Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 26 (1885)
- Issue
- Heft 92 (26.11.1885)
- Date
- 1885-11-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449503-2449589--23282-2512951- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1567 „V. Schamaj sagt, am ersten Tage zünden wir acht Lichter an, daun immer eines weniger" entsprechend der Auffassung, daß wir mit dem ersten Tage das achttägige Fest zu feiern beginnen, dessen Dauer mit dem Fortschreiten der Tage abniimnt. Also nach der Anffassungsweise Schamaj's sollen wir die große Bedeutung des Chanukkah, die Wiederherstellung und Wiedererlangung der jüdischen Idee, den Sieg der Wahrheit über die Unwahrheit, den Sieg des Lichtes über die heidnische finstere Weltanschauung sofort ganz und voll erfassen und feiern. Wie einst in acht Einweihnngstagen der Tcmpeldienst in seinem ganzen Umfange, in seiner Vollkom- Nlenycit wieder hergcstcllt war, so soll mit dem Beginne des Chanukkah die alte Lage sofort wieder geschaffen werden. Mit dem Beginne dieses Festes treten wir sofort wieder in den vollen Besitz unserer Aufgabe, nehmen sie sofort in ihrem ganzen Umfange auf, die volle Wahrheit soll uns durchdringen, das volle Licht uns durchleuchten, mit all unseren Kräften haben wir sofort für das Ganze einzustehen. Das Abnehmen ist ein von sich selbst eiustellender Prozeß der ganzen Statur. Sowohl die Kräfte des Körpers, wie des Geistes werden durch äußere Hindernisse und Einflüsse nach und nach schwächer^ werden oft lahm gelegt. Darum muß der Moment, wo es möglich ist, mit ganzer Kraft sich seiner hohen Aufgabe zu widmen, wo es möglich ist, die ganze Wahrheit zu erfassen, das volle Licht leuchten zu lassen, erfaßt und benutzt werden. Ein großer Theil unseres Volkes hatte damals von Stufe zu Stufe sich von dcrWahrheit unserer Reliligiou entfernt, hatte Licht nach Licht am Himmel der göttlichen Lehre ausgelöscht, so daß man schließlich den reinen Gottcsglauben von sich geworfen und heidnische Götterlehre, heidnische Sitten und Lebensweise sich aneignete. Man machte es sich zur Aufgabe, griechisch zu denken, griechisch zu sprechen, griechisch zu leben und schließlich sagte da der Syrerkönig: Wenn Ihr Griechen sein wollt, gut, so seid Griechen, gebt Euer Judenthum auf. Fast schien es, als müßte der Engel der Wahrheit und des Lichtes sein Haupt verhüllen und weichen vor der Lüge und der Finsterniß. Denn Tausende und aber Tausende jubelten, daß sie endlich gleichgestellt und gleichgeachtet sein sollten den hochbegabten Griechen, den damaligen Beherrschern der Welt. Und in ihrer Verblendung eiferten sie den grausamen Syrerkönig an, die jüdische Religion in den wenigen treuen Bekennern und Vertretern derselben ganz auszurotten. Fast schien die jüdische Religion, das jüdische Volk verloren. Da auf einmal im letzten, gefährlichsten Momente blitzte ein Funken auf, ein Schwert wurde gezückt und aus dessen Strahl zuckte gleichsam das Licht des auf's diene erstehenden Judcnthums auf. Tödtlich traf dieser Strahl den abtrünnigen Juden und den Syrer. Leben und Licht ging von diesem Schwertstreich des Matiljahu aus; die Finsterniß, der Bann war gebrochen. Und rasch flammte das reine Licht in. der Brust der wenigen gottbegeisterten Männer auf, entflammte Tausende zu Heller Begeisterung; strahlend stieg das Licht empor, siegreich leuchtete es den kühnen Makkabäern voran und blendete durch seinen Hellen Glanz die erschreckten Feinde. Muthig zog die kleine Schaar hinauf zur heiligen Stadt, in den heiligen Tempel, wartete nicht erst, bis der Feind aus allen Plätzen vertrieben, bis er vollständig geschlagen war; seine Macht war ja doch gebrochen, der Muth und die Siegeszuversicht unseres Volkes gehoben; wozu also zögern? Nein, der Sieg war sicher, das Licht wieder zurückerobert und das Anzünden desselben im heiligen Tempel als Symbol unserer Lichtaufgabe sollte Freund und Feind zeigen, daß das Judenthum wieder voll entstanden in alter Jugeudkraft und Lebensfülle. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. O e st e r r. - U n g ar. Monarchie. Wien. Am 16. d. wurde dahier der Grundstein zu einem neuen Tempel der türkisch-israelitischen Gemeinde gelegt. Der Bauplatz war der Feier entsprechend reich geschmückt. Der Feierlichkeit wohnte auch ein Vertreter der türkischen Botschaft in Wien bei. Der Bauurkunde ist zu entnehmen, daß die türkifch-isr. Gemeinde in Wien im Jahre 1736 durch den aus Spanien hier cingewanderteu Baron Lopez Pereira mit kaiserlicher Bewilligung gegründet wurde. Damals zählte die Gemeinde zehn Mitglieder, heute gehören ihr mehr als 200 Personen an. Der für den Bau des neuen Tempels in Aussicht genommene Kostenbetrag von 120,000 fl. wurde im Subscriptionswege beschafft. H o l l a n d. Ungefähr 50 russ. jüdische Familien haben sich in Antwerpen niedergelassen, woselbst sie eine besondere Gemeinde bilden. Sie haben eine Synagoge und eine Talmud-Thoraschule errichtet und einen Rabbiner und Schochet engagirt. - Frankreich. Paris. Am Hofe Napoleons I. gab es einen jüdischen Beamten mit Namen Tobias Cosn,