Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1885)
- Date
- 1885-11-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
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1569 England. Der Mayor von Sheffield hat auf VorstÄlung den Wahltag zum Parlamente vom November, welcher auf Samstag fällt, ans Rücksicht für die Israeliten auf Mittwoch den 25. November verlegt. London. In seiner Nutwort an die vereinigten Comite's des Board of Deputies und Anglo Jewish Affoc. hat Lord Salisbury mittheilcn lassen, das; wenn auf der Eonstantinopcler Konferenz die rumänische Frage aufgeworfen werden sollte, die englische Regierung auf die Besserstellung der rumänischen Juden bedacht sein werde. Ebenso sei der englische Gesandte in Marocco angewiesen worden, für die neuerdings bedrückten Juden in Fez einzutreten. Rußland. Eine merkwürdige Entscheidung derllnivcrsitätsbehördeu in Minsk hat einiges Aufsehen erregt. Nach einem bestehenden Gesetz ist es Juden verboten, in christlichen Schulen oder Privathäusern Unterricht zu ertheilen. Ein jüdischer Student fragte bei der Behörde an, ob es ihm erlaubt sei, seinen zuin Ehristenthumc übergetretenen Bruder zu unterrichten. Der zu einer besonder» Sitzung zusammengetreteue Universitätsrath hat nach längerer Bcrathung die Erlaubniß versagt. Petersburg, 19. Nov. Der neueste Tagesbefehl des Oberpolizeimeisters theilt den Senatsbcschluß mit, welcher die Niederlassung der Juden in Petersburg gestattet, wenn für die Einzelnen die Niederlassungs-Angelegenheit behördlich erwogen worden und Hindernisse nicht im Wege stehen. Asien. _ Ballt) am Amu-Darja. (Fortsetzung und Schluß.) Die kleinen Karawane (arabisch und persisch: Siarah, daher das talmudische ro-ny) tritt nun ihre Reise an. Bei ihrem Ritte durch die Stadt eilen die Inden aus ihren Geschäftslokalen und Werkstätten herbei und rufen derselben nach: rfar 'n diotj (Gott beglücke^ eueren Weg!). Der Dank der Karawane lautet dafür 'i osmii’ (Gott segne euch!). Freilich muß es sich die Karawane auch gefallen lassen, daß, wenn ihr unterwegs ein fanatischer Moslim begegnet, derselbe ihr seine geballte Faust zeigt und ihr voller Ingrimm nachruft: Malanat Alla aleikum ja Jehudin! Nicht selten folgt dann diesem derben Fluche zugleich auch ein faustgroßer Stein, der oft au dem Kopse dieses oder jenes Mitgliedes der Karawane ein blutiges Denkzeichen zurückläßt. An solche Liebenswürdigkeiten sind indeß die unter, den wilden Horden Asiens lebenden Inden schon gewöhnt. Auch wissen sie, daß sie bei alldem noch immer besser daran sind, als die Perser, die Schützten (Verächter der mündlichen Ucbcrlieferung) von den Turkomenen, Afghanen und Vokharesen, die wieder Sunniten (Befolget der mündlichen Ueberlicfernng) sind, aufs gründlichste verhaßt und verachtet werden. Als die Russen 1889 in Merw cinzogen, da fanden sic daher dort neuntausend in der Sklaverei lebende Perser, die auch noch Ketten trugen. Seit damals haben die räuberischen Turkomenen zwar schon darauf verzichten müssen, noch ferner Einfälle in Persien zu machen und die Bevölkerung daselbst ohne Unterschied des Geschlechtes und des Atters in die Sklaverei zu schleppen. Gehaßt wird aber der Perser noch heute und begegnet ihm ein Sunuite in den Straßen von Balkh oder Bokhara, so wird er sicherlich vor ihm ausspucken nnd ihm Zurufen! Kilb Ben Kilb! (Hund, Sohn eines Hundes;) Den Juden aber wird der fanatische Moslim Mittelasiens wohl berauben und auch mit dem Schwerte schlagen, aber nie mit den Händen berühren, da er ihn für unrein hält. Dieser Fanatismus gegen die Juden ist aber noch heute ihr Glück, da sic sonst keinen Augenblick ihres Lebens oder ihrer Freiheit sicher wären. Man hört daher sehr oft die Juden Mittelasiens im Scherze sagen, daß, als der Allmächtige ihre Vorfahren in die Verbannung schickte, da gab er ihnen ein Geleitbrief mit, in dem nur die drei Worte: nxi dj (d. h. die drei ersten Worte des Verses: *6 orvmx pN3 cnvra nxi dj *i ’js* ’d um 'rv-Q nN isrfr DroW> ü'ntyj ab) d'hond DiTpiM«: Und sclbsi, wenn sie schon sein lvcrden im Lande ihrer Feinde werde ich sie nicht verachten lind verabscheuen, um sie gänzlich zu vernichten und meinen Bund mir ihnen zu zerstören, denn ich bin der Ewige, ihr Gott). Kehren wir nun zurück zu der jüdischen Gemeinde in Balkh. Ihre Anhänglichkeit an das Rabbinat von Bokhara geht so weit, daß, wenn dieses Amt dort neu besetzt wird, so unterläßt sie es nie, eine Gesandtschaft nach dieser Stadt zu entsenden, um das^ncuc religiöse Oberhaupt daselbst begrüßen nnd demselben ein Geschenk überreichen zu lassen. Auch sendet die Gemeinde von Balkh noch heute jährlich einen Geldbetrag nach Bokhara als Unterstützung für die dort bestehende Jeschibah. In frühem Zeiten war cS auch üblich, daß der Ueberbringer dieser Geldspende zugleich auch einige Jünglinge aus Balkh und dessen Umgebung mit sich nach Bokhara nahm, damit sie sich dort dem Thora-