Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1885)
- Date
- 1885-11-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449589--23288-2512957- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXVI. Jahrgang. Beilage zu Ur. 92 des Israelit. Zeituttgsnachrichteu und Correfpondenze». Deutschland. Frankfurt a. M. Dem Jahresbericht des Vereins zur Beschränkung des Wanderbettels entnehmen wir Folgendes: In dem abgelaufenen dritten Geschäftsjahr haben die Gesuche Durchreisender die Thätigkeit und die Mittel des Vereins unverändert in Anspruch genommen. Alle nach gründlicher Prüfung würdig Befundene wurden unterstützt und weiter befördert, notorisch Unwürdige abgewiesen. Monatliche Vertheilungen übernimmt der Verein neuerdings auf Anweisung der Spender. Den Bemühungen, die Arbeitsfähigen unter den Wanderbettlern der Arbeit zuzuführen, stellten sich bei einer großen Zahl derselben nach ihrer Qualification und ihren Lebensbedingungen unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen; nichtsdestoweniger sucht der Verein, wo immer möglich, Arbeit zu verschaffen. Der Bericht erwähnt auch die Ausweisungen von Ausländern aus der Monarchie, von welcher viele Tausende von Israeliten betroffen werden. In erbarmenswerthem Zustande, meistens in Begleitung zahlreicher Familien, wendet sich ein Theil der Ausgewiesenen hierher, wo sie rath- und hilflos ankommen und in ihrer schlimmen Lage den Beistand des Vereins anrufen, um das Ausland erreichen zu können. „Wir greifen", heißt es weiter, „in solchen Fällen sofort ein, indem wir für ihre Weiterbeförderung sorgen, ihnen nach augenblicklichem Bedarf Unterstützungen gewähren und ihre Lage nach Kräften zu erleichtern suchen. Daß durch diese bedanerlicheu Vorfälle unsere Mittel außergewöhnlich stark in Anspruch genommen werden, ist leicht erklärlich, und wir haben es nur der Bereitwilligkeit zu danken, mit welcher uns von anderer Seite speziell zu diesem Zweck ein namhafter Beitrag zur Verfügung gestellt ist, daß wir bis jetzt in den Stand gesetzt sind, den an uns gestellten Anforderungen einigermaßen zu genügen. Möge doch Jeder, der ein Herz für Roth und Elend hat, nicht zögern, sein Scherftein beizutragcn!" In dem abgelaufenen Jahre erhielten wiederum 13 Familien die erforderlichen Reisekosten und außerdem Unterstützung an Geld, um sich an billigen Plätzen einen Erwerb begründen zu können. Außer den regelmäßigen Jahresbeiträgen und Geschenken erhielt der Verein für besondere Fälle von mehreren Menschenfreunden M. 3281. Unterstützt wurde der Verein hierbei vom Israelitischen Almosenkasten, dem Armeuvcrein, dem Armenamt, dem Gefängnißvereiu und der Kirchhcim'schen Stiftung. Mehrere Frauenzimmern sind Nähmaschinen leihweise überlassen worden, welche die Wertheim'sche Fabrik dem Verein zu billigerem Preise abgibt. Die Zahl der Mitglieder des Vereins beträgt 267. Die eiugegangenen baaren Geschenke beziffern sich auf M. 5463, darunter M. 1000 von Frau Julie Hallgarten aus Hallgarten. Außerdem wurden Kleider, Cigarren und andere Gegenstände gespendet. Unterstützt wurden von 1796 Petenten', 1272 Männer und 331 Weiber mit 6599 M. Davon waren 699 Deutsche, 409 Ocsterreicher und 406 Russen; Handwerker waren 532, Kaufleute und Commis 682, Lehrer und Beamte 128. Für spezielle Fälle wurden 8286 Ri. verausgabt. Cöln a. Rh., 13. Nov. In der in der Beilage zu Nr. 90 des „Israelit" aufgenommenen Correspondenz, uusern Verein betreffend, sind einige Jrrthümer, um deren gefl. Berichtigung wir bitten. Die Gesammt-Ekuuahme der 3 Jahre (1882, 83, 84) wird darin fälschlich ans 238,020 M. angegeben, ein Jrrthum, der wohl daraus entstanden, daß die ganze Soll-Seite der jedesmaligen Bilanz a! s E i n n a h m e betrachtet wurde, ohne die jedesmaligen Uebertragungen ans den Vorjahren, sowie die Anleihe von 40,000 M. in Abzug zu stellen. — Thatsächlich betrugen, wie sowohl aus der jedesmaligen Bilanz als aus den „Schluß-Uebersichtcn" leicht zu ersehen, die Gesammt-Einnahme pro 1882 M. 50020. 49 „ 1883 „ 40361. 28 „ 1884 „ 38015. 64 Zusammen in den 3 Jahren M. 128397. 41 Auch dürfte die Bemerkung, daß die Einnahmen ans fast lauter kleinen Beiträgen sich zusammeusctzen zu berichtigen sein, da thatsächlich spcciell bei den Beiträgen zum Baufond und bei den Stiftungen Beträge von 1500, 1000, 500, bis herab zu i00 M. G. s. D. recht oft vertreten sind. Hochachtungsvollst Verein des jüdischen Lehrer-Seminars in Rheinland.