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Der Israelit · 1885-11-23 · Heft 91 (23.11.1885) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 91 (23.11.1885)
Date
1885-11-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1553 Irr einem kurzen Hinblick auf den Islam im Allgemeinen zeigte mm der Redner, wie, trotz vieler äußerer Aehnlichkeit desselben mit dem Judenthum, die erhabenen Vorstellungen des Jndenthums zwar dem Islam zu Grunde liegen, aber wie sehr sie in demselben entstellt seien, die Lehre von der göttlichen Vorsehung sich umgewaudelt habe in die alle Willensfreiheit ausschließende Vorherbestimnnmg, die Lehre von dem Jenseits, dessen Seligkeit nach jüdischer Anschauung in der vollständigen Erfassung der göttlichen Wahrheit besiehe, sich im Islam gestaltet habe zu einem von sinnlichen Freuden und Genüssen strotzenden Paradies, und wie endlich statt der Hoffnung, die das Judenthum auf den schließlichen Sieg der Wahrheit durch die ihr inwohnende eigene Kraft hege, der Islam durch Kampf und Schwert über Blut und Leichen hin ausgebreitet werden wolle. Um diesen Kampf zu führen, und von bitterem Hasse gegen die Juden erfüllt, zogen nun die Schaarcn Muhameds hinaus. Wie sie aber in der Hand der göttlichen Vorsehung ein Mittel zur Rettung Israels geworden seien, versprach Redner in feinem nächsten Vortrag zu zeigen. Lechenich, 15. Nov. Zur Förderung der religiösen und humanen Interessen in hiesiger Gemeinde ist bis vor vier Jahren so viel wie nichts geschehen. Es bestand keinerlei Vereinigung unter den Geuieindcmitglicdcrn. Der Grund dafür ist im Jndiffcrcntismns und in der Uneinigkeit zu suchen gewesen, die bis dahin die Oberhand besaßen. Erst vor ungefähr vier Jahren ist eine man otk» entstanden, die sich den Namen „Wohlthätigkeitsverein" beilegte. Die man bezweckte gegenseitige Unterstützung der Mitglieder, insbesondere bei n^n eintretenden Krankhetts- und Todesfällen, sowie Unterstützung armer, hilfsbedürftiger Personen, zunächst innerhalb der Gemeinde selbst. Sie hat jedoch schon Gelegenheit gehabt, ihre Thätigkeit auch nach außen hin zu entfalten. Außer den genannten Zwecken hatte der Wohlthätigkeitsvcrein cs sich zur Ausgabe gestellt, für geistige, religiöse Erbauung und Belehrung seiner Mitglieder Sorge zu tragen. Zu diesem Bchufc werden in der man allsabbatlich religiöse Vorträge gehalten, die außer der wöchentlichen nmv, auch die rmrsn und dtt sowie alles Wiffenswerthe und Nothwendige aus nennpn unren behandeln. — Vor zwei Jahren gelang es, auf Anregung einiger Damen, dem Schreiber dieser Zeilen einen Frauenverein zu gründen, der sich vorzüglich mit non rnhw -npa beschäftigt. Uebcrall, wo es gilt, einem Kranken und Bedürftigen bcizuspringcn, gedenkt der Frauenverei» des Bibelspruches: H *p’~nN nr©n nr©. Die Uneinigkeit, die früher als hindernde Macht der gemeinsamen Ausübung guter Werke cntgegentrat, ist durch die erwähnten Institutionen fast gänzlich beseitigt. — Rur ein Hinderniß noch hemmt die völlige Eintracht der Mitglieder, obgleich sie bei guten Werken mit vereinten Kräften wirken; dieses Hcmmniß ist der Brodneid. Wohl keine Gemeinde wird sich von der Existenz dieses Störenfrieds menschlicher und gesellschaftlicher Eintracht freisprechen können. Darum bleibt uns hier nur die Hoffnung und der Wunsch, daß Gott jedem Mitgliede die Bitte, welche einst — wie der Wochenabschnitt des vorigen Sabbats sagt — unser Stammvater Jacob ausgesprochen, erfüllen möge: uai bas!? mb wa&, und zwischen Allen wird cibp herrschen. M. Snlm... Schweiz. Aus der Schweiz. Es scheint, daß die Agitation gegen das Schächten in unserer Gegend in ständiger Bewegung gehalten wird. Nachdem ich Ihnen kürzlich den Beschluß der beruischen Thierschutzdclegirtcu mitgethcilt, ist in den jüngsten Tagen in Solothurn, wo ca. 10 Familien Juden wohnen und wo bisher ohne Anstand gcschächtct wurde, durch ein neues Reglement, welches die Einwohner- Gemeinde genehmigte, beschlossen worden, daß nur geschächtet werden dürfe, wenn vorher das Thier betäubt oder geschossen worden sei. Die dortwohnenden Israeliten haben den Recurs ergriffen und werden von geeigneter Seite Schritte gethan, um diesen Beschluß rückgängig zu machen. Hoffen wir, daß der Erfolg nicht ausbleiben möge. Wenn man mitunter die Argumente der Schächtgegner mit anhört, so ergibt es sich, daß die größte Schuld au den „Schweinefleisch-Juden" liegt, denn diese prahlen in den öffentlichen Wirthshäusern, wenn sie gerade an der „Arbeit" sind: „Uns genirt das Schächten nicht, wir essen auch nicht Geschachtetes." Es ist das gleiche Verhältniß, wie beim Schreiben der Kinder am naiv, da sind nur diejenigen Eltern schuld, welche die Sache gehen lassen, da muß cs einem Schuldirektor auffallen, daß „Juden" schreiben dürfe» und andere wieder nicht. Ich erinnere nrich, daß in Bern ein Vater zum Rector s. Zt. berufen wurde und ihm gesagt wurde, Rabbiner Goldstein habe ihm vorgestellt, daß jüd. Kindern das Schreiben am mw verboten fei und er habe nicht dagegen, aber was antwortet der Vater!

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