Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1885)
- Date
- 1885-11-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1574 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pefth, 21. Nov. Die „Budapester (Korrespondenz" veröffentlicht einen Erlaß des Enltnsnud Unterrichtsminifters, welcher anordnet, ban vom 1. Januar 1886 an die Matrikel der isr. Konfession im Sinne eines beigefügten Statutes zu führen seien. Nach diesem Statute ist jeder Israelit verpflichtet, demjenigen Bezirke anzugehöreu, dessen Sprengel sein Wohnort zugetheilt ist. In den 465 jüdischen Matrikelbezirken kann die Matrikel nur von solchen Personen besorgt werden, welche die rabbinischen Functionen versehen, wenigstens vier Mittelschulklassen absolvirt haben und großjährige ungarische Staatsbürger sind. Der Verwaltuugsausschuß des Municipiums wird sich von der Qnalisication der Matrikelsührer lieberzengung verschaffen und kann eventuell auch den Matrikelführer auf Kosten des Bezirkes bestellen. Die Malrikelfälle — Geburt, Trauung und Tod — sind innerhalb drei, respective acht Tagen anzumelden. Die Behörden sind berechtigt und verpflichtet, alljährlich einmal die Matrikelführung zu prüfen. Nach dem Statut wird in Zukunft in jedem Orte regelmäßig nur ein Matrikelführer sein, doch kann, wenn in einem Orte mehrere Enltusgemeinden mit separater Matrikelführung bestehen, die schwächere unter Nachweis, daß sie einen qnalisicirten Matrikelsührer hat, um Belastung ihrer separaten Matrikel aufsnchen, worüber der Berwaltungsausschuß, respective der Eultnsminister entscheidet. Türkei. Kouftantiuopel*). Vor einigen Tagen haben hundertunddreißig jüdische Familien ans der Moldau unsere Stadt passirt, um sich nach der Insel Cypern zu begeben, wo sie sich ansiedcln und dem Ackerbau und der Viehzucht widmen wollen. Sie hoffen, daß der englische Gouverneur dieser Insel, ihnen bei ihrer Ansiedelung daselbst, seinen Schutz und seine Unterstützung gewähren werde. Wie sie sich hier Vertrauten und Bekannten gegenüber äußerten, gedenken sie, sich in der Nähe der Hafenstadt Larnaca uiedcrzulassen und sich keineswegs in kleine Gruppen zu zertheileu, sondern eine einzige, große Kolonie und somit auch eine respektable jüdische Gemeinde, welche die erste auf dieser Insel sein wird, zu bilden. Man muß es offen gestehen, daß der Plan, den Strom der jüdischen Auswanderung aus den Donaufürsteuthümern auch nach der Insel Zypern zu lenken, die im Alterthume eine Bevölkerung von mehr als einer Million Seelen besaß und auch ernährte, die aber heute kaum noch Zweimalhunderttausend Einwohner zählt, ein vortrefflicher ist, der alle Anerkennung und Unterstützung verdient. Diese Insel hat nämlich einen sehr fruchtbaren Boden und ein recht gesundes Klima, wenn auch die Hitze daselbst in den Monaten Juni und Juli manchmal fast unerträglich wird. Die Bewohner dieser Insel betreiben auck einen lebhaften Export mit Getreide, Wein, Südfrüchten und Kleinvieh nach dem nahen Syrien, von welcher Provinz sie nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt sind. Was denn die Bevölkerung daselbst anüelangt, so besteht dieselbe aus Griechen und Türken, wobei erstere die Mehrheit bilden. Wie überall, sind auch hier die Türken den Juden wohl geneigt, während die Griechen, welche die jüdische Eoncnrrenz fürchten, keine allzugroßen Philosemiten sind. Judeß, die englische Eolonialregierung wird schon wissen, wie sie ihre jüdischen Staatsbürger vor der Brutalität der griechischen Bevölkerung zu beschützen hat. Der „Israelit" ließ sich vor einigen Tagen aus Sana (Südarabien) melden, daß an dem Bankette, das der dortige General-Gouverneur am Jahrestage der Thronbesteigung des Sultans gab, die Inden nicht theilgenommen haben, und zwar, wie es einerseits hieß, weil die türkischen und-arabischen Notablen daselbst, sich deren Nachbarschaft bei der Festtafel aufs Entschiedenste verbeten hatten. Als Gegensatz zu dieser für unser Jahrhundert und unseren Zeitgeist gewiß sehr beschämenden Nachricht, kann ich Ihnen nun melden, daß der General-Gouverneur von Aleppo, Dschemil Pascha, der vor einigen Tagen eine Tochter verheirathet, zu diesem Familienfeste auch die geistlichen Ehefs und die Vorsteher sämmtlicher in dieser Stadt existirenden religiösen Gemeinden geladen hat. Den Hochzeitsgästen bot sich nun das höchstinteressante Bild dar, den Mufti der Stadt mit dem dortigen griechischen, armenischen und katholischen Bischöfe und denr jüdischen Rabbi in einer Gruppe vereinigt zu sehen, wie sie freundlich mit einander plauderten. Man sieht, Dschemil Pascha hat nicht umsonst seine Studien in Parks gemacht! — Die Stellung unserer Glaubensbrüder in Salonichi läßt selbstverständlich nichts zu wünschen übrig, da sie dort dieselben Rechte und dieselben Freiheiten genießen, wie die anderen Bewohner dieser Stadt. Erfreulich ist es daher zu sehen, wie unsere reichen Glaubensbrüder daselbst bestrebt sind, die Industrie und den Wohlstand dieser Stadt immermehr zu heben, und so zugleich auch der armen Bevölkerung daselbst *) Nachdruck verboten.