11.1885)
Date
1885-11-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Beschäftigung und Brot zu gewähren. Salonichi, dessen Industrie noch vor kaum einem Vierteljahr- Hundert gleich Null war, besitzt nun heute eine solche, die jährlich, wie amtliche Ausweise melden, für sechszig Mille Francs Maaren erzeugt, von denen ein beträchtlicher Thcil sogar nach dem Anslande geht. Und den größten Theil dieser Kuusterzeugnisse liefern die in den Händen der Juden befindlichen Fabriken und Jnduftriestätten. So gehört die einzige Dampfmühle der Stadt den auch im „Israelit" schon oft genannten Gebrüder Allatini, die auch den Ruf strenggläubige und fromme Juden zu sein, genießen. Deren Mühle kann in vierundzwanzig Stunden 30,000 bis 35,000 Kilo Getreide mahlen, und versendet sie ihr Mehl sogar nach Konstantinopel und Marseille. Gewöhnliche Getreidemühlen besitzen die Gebrüder Behija und Herr Salomon Ben Juda. Die erste mit Dampf betriebene Baumwollspinnerei in dieser. Stadt gehört Herrn Salomon Savas, die jährlich 80,000 Packete Gespinnstc liefert. Auch der schon genannte Salomon Ben Juda besitzt eine solche Spinnerei, die aber ohne Dampf betrieben wird und jährlich 30,000 Packete Gespinnst liefert. Die erste und einzige mit Dampf betriebene Distillerie in Salonichi gehört der Firma Misrachi-Hassid-Fernande; n. Comp, und liefert dieselbe täglich 50 Hektoliter Alkohol aus rectificirtcin Mais. Seifensiedereien besitzen die Herren Abraham Hassid, Abraham Beruhia und Abraham Abarbanel, ein Abkömmling des großen Rabbi Jsak Abarbanel pyis wdm. Ziegclbrennereieu besitzen die schon genannten Gebrüder. Allatini, während Herr Salomon Benjamin eine Nägelsabrik und Herr Gcdalja Schaky eine Möbelfabrik besitzt. Man ersieht aus diesem Verzcichniflc, daß auch bei den Inden Salonichi's das Sprichwort: Labor honorat. in hoher Achtung steht und daß auch sie bestrebt sind, ihr Vermögen so zu verwenden,^ daß es sie und Hunderte ihrer Mitmenschen ernährt. Von denselben heißt es nun: -p wn -pE-tf »nti o TM yy (Ernährst du dich von deiner Hände Fleiß, dann Heil und Wohl dir!) C h i na. Die jüdische Gemeinde in Schaugai ist in letzten Jahren durch Zuzug fremder Israeliten bedeutend gewachsen. Dieses Jahr hat dieselbe eine neue Synagoge von großer Ausdehnung und eleganter Architektur erbaut. Dieselbe wurde kurz vor den» Neujahrsfeste ihrer Bestimmung übergeben. F c u i l I c t o it. Aeisevtschreibmrg eines Israeliten. (tVorlscvllng.) Wir wollen jetzt weiter schreiben. So bin ich von Prag auf eine Stadt, mit Namen Kol in, wo ungefähr 100 haussitzcndc Juden wohnen; von hier auf H a vcr n, Jeu ikau, P olma undTrebitsch. Man findet auf jedem Ort Juden, aber der Zahl sind in den erstcu bu-i nicht mehr als 150 miteinander. Aber in dem letztgemeldcten Ort ist diese Zahl 300, weil dieses Trebitsch eine Grenzscheidung ist zwischen Böhmen und Mähren. So verursacht diese Stadt große Ncgozie auf ihren Jahrmärkten, welche allhier viermal alle Jahr sind. Auf diesen Märkten lassen sich keine andern Kauflente, ich meine Verkäufer finden, als allein Juden; so finden sich auch in ganz Böhmen und Mähren keine andern Kauflente auf den Märkten ein, als Juden, welches eine große Freiheit von dem Kaiser ist. Bon hier muß man einen großen Wald dnrchpassiren, was ich zwar von Prag bis hier gar viel durchgereist und so zu sagen mehr Waldung als Feld sich getroffen hat. So kam ich zuletzt in eine hübsche Handelsstadt, heißt mit Namen B r ü n u, die Hauptstadt von Mähren; hat einen hohen Berg über der Stadt mit einer starken Festung drauf; der Name von diesem Kastell heißt Spielberg. In dieser Stadt Brünn wohnen keine Inden, aber cs befinden sich alle Zeit darin auf den Jahrmärkten, wie in den umliegenden Dörfern, als P o h r l i tz, K a n i tz, Eibenschitz, Nickolsburg, Holleschau.und Austerlitz. In diesen umliegenden, großen, wohl von tausend Häusern gebauten Dörfern wohnen mehr Inden als andere Nationen. Zn verwundern ist die gar schlechte Wohnung, indem derenZausnng nur mit Leim und Dreck und Stroh, mit gar wenig und dünn Holz zu einander geleimt, ja gar keine Steine hierzu gebraucht werden. Andere sind noch schlechter, nur aus Rohr aus dem Wasser zusammen geflochten und mit Leim beklebt. Man findet an diesen Plätzen gar oft, daß Brand entsteht und wenn solches vorkommt, so kann in Zeit von einer halben Stunde ein ganzes Dorf in Asche liegen, so daß man nicht sehen kann, daß hier Menschenwohnungen gewesen sind. Ist aber für die Einwohner kein großer Schaden, denn in Zeit von 4 Wochen baut ein Jedweder von sclbsten sein Häuschen wieder auf, so gut er die-Materie bekommen kann. Um ihre Güter bei solchem geschwinden Brand zu bergen, hat ein Jeder in seinem Haus eine kleine gewölbte Kammer von Stein und eine eiserne Thüre; welches sie das Gewölbe heißen. In dieses werfen

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