Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1885)
- Date
- 1885-11-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1576 sic in;Jcit van Brandniß ihre Sachen und schließen zu. Wenn nun Alles wegbrennt, so bleibt dieses Gewölbe allein stehen, gleich einem Backofen. — Ich bin von hier ans N i ck o l s b u r g gekommen, welches nur 5 Meilen von der vorbenannten Stadt Brunn ist und noch 9 Meilen von der kaiserl. Residenzstadt Wien. Hier in Nickolsburg angekommen und meine Freunde' allhier augetroffen, mich eine Zeit von einem halben Jahr dort aufgehalten im Haus des Rasch Hakohol R. Salomo Kapels sogenannter oberster Präsident von den Inden in dem ganzen Land Mähren. Sein Tochtermann war mein Betterssohn, mit Namen R. Aaron Marktbreit. Bei diesem ich in sein Negozie bedient hatte, so habe ich in Zeit von 6 Monaten dieses erlebt, was ich hier beschreiben will. Allhier die Stadt geobscrvirt, besteht die ganze Stadt in ihrer Mauer, welche nur mit 2 Thoren und 24 Häusern versehen ist und hierüber auf einen hohen Berg ein Schloß, das dem Fürst Dietrichstein zugehört, welches Schloß seinen Eingang inwendig in der kleinen Stadt hat. Was anbelangt die Vorstadt, so ist sie gar groß, macht ihr Umkreis ungefähr */* Stunde. So ist auch die Judengaffe eine von den Vorstädten, ist ungefähr ooo Häuser. Sie haben 2 große Schulen, welche mit Namen die Altschul und die Neuschul. Sie sind auch, wie in Prag, gar fleißig in Stndiren, so daß inan hier auch viele von dcnJudenftudcutcu findet. Die Kleidung der Juden ist hier, wie in Polen, mit langen Nöcken und sie heißen die langen Röcke Schubiz, und noch einen darüber, den heißen sie Helrock, welcher Helrock gar oft von hinten auf dem Nucken einen viereckigen ungefähr l Me langen nnd breiten Pelz, welchen sic Anschub beißen. Tie Weiber aber ihre Kleider heißen ein Mieder und eine Pocte, (Fönte?) tragen auch Mäntel mit einem viereckigen Stück schwarzen Sammt auf dem Rücken, das ist am Mantel angenäht. Auf dem Kopf haben sie einen Schleier, gleicht einem Trichter oder einem Weidhorn. Die Mädchen gehen alle gar in geflochtenem Haar, arm, reich, alle gleich. Die geheiratheten Menschen tragen alle Bärte, große Bärte und lassen sich auch mit keinem Messer scheercn. Sie sind fromme Leute, beklagen gar stark ihre Tobten. Wann Einer stirbt, so gehen die Weiber sowohl, als auch die Männer nach und haben ein jämmerlich Geheul, daß man sie durch alle Gassen hört schreien. Die Begräbniß ist auch nahe bei der Judengaffe. Sie machen keine pir<, wenn Einer stirbt, sondern in die Grube legen sie ihn bloß auf die Erde, machen aber an jeder Seite ein Brett, daß ein Deckel darauf kann liegen. Wenn es aber ein Kohen ist, so machen sie einen pirr. Was anbelangt der Juden ihre Eercmonie, ist in Allem gar wohl zu preißen. Sie haben Acht am Freitag, sobald Nachmittag kommt, so schließen sie ihre „Kram" zu und handeln nicht mehr, sondern kleiden sich aus und gehen, sich baden und Wäschen sich ihren Leib sauber, thun ihre Schabbosklcrder an und thun ihre gewöhnliche Freitagsopfernng, welches in das Hebräisch heißt n*ietp (smnn nnxi Nipo ow)mri> putzen selbst das Haus. Sie begehren selbiges nicht von ihren Dienst, machen Alles selbst, dem Schabbos zu Ehren. Ein Jeder hat einen Backofen in der Küche und backen alle Freitag frisch Brod; muffen auch haben dreierlei Sachen, sind Wein, Fisch, Fleisch. Alle, seien es die Aermsten, so muffen sie diese 3 Sachen haben nnd am Freitag kaufen, dem Schabbos zu Ehren. Wenn es nun zu spät wird, so kommt ein Kirchendiener, mit seinen besten Kleidern au und ruft mit ein halb Viertelstunde währendes „Geläut" m rtap, das ist zu sagen: zu anfangen den Schabbos. So Jeder sich zu der Schule begibt, wird hier gehandelt, gleichwie auch gehandelt und geschrieben bei Prag, mitSingen und Musikspielen, mit schönem Nachspiel, welches gar oft lang gewährt. Ihre Vorsänger sind auch berühmt, daß man dergleichen nicht viele findet. Ter Vornehmste heißt R. Mordechai jin. Was anbetrifft das Waller hier, sind nur in Allem 2 Brunnen, von welchen 2 Brunnen sich muß die ganze Stadt mit ihren Vorstädten speisen. Was sie sonst können an Regen anffangen, ist ihnen zu großem Nutzen, weil gar unglücklich fällt, das Wasser von diesen 2 Brunnen durch solche große Stadt zn tragen. Deßwegen ist hier gar gefährlich wegen Brand, nnd das Wasser in Zeit von Roth nicht haben können; wie in Zeiten meines Dortseins sich getroffen eine schrecklich große Feuersbruust, welche bei einem Juden mit Namen R. Meir Deutsch, sich hervorthat. Dieses Haus war in Mitten der Gasse. So bald hat sich keine 5 Minuten verlaufen, oder das Feuer war an 4 Seiten gleich in voller Flamme, weil Mankirung in Wasser war; ja selbst in Zeit von 2 Stunden nicht mehr als ein einzig Hans von ungefähr 700 Häuser ist stehen geblieben. Ist auch nicht zu glauben, wie die Leute geflüchtet sind, gleich als wenn man sie verfolget, um das Leben zn nehmen. Es war am 25 Menachem, daß man sollte zn Abend die gewöhnliche Betstunde verrichten, so war ans einmal das Geschrei: es brennt. Ehe ein Jeder sich umsteht nach den Seinigen, so war das Feuer schon überall und Jedweder sucht nur seine eigene Person zu retiriren und so sind alle gar, sonder(-ohne) Hab und Gut, aus dem Feuer gelaufen. Ich selber ließ meine Kleidung nnd Alles im Feuer liegen; sind