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Der Israelit · 1885-11-23 · Heft 91 (23.11.1885) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
26 (1885)
Issue
Heft 91 (23.11.1885)
Date
1885-11-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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reich entwickelt zu sein scheint, als die der übrigen Völker, war der Monotheismus fremd, und all die Regungen einer reineren Gottesauffaffnng, die wir bei ihnen treffen, sind ans den Einfluß der Juden zn.'ückznsühren. — Wann zuerst Inden nach Arabien gekommen sind, ist sehr zweifelhaft. Manche Forscher nehmen an, schon zur Zeit des ersten Tempels, andere erst nach dessen Zerstörung; gewiß aber ist, daß sie im 6. und 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung eine sehr bedeutende Stellung auf der arabischen Halbinsel cinnahmcn. Ein jüdisches Reich bildete sich damals im Süden durch den Uebertritt des Königs Abu Kariba, wurde aber nach nicht langem Bestände durch den König von Acthiopien mit byzantinischer Hilfe zerstört. Die nordarabischcn Inden unterschieden sich in der Lebensweise nur wenig von ihren heidnischen Rachbarstämmcn. Wie diese waren sic Hirten, aber auch zu jeder Zeit bereit, ihre Freiheit gegen fremde Angriffe mit dem Schwerte zn vcrtheidigen. Bündnissen, die sie zu diesem Zwecke mit den heidnischen Stämmen geschloffen hatten, blieben sic auch dann treu, wenn sie dadurch zum .Kriege gegen ihre Glaubensgenossen gezwungen wurden. War aber der Krieg beendet, so lösten sie die von ihnen selbst gefangenen Glaubensbrüder von ihren Verbündeten aus und schenkten ihnen die Freiheit. Besonders berühmt war durch seine Treue a hi net. Ein heidnischer Freund, der Arabien verlassen mußte, hatte ihm Waffen in Verwahrung gegeben. Während dessen Abwesenheit verlangte ein Feind die Herausgabe der Waffen, belagerte Samuel in seiner Burg, und es gelang ihm sogar, einen Sohn Samuels in seine Gewalt zu bekommen, mit dessen Tode er den Vater bedrohte, wenn er sich nicht zur Herausgabe entschließe. Aber in diesem schweren Kampfe zwischen Vaterliebe und Treue gegen das gegebene Wort siegte die letztere, und „treu wie Samuel" wurde seidem im arabischen Volke das Sprichwort. In religiöser Hinsicht mag dem arabischen Volke tiefere Gelehrsamkeit gefehlt haben, die heilige Schrift aber und all die herrlichen Erzählungen, welche die Agada über das Leben der Erzväter und die Vorzeit Israels berichtet, waren ihnen desto geläufiger, und Sabbat, 'Speisegesetze wurden von ihnen aufs Strengste beobachtet. Ihr Einfluß ans Mnhamcd, dessen Lebensgang der Redner als bekannt voraussetzte und deshalb nur in Kurzem skizzirte, ist aus äußeren, wie inneren Gründen nicht zn bezweifeln. Mnhamcd hatte jüdische Bekannte von früher Jugend auf. ja einer seiner Verwandten hatte sich sogar dem Judcnthume zngewandt. Daß seine angeblichen Offenbarungen ihm direkt von einem Juden inspirirt seien, wurde ihm von seinen Gegnern vorgeworfen und von ihm nur mit schwachen Gründen bestritten. Dann aber basirt Mnhamcd seine ganze Glaubenslehre, die ja rn der Einheit Gottes gipfelt, auf die biblische Geschichte, wie sie ihm freilich nicht aus den Quellen, sondern ons den Erzählungen seiner jüdischen Bekannten mit agadischen Zusätzen zugeführt waren, und die er dann, häufig mißverstanden, seinen Ausführungen im Koran zu Grunde legte. Wenn schon er in dieser Periode auch das Ehristenthnm mit großer Schonung behandelt und auch aus den Erzählungen des neuen Testamentes manches, was er von christlichen Arabern erfahren, in ähnlicher Weise benutzt, so ist cs doch unverkennbar, daß er in allen wichtigen Punkten, wo Jndenthmn und Ehristenthnm auseinander gehen, sich für die jüdische Anschauung entschied. — Muhamed hoffte, daß es ihm gelingen werde, die Anerkennung der Juden für seinen Glauben zn gewinnen und besonders, als er aus Mekko geflohen, sich nach Medina wandte, in dessen Nähe eine noch zahlreichere jüdische Bevölkerung lebte, die auch hier wohl dem Monotheismus den Boden geebnet hatte. Mnhamcd zeigte sich zuerst sehr entgegenkommend gegen die Juden, ja. er war bereit, ihnen zuliebe den Versöhnungstag einzuführen und die Feier des Sabbat als Ruhetag zn gestatten, aber die Inden erwiesen sich seiner Lehre, die ihnen ja nichts wesentlich Kienes zn bieten vermochte, unzugänglich, denn die Anforderungen geistiger und sittlicher Bollkommenhcit, welche sie an einen Propheten stellten, konnte auch freilich Mnhamcd nicht im Geringsten entsprechen, und in scharfer, oft ironischer Weise hielten sie ihm seine Fehler, sowie die vielen inneren Widersprüche vor, in welche er sich verwickelte. Seitdem Muhamed die Richtigkeit seiner Erwartungen einsah, griff er die Juden auf's heftigste an und häufte nicht allein im Koran die schwersten Beschuldigungen ans sie, sondern er eröffuete einen Krieg gegen die jüdischen Stämme, dessen Resultat war, daß dieselben entweder ganz vernichtet oder doch aus Arabien vertrieben wurden. Die Tochter eines jüdischen Häuptlings, den Muhamed besiegt und getödtct hatte und die dann Muhamed gezwungen hatte, seine Gattin zn werden, beschloß den Tod ihres Vaters und den Untergang ihres Stammes zu rächen, indem sie Muhamed eine vergiftete Speise reichte. Muhamed spürte das Gift erst, als er einige Bissen genommen hatte. Es war nicht stark genug, ihn sofort zn tödten, aber er schrieb seine spätere Krankheit immer der Nachwirkung des Giftes zn, und seine Erbitterung gegm die Juden wurde stets größer. —

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